Kornwestheim Drei Minions kaufen für die Pizza ein

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Shoppen im Schutzanzug – allerdings nur zu Übungszwecken Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Manch einem Kunden im Rewe-Markt auf dem Salamander-Areal wurde es am Montagabend ein wenig mulmig zumute. Ist eine gefährliche Spinne ausgebüxt, die sich in der Kiste mit Bananen versteckt hatte? Wabern giftige Gase durchs Geschäft? Die drei Männer, die in gelben Schutzanzügen durch den Supermarkt gingen, ließen der Fantasie freien Lauf. Aber weder Spinne noch Gase bedrohten Leib und Leben. Die Feuerwehr übte – und zwar in ungewöhnlicher Umgebung den Umgang mit Chemieschutzanzügen.

Nicht nur Kommandant Matthias Häußler ist froh, dass nach der Corona-bedingten Pause seit dem 20. Juli wieder regelmäßig „trainiert“ wird. Auch die Feuerwehrleute selbst freuen über die Zusammenkünfte, um die Geselligkeit zu pflegen und sich für Einsätze zu rüsten. Geübt wird mittlerweile in kleinen Gruppen, die sich selbst organisieren. Das könnte auch ein Modell für die Zukunft sein, sagt der Kommandant, weil der Lerneffekt viel größer sei. Großübungen mit der ganzen Feuerwehr soll es künftig aber auch weiterhin geben. In diesem Jahr war sie für den Mai vorgesehen, musste dann aber abgesagt werden.

Was tun bei einem Gefahrguteinsatz? Um diese Frage drehte sich die Übung am Montagabend, die von Stefan Häußler, Bruder des Kommandanten, geleitet wurde. Auf dem Parkplatz vorm Salamander-Rewe trafen sich die Feuerwehrleute. Weil das Interesse ins gelbe „Ganzkörperkondom“ zu schlüpfen größer war als die Zahl der Übungsanzüge, musste das Los entscheiden: Dennis Götz, Kevin Welde und Kevin Corigliano siegten. Ihre Aufgabe: verpackt in die unhandlichen Kleidungsstücke und unter Atemschutz die Zutaten für eine Gemeinschaftspizza einkaufen.

Ein übertriebenes Szenario? Nein, sagt Matthias Häußler, denn immer wieder müssten in diesem Schutzanzügen filigrane Arbeiten verrichtet werden, wie zum Beispiel das Verschließen von Ventilen oder das Drehen an einer Schraube. Da ist das Greifen nach einer Packung Vorderschinken quasi ein Kinderspiel.

Zwei-, dreimal im Jahr müssen die Feuerwehrleute in die Plastikkleidung schlüpfen, um gefährliche Situationen zu entschärfen. 20 Exemplare hat die Feuerwehr vorrätig, die nach jedem Einsatzgründlich gereinigt werden müssen. Zum Üben greifen die Rettungskräfte auf ausgemusterte Anzüge zurück.

Atemschutzmaske, Funkgerät, Helm, Sauerstoffflasche – alles muss das Trio Götz, Welde, Corigliano unter der gelben Plastik verstauen. Wie drei Minions mit Quasimodo-Buckel schauen die drei Feuerwehrleute aus. Die Visiere beschlagen schnell, Sichtfeld und Mobilität sind fühlbar eingeschränkt. Mühsam arbeiten die drei den Einkaufszettel ab: frische Pilze aus der Gemüseabteilung, vorgefertigter Pizzateig mit Tomatensoße, Schinken, Salami, geriebener Käse, Mozzarella aus dem Kühlregal – Ware um Ware packen die drei in ihren Einkaufswagen. Das Bücken nach den Produkten im unteren Regal fällt sichtlich schwer. Nach knapp 20 Minuten kommt das Trio endlich an der Kasse an und packt die Pizzazutaten samt drei Papiertüten aufs Band.

20 Minuten – das ist auch in etwa die maximale Zeit, die die Einsatzkräfte im Ernstfall in diesen Anzügen verbringen kann. Dann, erläutert Matthias Häußler, wird der Sauerstoff knapp und die Kräfte schwinden auch. Im Hochsommer bei über 30 Grad auf dem Rangierbahnhof nach einem Leck an einem Tankwaggon suchen, das gehöre nicht gerade zu den Aufgaben, um die sich die Feuerwehrleute reißen, erzählt der Kommandant.

Mit den Leistungen seiner drei Kameraden zeigte er sich am Ende zufrieden, auch wenn sie ihr Meisterstück, nämlich das Bezahlen der Waren mit Kleingeld, gar nicht machen mussten. Geschäftsinhaber Ömer Demirhan spendete der Feuerwehr den Einkauf und legte noch eine Kiste Stuttgarter Hofbräu oben drauf. Die Flaschen durften die drei Feuerwehrleute dann ohne Chemieschutzanzug öffnen.

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