Kornwestheim „Die Räder dürfen natürlich nicht alle still stehen“

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Auch Kornwestheim ist von den Sicherheitsmaßnahmen wegen des Corona-Virus betroffen. Foto: dpa/Felix Kästle

Kornwestheim - Timo Keller geht es hervorragend, trotzdem muss er derzeit in den eigenen vier Wänden verweilen. Der 47-Jährige Lehrer für Mathematik und Englisch war während der Faschingsferien als Betreuer der Skizunft-Freizeit in Südtirol unterwegs. Zwar arbeitete er in der Folge noch einige Tage am Ernst-Sigle-Gymnasium, doch dann wurde Südtirol am Donnerstag zum Krisengebiet erklärt. Lehrer, die dort in jüngster Zeit unterwegs waren, müssen nun erst einmal zuhause bleiben. „Dabei waren wir ganz im Nordzipfel der Gegend“, sagt Keller. „Gleich im ersten Tal hinter dem Brenner.“ Was er von zuhause aus tun könne, das tue er, sagt der Lehrer, der den Vertretungskollegen per E-Mail Material schickt und am heimischen Schreibtisch korrigiert.

„Abgesehen von etwas Aufregung ist alles entspannt“, sagt auch Christoph Mühlthaler, Schulleiter des Gymnasiums und damit Kellers Chef. Einige Schüler – die ebenfalls in Südtirol in Urlaub waren – müssten ebenfalls derzeit zu Hause bleiben, so Mühlthaler. „In Italien werden ganze Schulen geschlossen, es wäre natürlich ein anderes Kaliber, wenn das hier auch nötig würde.“

Insgesamt müssen in ganz Kornwestheim aktuell fünf Lehrer und 31 Schülerinnen und Schüler, die in Risikogebieten waren, dem Unterricht fernbleiben. Das berichtet Oberbürgermeisterin Ursula Keck. Sie selbst hat sich in den vergangenen Tagen intensiv mit dem Thema Corona auseinandergesetzt, unter anderem waren das Virus und der Umgang der Kommunen damit ein eher ungeplantes Hauptthema bei einem OB-Treffen, das Keck dieser Tage besucht hatte. Die Oberbürgermeisterin hat Erfahrung mit Verwaltungshandeln in Pandemie-Zeiten, war sie doch zu Vogelgrippe-Hochzeiten Ortsvorsteherin in Stuttgart-Mühlhausen,. „Wir als Stadt tragen natürlich Verantwortung“, sagt Keck. „Aber wir müssen mit Augenmaß handeln, es können ja nicht von einem auf den anderen Tag alle Räder stillstehen.“

Ursula Keck hätte sich – trotz der Einlassungen vom Kultusministerium – durchaus mehr konkrete Angaben von der großen Politik gewünscht. Sie merkt kritisch an, dass die Städte und Gemeinden als Ortspolizeibehörden selbst entscheiden müssen, welche Maßnahmen notwendig sind oder nicht. „Ich hätte mehr Handreichung gut gefunden“, sagt sie.

Den Gestaltungsspielraum will die Stadt dennoch nutzen. Kornwestheim hat den Notfallplan einmal mehr aktualisiert, hat veranlasst, dass in städtischen Gebäuden Türen und Lichtschalter sowie Handläufe jeden Tag gereinigt und desinfiziert werden, informiert über verschiedene Medien zum Virus. Städtische Mitarbeiter müssen im Falle des Falles – einem Besuch in Risikogebieten – ebenfalls zu Hause bleiben. „Wir sind natürlich laufend dabei, uns auf Stand zu halten“, sagt Keck, „auch mit Blick auf den Veranstaltungsbereich.“ Apropos: „Auch das K nimmt die akute Lage in Bezug auf den Corona-Virus sehr ernst und hat entsprechende Vorkehrungen getroffen“, heißt es hierzu auf der Internetseite des Kultur- und Kongresszentrums. Allerdings bestehe „bei normaler Einhaltung von Hygienestandards gemäß den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts“ keine erhöhte Ansteckungsgefahr, weshalb die kommenden Veranstaltungen im K auch stattfinden würden.

Diese Sicht auf die Dinge bestätigt auch Jürgen Schmiedel, Leiter der Schiller-Volkshochschule für den Landkreis Ludwigsburg. Er erinnert an die Empfehlung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. In diese Regionen kommt die VHS sehr selten. Doch immerhin: Zum Vortrag des Wirtschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar beim Themenabend „Mensch und Maschine – wer programmiert wen?“ werden am Freitagabend auf Einladung der Volkshochschule im K durchaus einige Hundert Besucher erwartet. „Die Veranstaltung soll stattfinden“, betont Schmiedel.

Die Volkshochschule habe ihre Teilnehmer und Besucher indes darauf hingewiesen, sie dürften 14 Tage lang nicht an den Veranstaltungen teilnehmen, wenn sie zuvor in einem Risikogebiet waren. „Sie können sich dann natürlich problemlos abmelden“, so erläutert es der VHS-Leiter.

Problemlos abmelden können sich übrigens auch Reiselustige, die ihren Urlaub derzeit im Kornwestheimer Reisebüro DER Touristik buchen. „Es gibt ein Sonderkündigungsrecht“, erläutert DER-Pressesprecherin Angela De Sando, die kostenlose Stornierungs- und Umbuchungsmöglichkeit gelte für Neubuchungen zwischen dem 1. März und dem 30. April für einen Reisezeitraum bis zum 31. Oktober. Der Reiseveranstalter will damit abfedern, dass manche seiner Kunden die Sorge trägt, dass sie einen Urlaub buchen, den sie dann wegen des Virus nicht antreten können, weil etwa doch nicht in bestimmte Gebiete gereist werden darf.

„Es gibt viel Informationsbedarf und eine große Verunsicherung“, berichtet De Sando. Es sei zwar keinesfalls so, dass niemand mehr in den Urlaub fahren wolle. „Aber Zurückhaltung sehen wir schon, speziell für Asien und natürlich Italien“, ergänzt die Sprecherin.

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