Kornwestheim Die Christdemokraten denken groß

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Gut gelaunt: Die Kornwestheimer CDU-Kandidaten sind mit einem Bus in Kornwestheim unterwegs gewesen. Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Es ist ein wirklich großer Bus, den die CDU da gechartert hat und der am Marktplatz wartet. Man könnte damit Reisegruppen durch Europa befördern. Doch so flixbusmäßig weit soll es an diesem Freitagabend nicht gehen. Die Kornwestheimer Christdemokraten fahren mit dem Gefährt verschiedene politisch-neuralgische Punkte in der Stadt an. Eingeladen zur munteren Tour sind neben unserer Zeitung – 90 Minuten soll die Fahrt dauern, damit sie in unsere Kommunalwahlserie passt – noch sämtliche Gemeinderatskandidaten der Partei. Einige Kandidaten sagten ab, weswegen wohl auch ein kleinerer Bus gereicht hätte. Sven Waldenmaier, Vorsitzender der Kornwestheimer Christdemokraten, nimmt es mit Humor. „Wir denken eben groß“, sagt er scherzend.

Dass die Konservativen auch politisch groß denken, werden sie noch unter Beweis stellen – beim letzten Halt des Tages. Doch zuvor geht es ins Wilkin-Areal. Als es losgeht, greift der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans Bartholomä zum Mikrofon, er moderiert die Tour und stellt den Fahrer „Niels mit e“ vor, der das große Gefährt routiniert durch die Kornwestheimer Straßen steuert. Bartholomä streut, passend zum jeweiligen Streckenabschnitt, immer wieder politische Positionen seiner Partei ein. „Wir fordern Tempo 40 in der gesamten Stadt“, sagt er beispielsweise. Die Stimmung unter den Gemeinderatskandidaten ist gelöst, ein bisschen Kaffeefahrtatmosphäre herrscht vor. Man frotzelt über Wahlplakate der politischen Gegner. Ein paar Reiter kommen vorbei. Die Grünen seien auch unterwegs, ruft jemand lachend.

Hinterm Lidl, gleich am Neubau der Tiermedizin-Firma Idexx, bleibt der Bus dann zum ersten Mal stehen. Das Konzept ist klar: Zwar ergreift Bartholomä als alter Gemeinderatshase immer wieder das Wort, doch die CDU präsentiert sich insgesamt als Team. Verschiedene, auch politisch unerfahrene, Gemeinderatskandidaten dürfen an den Stationen zu unterschiedlichen Themen das Wort ergreifen. Zu „Wirtschaftsförderung und Arbeitsplätze“ spricht zunächst David Schnur, 24 Jahre alt, Listenplatz 12 und Industriekaufmann.

Dass die Partei dafür stehe, Unternehmen attraktive Standorte zu bieten, macht er klar. Das Gespräch gleitet über zu den fehlenden Gewerbeflächen und folgerichtig zum angedachten Gewerbegebiet Südwest. Dass man nicht wild jeden Betrieb ansiedeln will, aber für starke Firmen oder die Erweiterung bereits ansässiger Unternehmen Flächen vorhalten möchte, das betonen die Kornwestheimer Konservativen. Und auch, dass die Aldinger Straße im Wilkin-Areal leistungsfähiger werden solle, sagt Bartholomä, da man schon vor Ort ist. Station zwei der Reise ist die Theodor-Heuss-Realschule. Hier spricht die Gemeinderätin Silvia Stier, Rektorin im Ruhestand als Schulexpertin. Sie tritt auf Listenplatz 2 für die CDU an. Stier erläutert, dass die CDU für einen starken zweiten Schulschwerpunkt hier im Osten der Stadt steht. Die Gemeinschaftsschule und eine mindestens zweizügige Grundschule sollten am Gelände der Theodor-Heuss-Realschule gebündelt werden. Im Westen der Stadt könnte die Förderschule dann etwa in die Räume der Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeinschaftsschule ziehen, die Eugen-Bolz-Grundschule hätte mehr Platz. Dass die Neuordnung der Kornwestheimer Schulen dringend notwendig ist, auch wegen der steigenden Schülerzahlen, aber höhere zweistellige Millionenbeträge kosten wird, bestätigt Dietmar Allgaier. Der Erste Bürgermeister ist bei der Tour dabei – indes nicht in dieser Funktion, sondern als Kreistagsvertreter der Partei.

Von der Theodor-Heuss-Realschule geht der Blick natürlich auf die Felder und Wiesen in Richtung Südwesten. Das Wohngebiet Ost IV wird hier wohl einmal entstehen. Und ja, auch die Nord-Ost-Ring-Debatte tobt. Die Kornwestheimer CDU positioniert sich hier klar als Gegner der Bundesstraßentrasse. An Station vier stellt Marcus Gessl, Listenplatz 7, Kaufmann und bekannt als Vorsitzender des Stadtverbandes für Sport in Kornwestheim, dann das ESG-Gelände vor mit all seinen Sport- und Freizeitmöglichkeiten. „Wir haben hier für alle Bevölkerungsgruppen die Möglichkeit geschaffen, sportlich aktiv zu sein“, sagt er nicht ohne Stolz mit Blick auf Spielfelder, BMX-Bahn, Boulebahn und Co.

Weiter geht es zum Holzgrundplatz. Hier spricht Tim Hollborn, Hotelbetriebswirt, Listenplatz 11, über „Sicherheit und Sauberkeit in der Innenstadt“. Der Bahnhof als Tor zur Innenstadt müsse attraktiver gestaltet werden, sagt er beispielsweise. Und dass die CDU dafür stehe, die Sauberkeit im Innenstadtbereich zu erhöhen.

Und dann geht es noch zur Kreuzung Johannesstraße, Zeppelinstraße und Stuttgarter Straße. Hier präsentiert Hans Bartholomä dann noch das besondere Schmankerl, gleichsam eine politische Forderung, die die Christdemokraten sich für den Schluss der Tour aufgehoben haben. Sie würden den Verkehrsknotenpunkt gerne zu einem Kreisverkehr umbauen – damit der Verkehr besser fließt. „Der Platz würde ausreichen.“

Danach ist die Tour vorbei. Nach gut 90 Minuten. Die CDU kehrt noch im „Applaus“ ein – und freut sich zum Schluss noch jedes Mal, wenn „Niels mit e“ an einem eigenen Wahlplakat mit Kandidatenbildern vorbeifährt.

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