Kornwestheim Dieser Break dauert den Tänzern viel zu lange

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Line Dance beim TSC: Selbst Tanzen mit Foto:  

Kornwestheim - Eigentlich beherrschen sie ja die Kunst des Breaks, des kurzzeitigen Stopps aller Bewegungen beim Tanzen. Aber ein Break, der nunmehr schon über Monate geht, der stellt auch die Mitglieder des Tanzsportclubs (TSC) Solitude vor Herausforderungen. Dominik Flaig, dem 2. Vorstand des Vereins, hat die Pandemie sogar ein neues Amt eingebracht: Er ist Coronabeauftragter beim Tanzsportverband Baden-Württemberg geworden.

Ja, natürlich bietet auch der TSC ein Online-Training an. Ein besonderes Augenmerk, so Pressesprecherin Sigrid Nothofer, lege der Verein dabei auf die beiden Kindergruppen, die sich vor Ausbruch der Pandemie gut etabliert hätten. „Gewisse Themen kann man digital auch umsetzen“, sagt Dominik Flaig. Aber eben nicht alles. „Korrekturen an der Körperhaltung“ seien zum Beispiel kaum möglich.

Im vergangenen, von Corona geprägten Jahr, gingen dem TSC einige Mitglieder verloren. Für einen kleinen Verein wie den TSC sei der Mitgliederschwund schwerer verkraftbar als für einen großen, sagt Sigrid Nothofer. Ins Kontor schlage auch der Ausfall der Kornwestheimer Tage und des Weihnachtsmarktes sowie die Schließung des Bistros im Vereinsheim an der Enzstraße.

Allein von den Mitgliedsbeiträgen und den Kursusgebühren könne der Verein nicht überleben, stellt Nothofer klar. Und die vom Land Baden-Württemberg versprochene Soforthilfe für die Sportvereine sei trotz der Antragstellung Anfang Dezember auch noch nicht geflossen. Die Pressereferentin: „Zugute kommen uns momentan unser gutes Wirtschaften in den vergangenen Geschäftsjahren und die mitgliederstärkeren Vorjahre. Von diesem Polster zehren wir derzeit.“

Was die Tänzer aber verärgert mit den Füßen aufstampfen lässt: Sie dürfen ihr Vereinsheim nicht nutzen. Es dürfen noch nicht einmal Einzelpersonen oder einzelne Paare dort trainieren. Daheim ist es Ehepaaren unbenommen zu tanzen, das Vereinsheim ist dafür aber tabu – selbst dann, wenn nur ein Paar vor Ort ist. Verständnis hat Dominik Flaig dafür nicht. Er steht in ständigem Kontakt mit Vertretern des Landes, um die des Verbandes nach widersinnigen Regeln zu lockern.

Außerhalb der eigenen vier Wände in den Sporthallen und Tanzsälen dürfen derzeit nur Tänzerinnen und Tänzer der 1. und 2. Bundesliga sowie Mitglieder des Bundes- und Landeskaders trainieren. Flaig schätzt, dass rund 500 Sportlerinnen und Sportler diese Möglichkeit haben. Alle anderen, davon ist der Tanzexperte überzeugt, geraten ins Hintertreffen. Zwar könne man daheim oder draußen beispielsweise die Kondition trainieren. Aber die Beweglichkeit, die athletischen Fähigkeiten, das Zusammenspiel der Paare gehe verloren. Und auf der Wiese oder daheim auf dem Teppich ließe sich das nicht trainieren. Flaig, der auch Leistungssporttrainer ist, geht davon aus, dass mindestens 50 Prozent der Fähigkeiten, die sich die Paare mühsam erarbeitet haben, verloren gehen.

Und noch eine Sorge treibt den Coronabeauftragten um, wenn der Break zu lange dauert: Dass die Menschen die Freude an der Bewegung zur Musik verlieren und sich coronakonformen Möglichkeiten des Sports zuwenden. Das würde nicht nur er bedauern, denn das Tanzen sei, wie der Verein auf seiner Homepage schreibt, „eine Gelegenheit, auf fröhliche Art und Weise aus dem Alltagstrott von Pflichten, Sorgen und Gewohnheiten in den Rhythmus der Freunde überzuwechseln“.

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