Kornwestheim Die „CO-2-Ampeln piepsen bei dicker Luft

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Freuen sich über die erfolgreiche Entwicklung der CO-2-Ampeln am Ernst-Sigle-Gymnasium (von links): Yann Cosson, Jule Wagner, Fachbereichsleiterin Stefanie Bertsch, Robin Gwinner, Benjamin Schmidt, Aileen Aynacioglu. Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Anfangs, da sollte das „Fröschle“ darauf achten, dass die Schüler am Ernst-Sigle-Gymnasium genug frische Luft bekommen. „Wir wollten unsere Entwicklung zunächst in schönem Grün gestalten“, berichtet Aileen Aynacioglu und lächelt. „So kamen wir auf den Namen.“

Ihre Geräte gibt es mittlerweile, doch als Fröschle gehen sie nicht mehr durch. Blau, weiß und grau sind die handlichen sechseckigen Kästen mit den Mini-Monitoren – in den Farben des Ernst-Sigle-Gymnasiums sind sie am Ende gestaltet worden.

Die 15 Jahre alte Aileen und ihre beiden Mitstreiter und Teamgefährten Yann Cosson (15) und Jule Wagner (14) sind dennoch mächtig stolz. „Es ist schon klasse, dass unsere Entwicklung am Ende ausgewählt wurde“, sagen die drei Gymnasiasten.

Das Gerät piepst wie ein Frischluftwecker

Ihre „Entwicklung“, das ist eine so genannte CO-2-Ampel. Das Gerät kann den Kohlenstoffdioxid-Gehalt in der Luft messen, kann warnen, wenn dieser zu hoch wird und gelüftet werden sollte, auch piepst es regelmäßig wie eine Art Frischluftwecker: Seht her, so scheint es zu sagen, ihr habt schon lange die Fenster nicht mehr aufgerissen. Stoßlüften – jetzt!

Die CO-2-Ampel ist aus einem Projekt der Naturwissenschaft-und-Technik-Klassen (NWT) am Ernst-Sigle-Gymnasium entstanden. Die Lehrer Robin Gwinner und Benjamin Schmidt haben es ersonnen und dann in monatelanger Projektarbeit mit ihren Schülern umgesetzt, in Dreier-Teams sollten die Neuntklässler die Ampeln entwickeln, zeichneten für Design, Technik, Bau verantwortlich. 3-D-Drucker wurden angeschafft, um Gehäuse zu drucken, Schaltkreise bestellte man.

Im Winter haben die Schüler gebaut und programmiert

Einen Teil des Geldes steuerte der Elternbeirat bei. Nach der Planungsphase folgten im Winter dann Bau und Programmierung der Geräte: Platinen fräsen, Gehäuse gestalten, Sensoren einsetzen, immer wieder ausprobieren, was geht und funktioniert – und was eben nicht. Viel Arbeit leisteten die Teams ergo im Homeschooling, die Lehrer begleiteten die Schülergruppen per Fernschalte.

Dass sie dabei viel über Technik, Programmierung und Luftzirkulation lernten, teils mit Profiprogrammen arbeiteten, war das eine. „Noch dazu haben wir uns aber mit Projektmanagement auseinandersetzen müssen“, sagt Yann. „Das fand ich sehr spannend.“

Die Ampeln sind auch aufgrund der Corona-Situation entstanden

Um in Sachen Projektmanagement Tipps zu geben, sei sogar ein Experte von W&W Informatik da gewesen.

Die Idee zu den CO-2-Ampeln ist auch aufgrund der Corona-Situation entstanden, erzählen die Lehrer Gwinner und Schmidt. Im Moment sei es immerhin warm und man könne gut und durchgängig lüften, sagen sie.

Im Winter wird das nicht mehr so einfach möglich sein – dann ist es zu kalt und eine Warnung, wenn die Luft „steht“, werde besonders sinnvoll. „Generell ist es ja wichtig, wenn regelmäßig gelüftet wird, auch für die Konzentration der Schüler.“

Auch viele andere Modelle haben gut funktioniert

Weil die CO-2-Ampeln folglich einen handfesten praktischen Nutzen bringen, haben die Lehrer am Ende ein Modell ausgewählt – eben jenes von Yann, Jule und Aileen –, das mehrfach produziert wurde. Jede Klasse erhielt eines. „Viele Modelle haben gut funktioniert“, lobt Robin Gwinner die anderen Teams. Es sei aber auch darum gegangen, welches Modell gut handhabbar und produzierbar sei.

Aileen, Yann und Jule haben jedenfalls eine Menge gelernt, betonen sie. Jeder von ihnen habe sich auf einen Bereich spezialisiert. Aileen zeichnete vor allem für das – nicht nur schöne, sondern auch praktische - Design der Geräte verantwortlich, Yann für Softwareentwicklung. Jule war die Elektronikexpertin der Gruppe, außerdem „habe ich den Kabelsalat im Inneren gebändigt“, sagt sie lachend und meint damit, dass sie möglichst effiziente Kabelführungen ausgeknobelt hat. „Wir haben als Team toll funktioniert“, sagt sie über ihre beiden Mitstreiter.

Den Namen haben die Schüler noch einmal überdacht

Gedanken über ihre berufliche Zukunft haben sich die Neuntklässler während des Projektes ebenfalls gemacht, auch wenn es für sie noch ein paar Jahre bis zum Abitur sind. Yann kann sich wirklich vorstellen, im Bereich Softwareentwicklung zu arbeiten, Aileen möchte ein Bogy-Praktikum bei der Staatsanwaltschaft machen. Jule Wagner liebäugelt mit dem Gedanken, Pilotin zu werden – wobei Elektronik-Verständnis gewiss hilft.

Und: Da ihr Gerät nun kein „Fröschle“ mehr ist, haben sie noch einmal über einen Namen nachgesonnen, zumindest über einen inoffiziellen. Als „YAK-Ampel“ könne man das Messgerät auch bezeichnen, finden sie – die Anfangsbuchstaben ihrer drei Vornamen.

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