Kornwestheim Der Bohrführer macht den „Spatenstich“

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Grumpenbachbrücke: Es ging los. Foto: Werner Waldner

Kornwestheim - Hier kann man nicht von einem Spatenstich sprechen“, frohlockte der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann, „wir werden den ersten Bohrpfahl setzen.“ Und dann stiefelte er zusammen mit Steffen Bilger, Bundestagsabgeordneter aus dem hiesigen Wahlkreis und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, durch den Matsch zum riesigen Bohrer, um ihn ins Erdreich zu rammen und damit den Beginn der Bauarbeiten für die neue Gumpenbachbrücke zu symbolisieren. In Sachen Schuhwerk war der Grüne Hermann dem CDU-Mann Bilger eindeutig voraus: Er trug rustikale Trekkingschuhe, derweil sich Bilger für die Lederschuhe – anfangs schwarz, später braun – entschieden hatte.

Richtig Hand anlegen an der 21 Meter hohen Maschine durften die beiden Politiker allerdings nicht. Das übernahm lieber Bohrführer Anestis Papanikolaou, der die beiden Politiker nacheinander kurz im Führerstand Platz nehmen ließ, ohne sie dabei aus den Augen zu verlieren. Für die Bauarbeiter auf der Großbaustelle war der symbolische Baubeginn eine willkommene Abwechslung. Sie durften nicht nur für eine Stunde die Arbeit ruhen lassen, sondern bekamen auch Kaffee und Butterbrezel, die unter der Gumpenbachbrücke ihnen und den Gästen aus Politik und Verwaltung serviert wurden.

Zugegeben, es gibt gemütlichere Orte, um den Start für ein 27 Millionen teures Projekt zu feiern, das als überaus bedeutsam für die Verkehrsinfrastruktur in der Region eingestuft wird. Ein eisiger Wind pfiff am Montagmorgen durch den Klingelbrunnen, und die Kraftfahrzeuge donnerte über die Gäste hinweg. Aber die Freude über den Baubeginn war gleichwohl zu spüren – zum Beispiel bei Kornwestheims Oberbürgermeisterin Ursula Keck. „Wir haben lange auf diesen Tag gewartet“, sagte sie und wusste zu berichten, dass der Neubau der Gumpenbachbrücke das teuerste Straßenbauprojekt in Kornwestheims Geschichte ist. Regierungspräsident Wolfgang Reimer freute sich darüber, dass die Gumpenbachbrücke neu gebaut wird, obgleich diese Maßnahme überhaupt nicht im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen war – was auch verdeutlicht, wie schlecht der Zustand der B 27-Brücke ist. Reimer betonte, dass es nicht nur um einen Ersatz für das 66 Jahre alte Bauwerk gehe, sondern auch um besseren Lärmschutz, um eine neue Ab- und Zufahrt an der Anschlussstelle Kornwestheim-Nord und um einen neuen Fahrbahnbelag zwischen Nord und Mitte.

Die alte Gumpenbachbrücke sei eine der ersten Spannbetonbrücken gewesen, die nach dem 2. Weltkrieg gebaut worden seien, berichtete Staatssekretär Steffen Bilger. Dass sie den heutigen Anforderungen kaum standhalten könne, sei kein Wunder. Der Verkehr habe von 1970 bis heute um 500 Prozent zugenommen, von 2010 bis 2030 werde er den Prognosen zufolge um weitere 38 Prozent wachsen. Es sei wichtig, die Infrastruktur in Schuss zu halten, weil sie Voraussetzung für Wirtschaftswachstum und Wohlstand sei. Die lange Vorbereitungszeit – 2010 sei mit den Planungen begonnen worden – habe einmal mehr gezeigt, wie wichtig es sei, die Prozesse zu beschleunigen. Dank der neuen Gesetzgebung müssten die Behörden künftig kein Planfeststellungsverfahren mehr durchführen, sondern es reiche ein im Vergleich dazu einfacher Bauantrag.

Verkehrsminister Winfried Hermann erinnerte daran, dass solche Brückensanierungen vielerorts anstehen werden. 400 Brücken im Lande müssten mittelfristig überholt oder erneuert werden, bei 60 Bauwerken dränge die Zeit. Er geht davon aus, dass das Geld für Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen zu 75 Prozent für Instandsetzung benötigt werden, aber nur zu einem Viertel für den Neubau. „Wir haben“, sagte Hermann, „schon ein ziemlich perfektes Netz. Unsere größte Aufgabe ist es jetzt, das Netz zu erhalten.“

Trotz der widrigen Umstände unter der Brücke verzichtete das Regierungspräsidium, das zu diesem symbolischen Baubeginn eingeladen hatte, nicht auf die musikalische Untermalung. Ein Bläsertrio mit Sebastian Rathmann, Benedikt Krüger und Elisabeth Egger intonierte unter anderem „Go, tell it on the mountain“ und brachte damit ein wenig Wärme in diesen kalten Morgen.

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