Kornwestheim „Die Kinder waren trotzdem sehr dankbar“

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Das Team um Sabine Hering hat sich verschiedene Corona-Aktionen ausgedacht. Foto: z

Kornwestheim - Mit der Schließung der Schulen und Kindergärten wegen des Coronavirus im März brachen für viele Kinder und Teenager mit einem Mal auch einige Freizeitangebote weg. Wie Jugendarbeit unter Pandemie-Bedingungen funktionieren kann und wie diese bei den jungen Leuten angekommen ist, erklärt Sabine Hering, Jugendreferentin bei der evangelischen Kirchengemeinde Kornwestheim, im Interview.

Frau Hering, welche Auswirkungen hatte die erste Corona-Welle auf Ihre Arbeit?

Als im März plötzlich alle Schulen geschlossen wurden, war bei uns auch Unsicherheit da. Wir haben entschieden, dass wir uns nicht länger mit den Kindern und Jugendlichen treffen können. Trotzdem wollten wir präsent sein und etwas anbieten. Wir wollten den Kindern und Jugendlichen unserer evangelischen Jugendarbeit zeigen, dass es bei Gott keinen Lockdown gibt und er und auch wir für sie da sind. Gerade zu Beginn, als alles plötzlich eingeschränkt und unsicher war, wollten wir ihnen Sicherheit und Konstanz vermitteln. Deshalb habe ich mich sofort drangemacht und zwei Spiele zu Ostern überlegt. Zum einen habe ich mir ein Brettspiel für Familien selbst ausgedacht und auf unsere Homepages gestellt. Zum anderen habe ich für die größeren Kinder ein QR-Code-Spiel als Osterweg entwickelt und dafür einen Spielplan erarbeitet. Dabei konnte man mit dem Handy die biblische Geschichte verfolgen.

Welche bereits geplanten Aktionen waren ansonsten nicht mehr möglich und was haben Sie stattdessen angeboten?

Unsere Veranstaltungen „Kids in Action“ und „Teens in Action“ konnten nicht mehr stattfinden. Für Kinder haben wir stattdessen ein etwa 50-minütiges Video gedreht. Im Frühsommer haben wir ein Foto-Stadt-Spiel angeboten, das quer durch Kornwestheim geführt hat und bei dem zum Beispiel die Garagentore bei der Feuerwehr gezählt wurden. Und zu Pfingsten habe ich einen Geocache mit mehreren Stationen und Rätseln zum Thema „Pfingsten“ für Jugendliche und junge Erwachsene im Freizeitpark veröffentlicht. Wir haben in der Evangelischen Jugendarbeit versucht, trotz Corona viele Sachen zu ermöglichen.

Sie haben also ein völlig neues Programm auf die Beine gestellt?

Ja, bis zu den Sommerferien konnte live fast nichts stattfinden. Die Ferienfreizeiten, auch die bereits seit Februar komplett ausgebuchte Stadtrandfreizeit, sind ebenfalls ausgefallen. Um wenigstens etwas Freizeitfeeling zu ermöglichen, hatte sich Diakonin Bettina Zehner mit ihrem Kinderbibelwochenteam „KiBiWo in der Tüte“ überlegt und dazu Geschichten, Bastelangebote und Spiele in Tüten für Familien vorbereitet.

Worin lagen die Schwierigkeiten beim Umplanen?

Das war die Unsicherheit. Wir wussten nicht, wie lange der Lockdown dauern würde: nur ein paar Monate oder womöglich ein ganzes Jahr? Das war vor allem bei den Freizeiten ein Problem, die wir lange im Voraus vorbereiten. Außerdem stellte sich die Frage, ob es klappt, die Aktionen digital anzubieten. Das Digitale zu meistern, das war schon eine Herausforderung.

Wie war die Resonanz auf die digitalen Angebote?

Die Kinder hätten sich am liebsten wieder live getroffen. Aber sie waren trotzdem sehr dankbar über unsere digitalen Angebote und Spiele und Aktionen, die sie mit ihren Familien daheim bzw. in der Stadt, durchführen konnten, weil sonst vieles für sie weggefallen ist. Immer wieder erhielt ich liebe Mails von dankbaren Eltern oder den Kindern direkt.

Für Kinder und Jugendliche ist es oft besonders schwer, auf soziale Kontakte zu verzichten. Haben sie den Austausch über die Jugendarbeit sehr vermisst?

Mit den Jugendlichen habe ich viel über WhatsApp kommuniziert und versucht, den Kontakt zu halten. Dabei habe ich gemerkt, dass ein Interesse am Austausch besteht.

Nun, nach den Ferien, sind Sie mit „Kids in Action“ wieder gestartet. Wie planen Sie die kommenden Monate angesichts wieder steigender Infektionszahlen?

Wir bereiten momentan alles vor wie geplant. Wir halten uns strikt an die Hygienekonzepte und hoffen, dass alles live durchgeführt werden kann, zum Beispiel die Kinderbibelwoche in den Herbstferien, für die es schon 15 Anmeldungen gibt. Eine Rallye für Konfirmanden, die im Sommer stattfinden sollte, soll jetzt im Oktober nachgeholt werden.

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