Kornwestheim Der Volkstrauertag bewegt die Menschen

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Der Zug führte von der Aussegnungshalle zum Mahnmal. Foto: Peter Mann

Kornwestheim - Robby Risch brachte es auf den Punkt: „Ich hatte schon mehrfach die Ehre, an diesem Gedenken teilzunehmen“, sagte der sichtlich bewegte Oberbürgermeister von Kornwestheims Partnerstadt Weißenfels in Sachsen-Anhalt. „Aber hier und heute“, ergänzte er dann, „hier und heute hat das eine völlig neue Qualität.“

Am Sonntag begingen wieder Kommunalpolitiker, Abordnungen der Partnerstädte Eastleigh, Villeneuve-Saint-Georges und Weißenfels, Reservisten, amerikanische Verbündete und natürlich Kornwestheimer Bürger den Volkstrauertag auf dem Friedhof an der Aldinger Straße. Um ein Vielfaches länger war der Zug der Anwesenden diesmal, mindestens 200 Besucher und Teilnehmer mögen wohl dabei gewesen sein – der Andrang war damit viel größer als in vergangenen Jahren. In der Aussegnungshalle fanden nicht alle Gäste Platz, bis nach draußen standen die Menschen und lauschten den Worten, die da gesprochen und den Instrumenten, die da gespielt wurden.

Für den großen Andrang in diesem Jahr gab es einen Grund: Schon im Frühjahr hatte die Stadtverwaltung einen Arbeitskreis einberufen, um Programm und Ablauf des Kornwestheimer Volkstrauertages gründlich zu überarbeiten. Der Großteil der Feier wurde demnach in die Aussegnungshalle verlegt, der Beginn auf den Nachmittag angesetzt, auf dass in der aufziehenden Dämmerung die Kerzen besser zu Geltung kommen und die Atmosphäre feierlicher würde. Vor allem aber sollte nun ein größerer Teil des Programms von jungen Menschen erdacht werden. Die Theodor-Heuss-Realschule brachte sich hier ein. Nicht nur spielte die Theo-Big-Band auf, „Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel war zu hören und die Europahymne, bei der sich alle Anwesenden erhoben. Auch erinnerten die Schüler an den früheren Bundespräsidenten Theodor-Heuss, dessen Wirken im Fokus dieses Volkstrauertages stand. Sie spielten einen Teil seiner Rede von 1952 in Bergen-Belsen ab, wo die erste bundesdeutsche Gedenkstätte eines Konzentrationslager eröffnet wurde: „Wir haben von den Dingen gewusst...“ Auch lasen die Schüler mahnende Worte, teils auch in Englisch und Französisch, zudem zitierten sie Zeitzeugen und machten so die Greuel der Nazizeit greifbar und spürbar.

Ebenfalls eine kurze Ansprache hielten neben Robby Risch noch der Major Councillor von Eastleigh, Darshan Mann, sowie der Deputy Major von Villeneuve, Daniel Henry. Mann gelobte in Zeiten, in denen Unsicherheit herrsche, wie die Verbindung von England zu Europa künftig aussehen werde: Immer werde man diejenigen ehren, die die Freiheit geschützt haben. Daniel Henry erinnerte vor allem an die Gräuel des Ersten Weltkrieges – der den Franzosen ja als der große europäische Krieg in besonders intensiver Erinnerung ist.

Die Kornwestheimer Oberbürgermeisterin Ursula Keck sprach nur kurz. Sie hatte ihren Redebeitrag zugunsten der anderen Programmpunkte diesmal zurückgestellt. „Gemeinsam ist es uns ein großes Bedürfnis, jedes Jahr zusammenzukommen, um an die Opfer der beiden Weltkriege und von Krieg und Gewalt weltweit zu erinnern und gleichzeitig für den Frieden auf der Welt zu werben“, sagte sie.

Das Totengedenken im Rahmen der Kranzniederlegung am Mahnmal sprach die Gymnasiastin Jasmin Doan, das Gebet Pfarrer Martin Mohns.

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