Kornwestheim Digitale Lösungen für dreckige Gullys

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Die grünen Häkchen zeigen an, wo alles in Ordnung ist. Foto: z

Kornwestheim - Gullys zu reinigen ist komplizierter als es so mancher Normalbürger ahnt. Teils schwerer Dreck und Müll verstopfen sie gerne mal. Außerdem wissen die mit dem Job betrauten Arbeiter häufig nicht, ob sie überhaupt an die Gullys am Straßenrand, die Sinkkästen, herankommen – gerne parken Autos darauf. Ein weiteres Problem: Viele Städte und Gemeinden haben keine Übersicht über all diese Gullys, nicht überall sind sie in einem Kataster festgehalten, oft sind Kanalsysteme historisch gewachsen und es fällt schwer, den Überblick zu behalten, wann wo welcher Sinkkasten zuletzt gereinigt wurde.

Diese Probleme zumindest hat das Kornwestheimer Telematik-Unternehmen mm-lab, ansässig auf dem Salamander-Areal, festgestellt und in den Fokus gerückt. Sodann begann man bei mm-lab, technisch-digitale Lösungen für saubere Sinkkästen zu entwickeln. Seit kurzem ist es soweit: mm-lab hat sein neues „Telematikpaket“ mit Namen „smart Kompakt“ zur Marktreife gebracht. In einer Pressemitteilung wirbt das Kornwestheimer Unternehmen: „Das neuartige Produkt minimiert das Risiko für überflutete Straßen aufgrund verstopfter Gullys mithilfe digitaler Prozessunterstützung.“

Was das genau bedeutet, erläutern der mm-lab-Vertriebsexperte Ottmar Lasser und der Produktmanager Arthur Teuber. Ihre Kunden sind in diesem Fall Kommunen, sie sollen das „Telematikpaket“ erwerben. mm-lab rüstet dann die kommunalen Fahrzeuge und Kräne – mit denen die Körbe der Sinkkästen zwecks Leerung herausgehoben werden – mit Sensoren aus, stellt spezielle Telematik-Geräte bereit, die im Prinzip aussehen wie ein Tablet, sorgt dafür, dass die Gullys erkannt werden können. Die Technik erfasst sodann automatisch, wenn ein Sinkkasten geleert wird. „Es entsteht kaum Schulungsbedarf bei den Mitarbeitern“, so Lasser. In der Folge laufen alle Informationen auf Servern zusammen. Die kommunalen Mitarbeiter auf der Straße und in den Verwaltungen können jederzeit sehen, wann welcher Kasten zuletzt gesäubert und geleert wurde und wo es mal wieder notwendig wäre. Das System lässt sich mit weiteren Informationen anfüttern – etwa, um Straßen hervorzuheben, in denen die Überflutungsgefahr groß ist. „Zusätzliche Informationen wie bauliche Mängel, Fotos oder der Grund für nicht erfolgte Reinigungen sind ebenfalls erfassbar“, schreibt mm-lab in der Mitteilung.

Herzstück des System ist eine besonders genaue Satellitennavigation, die zuverlässig und zentimetergenau den Standort der Gullys erfasst – das ist eine der Kerntechniken von mm-lab, die beispielsweise auch auf Teststrecken von Autoherstellern zum Einsatz kommt. „Ein normales GPS wäre hierfür zu ungenau“, betont Ottmar Lasser. Und er unterstricht noch einmal: „Das Gerät erfasst die Reinigungen wirklich vollautomatisch.“

Die mm-lab-Mitarbeiter arbeiten bereits mit einer „Studentenstadt in Mitteldeutschland“ zusammen und wollen ihr System nun an weitere Kommunen verkaufen. Sie sind überzeugt, dass es hilft, Straßen vor Überflutungen bei Starkregen zu schützen, indem die Gullys zuverlässig freigeräumt werden können. „Außerdem kann es nützlich sein bei Schadensersatzfragen, wenn eine Stadt etwa nachweisen muss, dass der Zugang zur Kanalisation regelmäßig gereinigt wurde“, betonen Teuber und Lasser. Alles werde ja erfasst.

Auch der mm-lab-Geschäftsführer Michael Meiser ist überzeugt: Solchen Smart-City-Solutions – zu deutsch etwa Intelligente Lösungen für Städte – gehört die Zukunft. Und er ergänzt: „Wir haben hier ein Baukastensystem.“ Denn „smart kompakt“ könne ja nicht nur bei Sinkkästen zum Einsatz kommen. Das System würde sich beispielsweise auch bewähren, wenn es darum geht, wann Mülleimer zum letzten Mal gereinigt, Blumen und Hecken gegossen oder Bäume unter die Lupe genommen wurden, ob sie frei von Schäden und Schädlingen sind.

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