Kornwestheim Die „Abflackwiese“ ist eingeweiht

Von Peter Meuer
Jana Mieskes (links), Laura Fuchs (rechts) und Annika Knödler (chillig in der Mitte sitzend) flacken an einer der neuen Bänke ab. Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Wenn sie Physikunterricht haben, dann können sie aus dem entsprechenden Klassenraum auf die Bänke schauen, erzählen Jana Mieskes, Laura Fuchs und Annika Knödler. „Wir freuen uns immer, wenn jemand darauf sitzt“, sagen die Schülerinnen und lächeln. „Denn dann“, meint Annika Knödler, „wissen wir, dass die Arbeit sich gelohnt hat“.

Seit gut drei Wochen stehen im Salamander-Stadtpark gleich gegenüber des Ernst-Sigle-Gymnasiums drei große, prachtvolle, und vor allem gemütliche hölzerne Bänke. Dass sich nicht nur Schüler, sondern die ganze Stadtgesellschaft über die neuen Sitzgelegenheiten freuen darf, ist in erster Linie Jana Mieskes, Laura Fuchs, Annika Knödler sowie einer weiteren Siebtklässlerin, Alma Tuchseher, zu verdanken, und in zweiter Linie einer bunten Schar Sponsoren – zu ihnen später mehr. Die Idee kam den Schülerinnen, als ihre Klassenlehrerin vom städtischen Ideen-Wettbewerb „Dreams & Reality“ erzählte, bei dem Kinder und Jugendliche Projekte überlegen und mit umsetzen, die anderen Kindern und Jugendlichen zu Gute kommen.

Nicht nur für Schüler

Dass es toll wäre, einen Platz zu haben, um ein bisschen herumzuchillen, befanden Jana, Laura, Annika und Alma. Zunächst, so erzählt Annika Knödler, habe man vor allem an andere Schüler und Schülerinnen gedacht und hatte die Vision eines Stadtstrands vor Augen, mit Liegen und Hängematten.

Die Idee entwickelte sich weiter, hin zu Sitzgelegenheiten – „und zwar für alle, nicht nur für Schüler“, betont Annika Knödler. Es war den Zwölfjährigen am Ende dann doch wichtig, dass Jung und Alt auf der „Abflackwiese“, wie der Name des Projektes schließlich lautete, zusammenkommen können.

Sponsoren haben geholfen

Sie bewarben sich und bekamen auch schnell die Zusage von der Stadt. Indes unterstützt Dreams & Reality noch weitere Ideen – in diesem Jahr etwa ein Antidiskriminierungsprojekt und einen Jugendtreffpunkt, wie Tanja Solander-Popovic berichtet, die stellvertretende Leiterin der Abteilung Jugend im Kornwestheimer Rathaus. Die 700 Euro aus dem Topf hätten hinten und vorne nicht für mehrere Bänke gereicht, war den Schülerinnen schnell klar.

Also, und hier kommen die Sponsoren ins Spiel, suchten sie sich Unterstützung. Geld für die drei Bänke gaben am Ende Ömer Demirhan mit seinem Rewe-Markt, der Elektrobetrieb Engin und die Familie von Olnhausen von Lillich-Immobilien. Außerdem spendeten Fahrrad Luithardt, die Kornwestheimer Aquarien- und Terrarienfreunde und der Getränkemarkt Braun kleinere Beträge.

Erste Schmierereien entdeckt

Sponsoren, Vertreter der Stadtverwaltung und die Abflackwiesen-Erfinderinnen kamen am Dienstagabend zusammen, um die Bänke offiziell ihrer Bestimmung zu übergeben. Erster Bürgermeister Daniel Güthler hielt gar ein kurzes Grußwort und würdigte somit das Tun der drei sichtbar stolzen Schülerinnen – Alma Tuchseher konnte nicht dabei sein, da die Siebtklässlerin mittlerweile umgezogen ist. „Dieser Ort wird viele Menschen erfreuen“, sagte der Erste Bürgermeister. Es sei ein echter Mehrwert geschaffen worden. „Die Bänke beleben den Platz und machen den Stadtpark dank sozialer Kontrolle außerdem sicherer“, betonte er. „Passt gut auf alles mit auf“, gab er den Schülerinnen außerdem mit auf den Weg.

Dass sie das vorhaben, bestätigten Jana Mieskes, Laura Fuchs und Annika Knödler sodann auch. Tatsächlich haben sie bereits Schmierereien auf den Bänken bemerkt, und ja, das habe sie geärgert, erzählen die Zwölfjährigen. „Wir achten darauf“, bekräftigte Annika Knödler. Und ergänzt: „Man hat von den Bänken aus einen so schönen Blick über den Stadtparksee.“ Am Rathaus könne man abends von dort aus sogar die Sonne untergehen sehen.

Träume werden Wirklichkeit

Dreams & Reality
Ganz unterschiedliche Projektideen reichten die Kornwestheimer Jugendlichen beim Wettbewerb der Stadt Kornwestheim ein. Von den acht Träumen hat die Stadt sieben wahr werden lassen. „Dreams & Reality“ betrachtet die Stadt als einen wichtigen Baustein der Jugendbeteiligung. Dazu gehört auch die Jugenddelegation (Judeko). Die Jugendlichen sollen lernen Verantwortung zu übernehmen.

Fördersumme
 2000 Euro standen für die Projektideen zur Verfügung. Unter anderem gab’s den Wunsch nach einem Gebärdensprachkurs, ein Videospieltag stand ebenso auf der Liste der Jugendlichen.