Kornwestheim Die Linke will mehr für die Familien tun

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Rainer Juchheim stellt die Ideen der Linkspartei vor. Foto: Anne Fuhrmann

Kornwestheim - Eine volle Liste hat die Linkspartei für die Gemeinderatswahl in Kornwestheim nicht zusammenbekommen, aber durchaus ein umfassendes Wahlprogramm. Das wird beim Gespräch während unserer Kommunalwahlserie „90 Minuten“ deutlich. Um die Ideen der Linken vorzustellen, hat Rainer Juchheim, Kandidat auf dem Listenplatz 2, die Redaktion unserer Zeitung besucht.

Der Magazinverwalter, der bei der Außenstelle des Bundesarchives in Ludwigsburg arbeitet, ist selbst gar nicht Mitglied der Partei, vertritt aber deren Interessen, verrät er. Deshalb ist Juchheim, Jahrgang 1954, einer von insgesamt zehn Bewerbern der Linkspartei, die um ein Mandat für den Gemeinderat kämpfen. Schon einmal hat Juchheim dafür kandidiert – allerdings ohne Erfolg. Nun hofft er, dass es beim zweiten Anlauf klappt.

Das Thema der Innenstadtverdichtung beschäftigt nicht nur die Bürgerinitiative (BI) Rothacker/Sprecher-Areal, sondern auch die Linkspartei. „Ich unterstütze die BI. Man sollte das kleine Biotop erhalten“, betont Juchheim. Schließlich gehe es nicht nur um den Menschen, sondern auch die dort lebenden Tiere. Aber auch an anderen Stellen in der Stadt müsse man sich gut überlegen, ob es sinnvoll sei, weitere Baulücken zu schließen und noch mehr Grünflächen zu versiegeln, gibt Juchheim mit Blick auf den Umweltschutz zu bedenken. Das gelte sowohl für die Wohnbebauung als auch für weitere Industrieansiedlungen. Bei Letzterem muss darauf geachtet werden, dass auch tatsächlich neue Arbeitsplätze entstehen, meint Juchheim.

Apropos Klima: Der Umweltschutz fängt nach der Auffassung des Kandidaten schon im Kleinen an. „Herumliegende Kippen, Kaugummis und sonstiger Müll: Das sieht man überall in der Stadt. Da braucht man sich nur unsere Straßen anzugucken“, schimpft er. Jeder müsse bei sich selbst anfangen. Erst sollten die kleinen, dann die große Schritte gemacht werden.

Ein Dorn im Auge ist Rainer Juchheim auch die Situation der Radwege. „Es gibt so gut wie keine und wenn, dann immer nur stückchenweise. Das kann nicht sein“, kritisiert er. Für die Radfahrer müssten viel mehr eigene Wege angelegt werden. Auch die Anbindung der Weststadt ans Zentrum müsste besser sein, sagt er.

Reichlich Nachholbedarf sieht Juchheim außerdem beim öffentlichen Personennahverkehr. Vor allem am Wochenende gebe es zu wenig Busverbindungen. Einige Anbindungen seien sehr schlecht. Bei der Bahn erlebe er viele Verspätungen. Auch der Bahnhofsbereich in Kornwestheim ist nach seiner Ansicht nicht optimal. Ein Fahrstuhl sei seit Monaten außer Betrieb, und auf einer Seite gebe es lediglich einen funktionierenden Automaten. Als Flop bezeichnet Juchheim außerdem die Situation mit den Flixbussen. Die Haltebuchten seien zu schmal, das Ausladen von Gepäck mitten auf der Straße zu gefährlich. „Das Problem müssen wir anpacken“, meint er.

Ein Thema, das die Linkspartei ebenfalls angehen möchte, ist die Beitragsfreiheit für Kindergärten, und das schon für die Allerkleinsten. „Es gibt einen Bildungsauftrag“, sagt Juchheim. Besonders Alleinerziehende könnten sich kaum die Gebühren leisten. Daher sollten die Betreuungsplätze in der Stadt für alle kostenlos zur Verfügung stehen. Auch die Kornwestheimer Schulen müssten mehr unterstützt werden, gerade, was die IT angehe. Begrüßenswert findet Juchheim außerdem die Idee, dass das Jugendzentrum von der Stuttgarter Straße in die alte Bücherei umzieht, wie es die Jugendinitiative Kant 10 derzeit fordert. „Es ist wichtig und richtig, dass die Jugend näher ins Zentrum rückt“, sagt er, der auch die Idee eines Jugendcafés unterstützt. Dies würde dazu führen, dass weniger junge Leute im Freien herumlungern.

Darüber hinaus will sich die Linkspartei dafür einsetzen, dass die „Kornwestheim Card“ wieder eingeführt wird. Sie ist Ende 2017 ausgelaufen und hat bis dahin Vergünstigungen für kulturelle und soziale Einrichtungen wie beispielsweise Besuche im Schwimmbad oder Theater ermöglicht. „Es ist wichtig, dass wir etwas für Familien mit Kindern tun“, begründet Juchheim die Wiedereinführung.

Nach Ansicht der Linkspartei fehlt es in Kornwestheim auch an bezahlbarem Wohnraum. „Die Stadt sollte selbst für günstigen Wohnraum sorgen, anstatt Grund und Boden zu verkaufen“, sagt Juchheim. Auf diese Weise habe die Stadt schon einiges an Tafelsilber verschleudert.

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