Kornwestheim Die Instrumente werden nicht vermisst

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Auftritt von Onair in Kornwestheim Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Der Theatersaal im K ist nur äußerst begrenzt als Partyzone zu verwenden. Dafür sorgt allein schon die feste Bestuhlung, die den Bewegungsradius der Besucher in sehr engen Grenzen hält. Die fünf Vokalisten der Formation Onair brachten es fertig, dass alle im restlos ausverkauften Saal im Schlussteil des Konzertes begeistert mitklatschten und kleine Tanzschritte machten. Niemanden hielt es mehr auf den Sitzen.

Kein Wunder: Jennifer, Marta, André, Patrick und Kris hatten in ihr neues Programm „Vocal Legends“ große Gesangshits aus den vergangenen Jahrzehnten aufgenommen, bei denen alle schon nach den ersten paar Takten wussten, was kommen würde. Gleich mit dem ersten Hit im Programm, „Radio Ga Ga“ von Queen, hängten die fünf die Messlatte im Hinblick auf stimmliches Können und Transformation von Instrumental- in Vokalarrangements extrem hoch. Schließlich ist die Stimme von Frontmann Freddie Mercury unverwechselbar und einzigartig. Doch im gesamten Programm brachte es das Quintett aus Studienfreunden der Berliner Musikhochschule „Hanns Eisler“ fertig, die Vokalparts dem Original verblüffend ähnlich zu gestalten. Dennoch blieb stets ein wenig Raum für die Leadsängerinnen, eigene stimmliche Elemente zu integrieren.

Gleiches galt für die Arrangements, die dank des enormen technischen Könnens der Sänger im Rhythmus- und Bassfundament der ursprünglichen Instrumentalversion ungemein ähnlich waren. Manch einer, der die Gruppe vorher noch nicht gehört hatte, mag sich verwundert die Augen gerieben haben, dass trotz des authentischen Sounds kein Schlagzeug auf der Bühne stand und man dort auch vergeblich jemanden mit einer E-Gitarre in der Hand suchte.

Von Led Zeppelins „Stairway to Heaven“ habe nicht einmal im Bekanntenkreis jemand geglaubt, dass der Hit mit seinen ausgeprägten Gitarrenriffs und den wuchtigen Bass-Sounds je für Vokalisten machbar sein würde, berichteten die Musiker. Onair brachten den Siegersong nicht nur der legendären SWR-Hitparade so authentisch auf die Bühne, dass das Publikum in Begeisterungsstürme ausbrach. Absolut in ihrem Element waren die fünf bei Songs, die auch im Original mit einem A-cappella-Satz beginnen, wie bei „Radio Ga Ga“ oder Phil Collins’ „Father and Son“.

Diejenigen, die beim ersten Weihnachtskonzert der Berliner Vokalisten im K beim Projektchor mitsangen, haben sicher die lockere, aber auch verständnisvolle und freundliche Atmosphäre bei der gemeinsamen Probe in bester Erinnerung. Bei aller Professionalität fanden die fünf damals noch Gelegenheit, sich ohne jegliche Allüren um die begeisterte, aber doch eigens für den Anlass zusammengewürfelte Sangestruppe zu kümmern.

Die ihrerseits hatte die exklusive Gelegenheit, ein Original-Arrangement von Onair in den Händen halten zu dürfen, auf dem jede Vokalstimme einzeln aufgeschrieben ist und auch Patricks Beatbox-Beiträge verzeichnet sind. Wer das einmal gesehen und erlebt hat, kann sich die intensive Vorarbeit gut vorstellen, die nötig ist, um die Arrangements zu erstellen, alles auswendig zu lernen und in gemeinsamer Arbeit Musik und Choreografie so hochklassig zu gestalten.

Die ganze Solidarität der Musikerkollegen und das Verständnis des Publikums bekam Sängerin Marta im zweiten Teil des Programms hautnah zu spüren. Sie hatte an diesem Abend mit akuten Kreislaufproblemen zu kämpfen, konnte aber dank eines schnell vom freundschaftlichen Team des K bereitgestellten Stuhls und eiserner Disziplin den langen Teil mit etlichen Zugaben gut über die Bühne bringen.

Das Quintett bekommt inzwischen so viele Konzertanfragen, dass das Management der Truppe eine beinharte Terminplanung organisiert hat. Am Tag vor dem Kornwestheimer Konzert gastierten Onair noch in Darmstadt, bereits heute singen sie in der Urania in Berlin. Danach geht es von Nord nach Süd durch ganz Deutschland. Im K hat es der Truppe aber so gut gefallen, dass sie Kulturmanager Johannes Ellrott und dem Publikum versprachen: „Wir kommen gerne wieder“. Angesichts der vielen internationalen Preise, die Onair mittlerweile einheimst, ein Versprechen, dass den örtlichen Organisatoren und dem Publikum alle Ehre macht.

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