Kornwestheim Der Untergang der Titanic in Reimform und drei Minuten

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Helge (rechts) und das Udo. Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Einen Kinobesuch machen die beiden Kabarettisten überflüssig. Den Inhalt von Filmen erzählen sie mal flugs in drei Minuten – und das auch noch in Reimform. Ihre Kurzversionen von Filmklassikern gehörten zu den Höhepunkten eines unterhaltsamen Abends, zu dem der Lionsclub Kornwestheim eingeladen hatte. Mit dem Erlös aus der Benefizveranstaltung finanziert der Verein Projekte für Kornwestheimer Kinder und Jugendliche, unter anderem ein Herbstferienprogramm für Flüchtlinge, wie Präsident Helmut Bier bei der Begrüßung im K erläutert.

„Läuft!“ ist das Programm von Helge Thun und Udo Zepezauer überschrieben. Es ist ihr sechstes, seit 18 Jahren stehen sie gemeinsam auf der Bühne. Sie sind perfekt in ihrer Mischung aus intelligenten Sketchen, Sprachakrobatik, Improvisationskomik, Blödeleien und Gesangsmedleys quer durch alle Musikgenres per aufeinander eingestimmt. Nur mit dem Kornwestheimer Publikum sind sie anfangs nicht ganz zufrieden. Es klatscht nicht im passenden Moment. Deshalb gibt’s von der Bühne aus eine kleine Hilfestellung: Immer wenn sich Helge und das Udo die Hand vor Augen halten, es quasi dunkel im Theatersaal wird, ist der Moment für Beifall gekommen. Aber nicht nur dann: Mittels Applaus darf das Publikum auch mitentscheiden, was es auf der Bühne sehen will – lieber Kurzversionen von „Alien“ oder „ET“, von „Meuterei auf der Bounty“ oder „Der Untergang der Titanic“, lieber ein Musikmedley zum Thema Ernährung, zum Thema Körpergewicht oder zum Thema Putzen. Logisch, dass sich die Kornwestheimer – wie vermutlich immer bei Gastspielen des Kabarett-Duos in Schwaben – fürs Putzen entscheiden. Helge Thun und Udo Zepezauer tanzen – mit Besen als Hilfsmittel – wie das Fernsehballett und singen zur Melodie der deutschen Nationalhymne „Reinlichkeit und Fleckenfreiheit“.

Blödeleien, Wortwitz, Persiflagen – sie bestimmen das Programm. Politisch wird’s nur einmal, da allerdings geben sich Helge Thun und Udo Zepezauer bitterböse, auch wenn’s nach außen nicht den Anschein macht. Im Stile der Musik der 20er-Jahre und mit einem süffisanten Lächeln im Gesicht verleihen sie ihrer Hoffnung Ausdruck, dass den Staatsführern wie Donald Trump, Recep Erdogan oder Kim Jong-un schon bald der Garaus gemacht wird. „Ich hoffe, der Donald – stirbt schon bald“ reimt Helge Thun, um am Schluss dieses „lösungsorientierten Kabaretts“ nachzulegen: „Was für Julius Cäsar gut war, kann für die genannten Herren nicht schlecht ein.“

War da nicht noch was? Genau. Einen Namen hat sich Udo Zepezauer als Tierimitator gemacht. Und auf Schildkröte, Seelöwe, Meerschweinchen und Krabbe sollen auch die Zuschauer in Kornwestheim nicht verzichten. Für die Zugabe greifen die beiden Kabarettisten tief in die Mottenkiste und holen den Sketch heraus, der ihr bekanntester ist. Das Publikum im Theatersaal des K ist begeistert. Aber Helge und das Udo machen ausnahmsweise einmal ernst: Wie angekündigt gibt es nur eine Zugabe. Und dabei hätte man gerne noch den einen oder anderen Film in Kurzversion genossen.

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