Kornwestheim Die Sternsinger sind inkognito unterwegs

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Die vier Sternsinger haben sich nur für die Videoaufnahme verkleidet. Foto: z/Marius Paflitschek

Kornwestheim - Die Sternsinger der Kornwestheimer St.-Martinus-Gemeinde werden zu Beginn des neuen Jahres lautlos von Tür zu Tür gehen. Weil die traditionelle Spendensammlung, die in diesem Winter Kindern von Arbeitsmigranten in der Ukraine zu Gute kommt, mit der Verteilung des Segens vor Ort während des Lockdowns nicht möglich ist, haben die Organisatoren umgeplant.

Statt mit gesanglicher Begleitung gelangt der Segen zwischen dem 2. und 6. Januar nun heimlich in die Briefkästen der Kornwestheimer Haushalte. Der Gesang kommt dafür über das Internet als Video in die Wohnzimmer.

„Uns wurde vor rund zwei Wochen mitgeteilt, dass das Sternsingen auch mit einem speziellen Hygienekonzept nicht stattfinden kann“, sagt Manuela Paflitschek, die zum zweiten Mal für die Aktion verantwortlich ist. „Für die Kinder ist es ein echter Höhepunkt im Jahr. Wir wollten ihnen das auch nicht ganz nehmen.“

„Ohne das Verkleiden und das Zusammensein fehlen natürlich zentrale Punkte“

Deshalb gibt es in diesem Jahr quasi ein Sternsingen light. Das bedeutet: Statt gemeinsam durch die Straßen zu ziehen und in den Wohnzimmer und in den Fluren den Segen zu verteilen, gehen die Sternsinger nun still und leise durch die Straßen. Das Verkleiden, das gemeinsame Essen, der öffentliche Entsendegottesdienst – auf das müssen die Jungen und Mädchen in diesem Jahr verzichten.

„Ohne das Verkleiden und das Zusammensein fehlen natürlich zentrale Punkte, die den Kindern wichtig sind“, sagt Manuela Paflitschek. Dafür kommen auf jeden der 33 Sternsinger neue Aufgaben zu. Denn um den Neujahrssegen in die Häuser der Stadt zu bringen, werden die Jungen und Mädchen der katholischen Gemeinde von Vorsängern zu Vorpackern. In kleine Tüten legen die Kinder neben dem Segensaufkleber, der von Pfarrer Franz Nagler gesegnet wurde, ein Kärtchen mit dem Segensspruch. „Auf dem Flyer ist noch ein freier Bereich, auf den die Kinder ihren Namen oder einen Gruß schreiben können“, erklärt Manuela Paflitschek. Damit seien die Segenpäckchen gleich etwas persönlicher – für die Kinder und die bedachten Kornwestheimer.

Die Päckchen verteilen die Sternsinger vom 2. bis zum 6. Januar. Wann der Segen in die Häuser kommt, bleibt dabei eine Überraschung. Dass die Organisatoren trotz der erschwerenden Auflagen an der traditionellen Aktion des Kindermissionswerks festgehalten haben, hat einen guten Grund. Denn obwohl keine Sternsinger in die Häuser kommen, werden Spenden dringend benötigt. Sie fließen in diesem Jahr Kindern an Arbeitsmigranten in der Ukraine. „Viele Kinder haben dort Weihnachten mit nur einem Elternteil oder ganz ohne Eltern verbracht. Deshalb gehen die Spenden an Einrichtungen der Caritas, die die Kinder ganzjährig unterstützen und einen Platz für Geborgenheit geben“, sagt die Mutter zweier Kinder.

Spenden werden per Überweisung statt mit der Dose gesammelt

Anders als in den Jahren zuvor wird um die Spenden statt mit der Sammeldose per Überweisung gebeten. Die Kontoverbindung ist auf dem Segenskärtchen zu finden. Alternativ könnten die Spenden im Pfarrbüro der Gemeinde, Johannesstraße 21, abgegeben werden. Und nicht nur Spenden. „Die Kinder freuen sich jedes Jahr auf die Süßigkeiten, die sie beim Singen bekommen“, ruft Manuela Paflitschek in Erinnerung. Damit die fleißigen Sternsinger nicht leer ausgehen, könnten süße Dankepäckchen in den Briefkasten des Pfarramts geworfen werden.

Ganz auf das Singen der Kinder müssen die Kornwestheimer aber nicht verzichten. Auf dem gemeindeeigenen Kanal der Videoplattform Youtube können sich Zuhörer die Sternsinger virtuell in ihre Wohnzimmer holen. „Wir haben eine Familie mit mehreren Kindern, die sich wie sonst auch verkleidet hat und den Segen spricht und singt“, sagt Manuela Paflitschek. Das Video wird von Donnerstag, 2. Januar, an im Internet auf dem Kanal der Gemeinde zu sehen sein.

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