Kornwestheim Doppelausstellung soll umfangreiches Werk würdigen

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Freuen sich darüber, dass Wesners Werke in großem Umfang in der Region gezeigt werden: (von links) Albrecht Werwigk, Anita Wesner, die Kornwestheimer Museumsleiterin Saskia Dams und Dr. Isabell Schenk-Weininger. Foto: Anne Rheingans

Kornwestheim - Kunst verbindet – nicht nur Menschen, sondern auch Städte. Zumindest ist das derzeit bei den Werken von Roland Wesner so. In diesen Tagen wäre der Maler 80 Jahre alt geworden. In Erinnerung an den Kunstschaffenden wurde daher nun im Ludwigsburger Museum im MIK eine Gedenkfeier für ihn abgehalten. Sie war zugleich die Auftaktveranstaltung für zwei Ausstellungen mit seinen Bildern, die demnächst in Kornwestheim und in Bietigheim-Bissingen zu sehen sein wird.

Von 1963 an lebte der in Stuttgart-West geborene Roland Wesner in Ludwigsburg, wo er im Jahr 1987 mit nur 47 Jahren starb. Seine Witwe, Anita Wesner, ist nach wie vor dort heimisch. In der Barockstadt hinterließ er viele Spuren. So gründete er zu Beginn der 1970er-Jahre mit Gleichgesinnten den Kunstverein Ludwigsburg. Nun entschied sich die Stadt Ludwigsburg, zu Ehren Wesners eine Gedächtnisfeier auszurichten.

Zu Gast waren dabei auch Saskia Dams, die Leiterin des Kornwestheimer Museums im Kleihues-Bau, und ihre Kollegin Dr. Isabell Schenk-Weininger, die die Städtische Galerie in Bietigheim-Bissingen leitet. Die beiden Expertinnen haben mit ihren Teams eine ambitionierte Doppelausstellung zum Werk Roland Wesners vorbereitet.

In Kornwestheim soll die Schau vom 16. Mai bis zum 13. September gezeigt werden. Offiziell eröffnet wird sie am Freitag, 15. Mai, um 19 Uhr. Das Museum im Kleihues-Bau feiert in diesem Jahr das 30-jährige Bestehen des Gebäudes und will aus diesem Anlass ab dem 28. März eine Ausstellung zum Architekten Josef Paul Kleihues zeigen. Passend dazu sollen in dem Haus daher Werke von Roland Wesner mit architektonischem Bezügen ebenfalls zu sehen sein, sagte Dams. Auf den Bildern sind außerdem Fensterausblicke, viel Horizont und imposante Wolkenformationen abgebildet. Zudem taucht das Motiv des Regenbogens immer wieder im Werk auf. Die Schau ist daher mit dem Titel „Die Regenbogenfalle“ überschrieben. Dams zeigt sich von der Einzigartigkeit der Werke beeindruckt. „Es wird eine besondere Ausstellung“, sagte die Leiterin des Kornwestheimer Museums.

In Bietigheim-Bissingen soll eine weitere Wesner-Ausstellung bereits vom 21. März an zu sehen sein. Sie steht unter dem Motto „Die Utopie des stillen Seins“, benannt nach dem Titel eines der Werke. Die Schau in der Städtischen Galerie ist retrospektiv angelegt und gibt chronologisch einen Überblick über das gesamte Schaffen des Künstlers: von frühen Stillleben über abstrakte Flächen- und Farbkompositionen bis zu rätselhaften Figuren und surrealen Landschaften. „Roland Wesner wird dabei als virtuoser Maler vorgestellt“, sagte Schenk-Weininger, die von einer „opulenten Schau“ sprach. Das Team befinde sich derzeit mitten im Aufbau der Ausstellungsstücke, die sowohl aus der privaten Sammlung der Familie Wesner als auch aus dem Besitz weiterer Leihgeber stammen. Ebenso wie die Schau in Kornwestheim werden die Werke bis in den September hinein in Bietigheim-Bissingen gezeigt.

Mit der Doppelausstellung werden künftig insgesamt rund 180 Arbeiten aus dem umfangreichen Werk von Roland Wesner öffentlich präsentiert – so viele wie noch nie gleichzeitig zu sehen waren, obwohl es sich dabei nur um rund zehn Prozent seines gesamten Schaffens handelt. Es sei sehr viel Arbeit und einiges an Abstimmung vonnöten gewesen die Auswahl zusammenzustellen, erklärte Isabell Schenk-Weininger. Mit dem Projekt werde das Werk Wesner nun angemessen gewürdigt.

Schon jetzt ist ein umfassender Ausstellungskatalog fertig, der während der Gedächtnisfeier erstmals erworben werden konnte. Er enthält nicht nur viele Abbildungen, die unterschiedliche Arbeiten des Künstlers zeigen, sondern auch mehrere Texte. Darin werden unter anderem seine Biografie, die christlichen Motive im Werk und die poetische Symbolik in seinen Bildern beleuchtet.

Nur eines seiner Kunstwerke konnte bei der Gedenkstunde im Museum im MIK direkt gezeigt werden: Roland Wesner hat das Ölgemälde „L 76/77“ genannt. Das Werk aus dem Jahr 1976 sei als eine Hommage an Ludwigsburg zu verstehen, erläuterte Albrecht Werwigk, ein Kunsterzieher und Freund der Familie, der sich mit der Biografie Wesners intensiv auseinandergesetzt hat. Er würdigte die Arbeiten des Verstorbenen als ein „erheblich bedeutendes Werk“. „Es schlummert ein Schatz in der Stadt“, betonte Werwigk.

Auch Siegfried Kasseckert, seit den 1970er Jahren ein Weggefährte des Künstlers, freut sich, dass das Schaffen von Roland Wesner nun mehr Aufmerksamkeit erhält. Der Kunstschaffende sei ein ungeheuer zurückhaltender Mensch gewesen, der sich nie angebiedert habe. Dennoch hätten Zeitgenossen und Schüler viel von ihm gelernt.

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