Kornwestheim Dietmar Allgaier: „Es war mir eine Ehre“

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Oberbürgermeisterin Ursula Keck überreichte Dietmar Allgaier Präsente der Stadt. Foto: Mateja fotografie/Christian Mateja

Kornwestheim - Es war mir eine Ehre, der Stadt Kornwestheim dienen zu dürfen.“ Mit diesen Worten schloss Dietmar Allgaier seine Rede. Am Dienstagabend haben ihn Oberbürgermeisterin Ursula Keck und der Gemeinderat offiziell verabschiedet – in einer etwas undurchdacht wirkenden Gemeinderatssitzung, in der niemand so genau wusste, wann er dem scheidenden Bürgermeister, der als Landrat zum Kreis Ludwigsburg wechselt, die besten Wünsche mit auf den Weg geben soll. Die einen taten es schon in ihren Reden zur Verabschiedung des Haushaltes 2020/21, die anderen nutzten den Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ dafür, Dritte warteten bis zum Punkt 5 „Verabschiedung von Herrn Dietmar Allgaier als Erster Bürgermeister der Stadt Kornwestheim“. Wann immer die Redner die Verdienste des Ersten Bürgermeisters würdigten, einig waren sich alle in der Charakterisierung: vertrauensvoll, den Menschen zugewandt, kompetent, für die Sache brennend.

21 Jahre lang hat Allgaier im Rathaus gewirkt – die ersten zehn Jahre als Stadtrat in der CDU-Fraktion, seit 2008 als Bürgermeister. „Ich bin bis auf ein, zwei Ausnahmen jeden Tag gerne ins Rathaus gekommen“, sagte der künftige Landrat. Die Ausnahmen: der Brand in einem Wohnhaus in der Bebelstraße im April 2018, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen, und der 20. November 2014, als Allgaier durch einen Anruf von der EnBW erfuhr, dass die Stadt Kornwestheim mal geschwind über 20 Millionen Euro an Gewerbesteuern zurückzahlen soll.

Ansonsten aber erinnere er sich gerne an die Zeit zurück, sagte Allgaier – an den Anruf von SPD-Urgestein Robert Müller im Jahr 1998, der ihn mit den Worten „Herr Stadtrat“ begrüßte und so darauf hinwies, dass er in den Gemeinderat nachrückt, an den ersten Rüffel durch Altstadtrat Karl Steegmaier, der den Fraktionskollegen und Novizen Dietmar Allgaier zurechtwies, weil er sich unabgesprochen zu Wort gemeldet hatte, an die „hochspannende Mitarbeit“ im Zweckverband Pattonville, an den Gemarkungstausch mit Stuttgart, an die Asbest-Havarie im Kulturhaus oder konspirative Haushaltsberatungen ohne den Oberbürgermeister.

Die Urkunde, mit der er zum Bürgermeister ernannt wurde, überreichte ihm die Oberbürgermeisterin am Vorabend des ersten Arbeitstages im Allgaierschen Wohnzimmer – aus Sorge, dass ihm in der Zeit von Mitternacht, wo der Steuerfahnder aus dem Dienst des Landes schied, bis zum Dienstantritt im Rathaus am nächsten Morgen etwas zustoßen könnte. Allgaier wäre in dieser Zeit – ohne Urkunde – nicht versichert gewesen.

Und so ließ der Erste Bürgermeister, geboren im Jahr 1966 in Stuttgart, in seiner Rede so manche Anekdote Revue passieren. An die Stadträte appellierte er, mit Wünschen, Anträgen und Forderungen nicht die Stadtverwaltung, aber auch nicht sich selbst zu überfordern. „Es kann Momente und Situationen geben, die Sie nicht selbst beeinflussen können“, mahnte er zur Haushaltsdisziplin. „Gehen Sie fair miteinander um. Hören Sie den Anderen zu und akzeptieren Sie andere Meinungen“, forderte Allgaier weiter und gab noch einen praktischen Hinweis: „Machen Sie irgendwann mal wieder einen Gemeinderatsausflug.“ Das biete eine gute Gelegenheit, sich auch außerhalb von Sitzungen kennenzulernen. Und immer den Blick auf die Finanzen gerichtet, ergänzte er: „Fahren Sie nach Brüssel, da zahlt’s die EU.“

Oberbürgermeisterin Ursula Keck erinnerte in ihrer Rede an wichtige Meilensteine in den vergangenen elf Jahren, in denen Allgaier Bürgermeister war – so natürlich auch an den Schwarzen Donnerstag, wie sie den 20. November 2014 nannte, aber auch an die gute Entwicklung des Gründerzentrums Techmoteum, an die Bewältigung der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 und an viele Bauprojekte. Aufgabe eines Bürgermeisters sei es nicht, so Keck, Dinge durchzuwinken und abzuzeichnen, sondern zu moderieren, unterschiedliche Interessenlagen zusammenzuführen und auch mit einer eigenen Handschrift zu versehen. All das sei Allgaier gelungen, und er habe dabei mit einer großen Liebe zu seiner Heimatstadt agiert. Er habe die Theorie widerlegt, dass man in seiner Heimatstadt als Bürgermeister nicht erfolgreich Kommunalpolitik betreiben könne. „Neugierig sein, zuhören, weiterentwickeln – das war deine Devise“, sagte Keck, die sich überzeugt davon zeigte, dass er das Rüstzeug zum Landrat mitbringe. Kecks Dank ging auch an Allgaiers Ehefrau Bettina und Tochter Franzi, die der Verabschiedung im großen Sitzungssaal beiwohnten. Die Familie, so Keck, sei für Dietmar Allgaier das Fundament, der Rückzugsort und das Korrektiv. Mit den Worten „Danke für die Spuren, die du in Kornwestheim gelegt hast“, schloss die Oberbürgermeisterin ihre Rede. Die Stadträte erhoben sich von ihren Stühlen und applaudierten dem Ersten Bürgermeister stehend. Der war sichtlich gerührt ob der Anerkennung, die ihm an diesem Abend zuteil wurde. Das Präsent fiel mit einem Geschenkkorb – bestückt mit einigen Utensilien mit Kornwestheim-Logo, eher bescheiden aus. Die OB bat um Verständnis: Das Beamtenrecht erlaube einfach nicht mehr. Die Grünen hatten dem scheidenden Ersten Bürgermeister ein Überlebenspaket fürs Landratsamt geschnürt – mit Beruhigungstee, Taschentüchern zum Trocknen von Tränen und einem roten Flitzer als Erinnerung daran, dass er möglichst schnell die Stadtbahn in den Kreis holen möge.

Nach gut zwei Stunden hatte der Erste Bürgermeister seine letzte Gemeinderatssitzung in Kornwestheim absolviert. Und am nächsten Morgen saß er wieder an seinem Schreibtisch, denn noch bis Anfang Januar steht Allgaier in Diensten der Stadt Kornwestheim.

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