Kornwestheim Wahl gewonnen: Dietmar Allgaier ist neuer Landrat

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Der künftige Landrat Dietmar Allgaier und seine Frau Bettina in dem Augenblick, in dem das Wahlergebnis verkündet wird. Foto: factum/Simon Granville

Kornwestheim - Ein kurzer ungläubiger Blick, dann fällt die Spannung von Dietmar Allgaier ab, er springt aus den Zuschauerreihen auf, seine Frau Bettina an der Hand. Nach einem mehr als dreistündigem Wahlkrimi im großen Saal des Kreishauses ist um 17.42 Uhr das Ergebnis der Landratswahl da, und es fällt deutlich aus: 77 von 103 Kreisräten haben den 53-jährigen Ersten Bürgermeister aus Kornwestheim zum neuen Landrat gewählt. Applaus brandet auf. Auch vom direkt neben den Allgaiers sitzenden grünen Gegenkandidaten Christoph Erdmenger. Er hatte seine Kandidatur nach dem ersten Wahlgang zurückgezogen, nach der zweiten Runde gab Gerd Maisch (Freie Wähler) auf. Den finalen Wahlgang hatten Dietmar Allgaier und Heiner Pfrommer (parteilos) gegeneinander ausgefochten.

Eine wahre Achterbahn der Gefühle und der umschwenkenden Positionierungen war Allgaiers letztlich deutlichem Wahlsieg vorausgegangen. Die erste Runde lief weitgehend wie erwartet: Dietmar Allgaier kam auf die voraussehbaren 46 Stimmen, denn die SPD hatte vorab bekannt gegeben, den CDU-Kandidaten zu unterstützen. Der Freie-Wähler-Kandidat Gerd Maisch kam auf 30, Christoph Erdmenger auf 20, Heiner Pfrommer, der keine Partei hinter sich vereinigen konnte, auf sieben Stimmen. Doch der zweite Durchgang brachte neue Dynamik ins Spiel: Christoph Erdmenger zog zurück. Zuvor hatte er mit einer knackigen Vorstellungsrede aufhorchen lassen, in der er den Kreisräten die Vorzüge eines Bewerbers mit Blick von außen hatte schmackhaft machen wollen. Nachdem er aber keine Perspektiven sah, den anderen Kandidaten weitere Stimmen abtrotzen zu können, schwenkte die Grünen-Fraktion zu Heiner Pfrommer über. Nach dem zweiten Wahlgang hatten Allgaier wiederum 46 Stimmen, Gerd Maisch 31 und Heiner Pfrommer 26 Stimmen.

Hinter den Kulissen gab es daraufhin ein hektisches Absprache- und Beratungs-Gewusel, zwischen den Fraktionszimmern herrschte reger Austausch. „Ich habe das vom Foyer aus beobachtet. Da gingen die Emotionen schon ziemlich auf Berg- und Talfahrt“, sagte Dietmar Allgaier später.

Die viertelstündige Sitzungsunterbrechung reichte nicht aus, Amtsinhaber Rainer Haas musste eine Verlängerung gewähren – wie schon nach dem ersten Wahlgang. Die Besucher im überfüllten Sitzungssaal – unter anderem Weggefährten, Kollegen und Familienmitglieder der Kandidaten – überbrückten die Pausen mit Brezeln, süßen Stückchen und Kaffeesatzlesereien. Unbeeindruckt von der Aufgeregtheit schien einzig Rainer Haas, der die ganze Prozedur mit gelassenem Lächeln verfolgte.

Kurz darauf verkündete er, zur Wahl stünden jetzt noch Dietmar Allgaier und Heiner Pfrommer. „Ich hätte meine Fraktion sonst sozusagen zwingen müssen, mich ohne Aussicht auf eine Mehrheit noch einmal zu wählen. Das hätte aber keinen Sinn gemacht, wir Wähler wollen schließlich gestalten“, erklärte Gerd Maisch später zu seiner Entscheidung. „Ich kann erhobenen Hauptes gehen. Ich habe einen guten Wahlkampf gemacht.“

Im Landratsamt verfolgten viele Kornwestheimer das Geschehen. Auch die Oberbürgermeisterin gehörte zu den Gratulanten Allgaiers. „Ich freue mich von Herzen für ihn, dass er mit so deutlicher Mehrheit gewählt wurde“, sagte Ursula Keck. Für die Stadt sei es eine Auszeichnung, dass sie den Landrat stellen wird. Persönlich bedauere sie den Weggang des Ersten Bürgermeisters jedoch sehr. „Wir waren ein gutes Team“, meinte die Oberbürgermeisterin.

Freude herrschte auch bei Allgaiers Kornwestheimer Parteikollegen Hans Bartholomä. „Ich wünsche ihm eine glückliche Hand“, sagte der Christdemokrat. Andererseits sei er traurig, dass der Wahlsieger nun sein Amt in Kornwestheim aufgeben muss. Es sei bestimmt kein Nachteil, wenn jemand aus der Stadt nun Landrat werde. „Allerdings denke ich, dass er alle Kommunen gleich behandeln wird“, meinte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kornwestheimer Gemeinderat.

„Für Kornwestheim ist es natürlich unglaublich schade“, sagte Markus Kämmle, Vorsitzender der Freien-Wähler-Fraktion im Gemeinderat. Andererseits hätte dem Kreis nichts Besseres passieren können. „Mit seiner Art, unterschiedliche Positionen zusammenführen zu können, ohne dass es dabei Verlierer gibt, ist er ein Gewinn für jedes Gremium“, lobte Kämmle den scheidenden Ersten Bürgermeister. Vielleicht sei das ein entscheidender Punkt gewesen, „dass der Kreistag einiger Diskussionen, zum Beispiel über die Stadtbahn, müßig war“. Möglicherweise sei Allgaier bei solchen Themen einfach etwas moderater. Als Freier Wähler hätte er auch mit Gerd Maisch leben können. „Aber nach seinem Rückzug nach dem zweiten Wahlgang war es absehbar.“

Mit Allgaier gezittert hat der Kornwestheimer Kreisrat Robert Müller (SPD). „Wir sind froh, dass er es geworden ist. Ich habe keine Befürchtung, dass er die Aufgabe nicht gut machen wird.“ Er habe bewiesen, dass er kein Parteienmensch sei und das Eis auch bei einigen gebrochen, die ihm zunächst kritisch gegenüber gestanden hätten. Alle vier Kandidaten haben sich nach Müllers Erfahrung gut vorbereitet. „Aber Dietmar Allgaier hat die beste Figur gemacht.“ Andererseits bedauere man es, dass die Stadt einen guten Ersten Bürgermeister verliere.

Noch-Landrat Rainer Haas schickte das Resultat per SMS nach Israel, wo der Landkreis eine Partnerschaft mit der Region Oberes Galläa unterhält: „Die wollten das Ergebnis unbedingt wissen.“ Das Amt liege bei Dietmar Allgaier in besten Händen, mit diesem Wissen könne er befreit die letzten Arbeitswochen angehen, sagte er. Da gebe es noch jede Menge zu tun. Seinem Nachfolger drückte er bereits am Wahlabend die Sitzungsglocke in die Hand, die er vor 24 Jahren von Ulrich Hartmann übernommen hatte. „Ich habe zum Glück nicht so oft von ihr Gebrauch machen müssen.“ Hartmann, der von 1967 bis 1996 Landrat war – und ebenfalls vorher Bürgermeister in Kornwestheim war – verfolgte den Wahlmarathon ebenfalls.

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