Kornwestheim Die SPD unterstützt Dietmar Allgaier

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Dietmar Allgaier ist der Favorit für den Posten des Landrates. Foto:  

Kornwestheim - Auf Bundesebene ist es derzeit oft nicht weit her mit dem Konsens zwischen CDU und SPD. Auf Kreisebene wollen die Sozialdemokraten jetzt aber den Schulterschluss mit den Christdemokraten wagen: Sie unterstützen deren Kandidat Dietmar Allgaier im Rennen um den Landrats-Posten.

„Wir haben entschieden, Herrn Allgaier zu unterstützen, weil er in der Fraktion den besten Eindruck hinterlassen hat. Auch wenn natürlich jeder Kandidat seine Fähigkeiten hat“, sagt Jürgen Kessing, Chef der SPD-Kreistagsfraktion und Oberbürgermeister von Bietigheim-Bissingen.

Die Entscheidung am Montagabend sei mit „deutlicher Mehrheit“ gefallen. Die Sozialdemokraten trauen dem Kornwestheimer Finanzfachmann am ehesten zu, „das Schiff vernünftig zu steuern“, so Kessing. Den Sozialdemokraten sei es wichtig, dass Rainer Haas von einem Kandidaten beerbt werde, „der die Probleme der Kommunen aus der Praxis heraus kennt und die entsprechende Sichtweise in das Landratsamt hineinträgt“.

Christdemokrat in Pole-Position

Diese Positionierung katapultiert den 53-Jährigen aus Kornwestheim beim Rennen um den Posten in die Pole-Position. Die SPD ist mit 16 Kreisräten die viertgrößte Fraktion nach den Freien Wählern (27 Mitglieder), die mit dem Kandidaten Gerd Maisch (Oberbürgermeister von Vaihingen/Enz) antreten, der CDU (26 Mitglieder) und den Grünen (21 Mitglieder), die den Umweltwissenschaftler Christoph Erdmenger ins Rennen schicken. Neben dem Trio bewirbt sich der Sozialdezernent des Kreises, Heiner Pfrommer, um das Amt. Der 39-Jährige gehört keiner Partei an. Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der insgesamt 103 Stimmen auf sich vereinigt.

Die Reaktion von Gerd Maisch fällt entsprechend verhalten aus, als er von der Entscheidung der SPD am Dienstagnachmittag erfahren hat. „Natürlich hätte ich mir ein anderes Votum der SPD-Fraktion gewünscht“, sagte der 55-Jährige. Aber offenbar sehe die SPD bei Allgaier eine größere Übereinstimmung mit den eigenen Positionen. Das gelte es zu akzeptieren. Die neue Situation müsse er sich durch den Kopf gehen lassen und mit seinen Vertrauten besprechen. Maisch, der seit 20 Jahren im Kreistag sitzt, hatte lange gezögert, ob er als Landrat kandidieren soll – auch weil die Mehrheitsverhältnisse bei der Wahl als nicht vorhersagbar gelten.

Als stärkste Fraktion im Kreistag wollten die Freien Wähler allerdings auch einen Kandidaten für das Amt stellen. In Thomas Sprißler, dem Herrenberger Oberbürgermeister, glaubten sie diesen gefunden zu haben. Als Sprißler abwinkte, kam Maisch erneut ins Grübeln – und entschied sich Mitte August zur Kandidatur.

Maisch spricht mit Vertrauten

Frei von solchen Rechenspielen bewarb sich Heiner Pfrommer. Die Entscheidung der SPD ändere für ihn deshalb nichts Grundsätzliches, sagt der Parteilose nun. Bereits bei seinen Sondierungsgesprächen sei absehbar gewesen, dass CDU, Freie Wähler und die Grünen eigene Kandidaten ins Rennen schicken. Trotzdem hat er seine Bewerbung abgegeben.

Sicher ist nur eins: Es bleibt spannend

Tatsächlich scheint bei der Wahl um das höchste Amt im Kreis vieles möglich. Sollte – als Beispiel – der grüne Bewerber Christoph Erdmenger im Laufe der Wahlgänge zurückziehen – wem geben die 21 Grünen dann ihre Stimmen? Außerdem gibt es noch die FDP, die Linken, die AfD und einen parteilosen Kreisrat. Zusammen verfügen sie über 15 Stimmen.

Erdmenger selbst schätzt seine Siegeschancen ohnehin nüchtern ein. Seine Chance bestehe darin, dass man sich jenseits von Fraktionszugehörigkeiten für ihn als zukunftsorientierten Kandidaten ausspreche. Brigitte Muras, die grüne Fraktionschefin im Kreistag, sagt denn auch: „Da wird es noch viele Gespräche geben.“ Auch zwischen den Wahlgängen.

Auf den Freitag verweist auch Dietmar Allgaier. „Wenn die SPD mich mehrheitlich unterstützen will, ist das natürlich ein großer Vertrauensbeweis, der mich sehr freut“, sagt er. „Aber es ist und bleibt eine geheime Wahl, und die Konstellationen können sich am Freitag noch ändern.“

Versprochen habe er den Sozialdemokraten übrigens nichts. „Wir haben gute Gespräche geführt, über bezahlbaren Wohnraum, Mobilität oder soziale Themen, und wir hatten eine gute persönliche Ebene. Aber ich habe keinerlei Zusagen gemacht. Bei vielen Themen sind wir Kandidaten ohnehin nahe beieinander.“

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