Kornwestheim „Die meisten Kunden sind sehr einsichtig“

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Das Team im Rewe von Ömer Demirhan. Foto: Werner Waldner

Kornwestheim - Von der Pfandabgabe über die Fleischtheke bis hin zu den Kassen – auch Ömer Demirhans Rewe-Markt am Salamanderplatz präsentiert sich in diesen Tagen ein wenig anders als gewohnt. Markierungen fordern die Kunden zum Abstandhalten auf, am Montag sind im Kassenbereich Spuckschutze montiert worden. „Aktuell ist alles etwas spannend“, beschreibt der 32-jährige Demirhan die Situation in Zeiten der Corona-Pandemie.

Die gute Nachricht: Zum Großteil hielten sich die Kunden des Marktes an die Markierungen – und auch an die Hinweise, dass zum Beispiel Toilettenpapier oder auch Haushaltsrollen nur in haushaltsüblichen Mengen verkauft würden. Eine Packung pro Einkauf lautet hier die Devise. Die Einkaufshelfer aus der Handballabteilung des SV Kornwestheim dürfen auch fünf Packungen auf einmal kaufen – für jeden Kunden, den sie beliefern, aber nur eine einzige. „Wir hatten auch schon Leute da, die am liebsten 20, 30 Packungen mitgenommen hätten“, berichtet Ömer Demirhan. Solche Menschen seien dann auch etwas schwieriger zu belehren. „Die meisten sind aber sehr einsichtig“, lobt der Marktchef, aber sicher normalisiere sich die Situation im Allgemeinen auch ein klein wenig.

Was Demirhan betont: „Die Versorgung und die Warenlieferungen sind nach wie vor gewährleistet.“ Bei Nudeln etwa kehre peu à peu wieder Normalität ein. Frische Produkte seien ebenfalls ohne große Lücken verfügbar. Gefragt sei momentan allerdings Hefe. „Ansonsten wickeln wir das normale Tagesgeschäft ab, das muss auch sein“, sagt Demirhan.

Allerdings muss sich der 32-Jährige derzeit um einige Angelegenheiten kümmern, die bis vor wenigen Monaten noch komplett unnötig erschienen. „Wir arbeiten momentan daran, dass im Eingangsbereich des Marktes Spender für Desinfektionsmittel aufgestellt werden“, sagt er. Sein Markt stehe beim Zulieferer ganz oben auf der Liste. „Wir können aber noch nicht genau sagen, wann es soweit ist.“ Die Kundentoilette ist in seinem Markt nach wie vor offen, anders als vielerorts. Dort können sich die Menschen auch die Hände waschen. Zudem befürworte man am Salamanderplatz aus Hygienegründen momentan eher das Bezahlen via EC-Karte statt mit Bargeld.

An Hygieneregeln muss sich auch das gesamte Team halten. Und das arbeite derzeit enorm hart. Ergänzt wird der Mitarbeiterstab von einigen Studenten, die während der zwangsweisen Vorlesungspause aushelfen. „Sie haben erst als geringfügig Beschäftigte bei uns angefangen, wurden aber jetzt natürlich hochgestuft“, so Demirhan, der „sehr, sehr stolz“ auf seine gesamte Mannschaft ist. Auf Neueinstellungen wolle er jedoch trotz des Corona-Trubels verzichten. „Das bedarf dann einer intensiven Einarbeitung, was in Zeiten, in denen man möglichst wenig Kontakt haben soll, nicht optimal wäre.“ Jobanfragen gebe es aber derzeit enorm viele.

Kurzum, und obwohl man beim Rewe am Salamanderplatz offenbar alles im Griff hat: „So eine Ausnahmesituation habe ich in meinen inzwischen 15 Jahren im Lebensmitteleinzelhandel noch nie erlebt.“ Sorgen machen ihm, der mit seinem Markt unter anderem mit dem SVK und dem Roten Kreuz kooperiert, vor allem die Tafeln, für die in der jüngeren Vergangenheit kaum mehr etwas abgefallen sei. „Ich hoffe, dass wir da in Zukunft auch wieder mehr abzugeben haben“, sagt er.

Generell appelliert Demirhan, der den Markt seit Ende 2017 betreibt, an die Solidarität der Menschen. „Nur so überwinden wir die Krise so schnell wie möglich.“

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