Kornwestheim Der Kirchenpfleger hat viel zu tun

Von Werner Waldner
Tobias Laufs Foto: Werner Waldner

Kornwestheim - Als Tobias Laufs davon hörte, dass in Kornwestheim die Stelle eines Kirchenpflegers zu besetzen ist, war sein erster Gedanke: „Ich bin doch keine Reinigungskraft.“ Es sei ihm verziehen, denn Laufs kommt aus Lüneburg, wo es die Bezeichnung Kirchenpfleger nicht gibt, sondern eher nordisch sachlich vom Leiter eines Kirchenamtes gesprochen wird. Die Kirchenpflege in Kornwestheim ist nicht die einzige Aufgabe von Laufs. Bei der evangelischen Kirchenpflege in Ludwigsburg zeichnet der 52-Jährige derzeit für die Kindergartenarbeit und damit für 26 Einrichtungen – darunter auch die aus Kornwestheim und Remseck – verantwortlich. Dafür hat er eine passende Bezeichnung gefunden: Kindergartendirektor.

Erst mal zur Marine

Die evangelische Kirche ist Tobias Laufs nun wahrlich nicht fremd. Sein Vater war Pfarrer in Lüneburg, in der Verwandtschaft finden sich vom Domprediger bis zur Kirchenmusikerin viele Menschen in Diensten der Protestanten. Aber ihn selbst zog es zunächst einmal nicht zur Kirche. Tobias Laufs heuerte bei der Marine an und wurde Funker. „Einer der letzten Tastenfunker“, wie der 52-Jährige erzählt. Nach der Zeit bei der Bundeswehr studierte Laufs die „Schriftenauslesung der anderen Art“, wie er es formuliert, nämlich Jura. Er machte sich als Projektmanager selbstständig und fand nun auch den Weg zur Kirche. In Berlin war er im Jubiläumsjahr der Reformation im Einsatz.

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Aber Berlin, da war sich Tobias Laufs mit seinem Ehemann einig, sollte nicht die Zukunft sein. „Wir hatten Lust auf eine saubere Stadt mit freundlichen Menschen, die auf der Straße auch einmal grüßen.“ Als sie vor drei Jahren zu einer Konfirmation nach Ludwigsburg kamen, wussten sie gleich: Diese Stadt soll es sein.

Schwäbisch hört er gerne

Und sie ist’s geworden. Sie fanden nicht nur eine Wohnung, sondern auch Arbeit und genießen die freundlichen, auf der Straße grüßenden Menschen und die Landschaft. Um die Schwaben besser zu verstehen, schaute sich Laufs die Fernsehserie „Die Kirche bleibt im Dorf“ an und zappte immer wieder bei „Hannes und der Bürgermeister“ rein. „Ich höre das Schwäbische wirklich gern“, sagt der Kirchenpfleger.

Mit dem Dienstantritt von Tobias Laufs in Kornwestheim gehen auch einige Veränderungen in der Kirchenpflege einher. Das Büro ist nicht mehr in der Beate-Paulus-Straße, sondern nunmehr im Pfarrhaus neben der Johanneskirche. Die kaufmännische Leitung der Ökumenischen Sozialstation hat Laufs’ Vorgängerin Renate Schwaderer schon vor einiger Zeit abgegeben, die Verantwortung für die Kindergärten ist an die Kirchenpflege in Ludwigsburg gegangen. Auch die Personalverantwortung und die Buchhaltung sind in die Nachbarstadt gewandert.

„Mädchen für alles“

Zu tun gibt’s für den Kirchenpfleger in Kornwestheim genug. Er kümmert sich um die Gebäude und ist derzeit viel in der Martinskirche zu finden, die gerade saniert wird. Er ist für Anschaffungen zuständig, steht dem Kirchengemeinderat Rede und Antwort, ist eigentlich „Mädchen für alles“.

Mit seiner Vorgängerin Renate Schwaderer hat Tobias Laufs auch das Interesse an Literatur gemeinsam. Aber der 52-Jährige hat sich auf ein ganz besonderes Genre festgelegt: der Bildungsroman des 19. Jahrhunderts hat es ihm angetan. Da wird es Laufs zu freuen hören, dass auch Johann Wolfgang von Goethe einmal in Kornwestheim weilte und sich in ein paar Zeilen positiv über die Gemeinde ausgelassen hat.

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