Kornwestheim Drogendealern drohen lange Haftstrafen

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Die Staatsanwaltschaft forderte mehr als acht Jahre für den mutmaßlichen Chef einer mehrköpfigen Bande, der zuletzt in Kornwestheim lebte. Foto: dpa

Kornwestheim - Er soll seit Ende 2017 einen Drogenring angeführt haben. Über den Straßenverkauf von Kokain soll der 37-Jährige, der zuletzt in Kornwestheim lebte, Einnahmen im mindestens sechsstelligen Euro-Bereich erzielt haben. Zusammen mit sieben Mitangeklagten muss er sich derzeit wegen bandenmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat für den mutmaßlichen Chef der Gruppe und die meisten seiner Komplizen am Freitag langjährige Haftstrafen gefordert.

Weil der 37-Jährige massiv drogenabhängig gewesen sei und zudem unter einer Spielsucht gelitten habe, habe sein Mandant Geld gebraucht, sagte der Verteidiger des Hauptangeklagten. Laut Anklage schloss er sich mit zunächst fünf anderen Männern zusammen, um den Verkauf von Kokain in der Stuttgarter Innenstadt zu organisieren. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 37-Jährigen vor, als Chef der arbeitsteilig agierenden Bande die Betäubungsmittel beschafft, Bestellungen angenommen, die Verkaufspreise festgelegt und einen Zwei-Schicht-Betrieb eingeführt zu haben. Er habe die anderen Mitglieder der Bande zur Arbeit angetrieben, unzuverlässige Verkäufer bestraft und neue Mitglieder akquiriert. Ohne diesen Kopf der Gruppe wären die anderen Angeklagten nicht in der Lage gewesen, den Drogenhandel in solch großen Stil zu betreiben, betonte die Staatsanwältin nun in ihrem Plädoyer. Sie beantragte für den 37-Jährigen eine Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren und acht Monaten.

Seit August 2018, als die Männer bei einer Razzia festgenommen wurden, sitzt der mutmaßliche Chef der Gruppe in Untersuchungshaft. Die Beamten waren ihm unter anderem durch eine Telefonüberwachung auf die Schliche gekommen. Schon bei seiner Ergreifung hatte er ein umfassendes Geständnis abgelegt und den Ermittlern seinen Hintermann verraten. Dass die Taten seines Mandanten unstrittig sind, bestätigte nun sein Rechtsanwalt. Man könne es aber nicht so sehen, dass der 37-Jährige der Chef der Drogenbande gewesen sei, weil er derjenige war, der das Kokain an die anderen abgab. Seine Anführerschaft stritt auch der Hauptangeklagte vehement ab. „Nur weil sie die Drogen von mir gekauft haben, bedeutet das nicht, dass sie für mich arbeiten“, betonte er. Jeder der Beteiligten habe für sich selbst mit dem Kokain gedealt.

Wie seine Mitangeklagten hat der 37-Jährige seine Wurzeln im osteuropäischen Ausland. Dorthin soll der mutmaßliche Kopf der Bande seine Gewinne transferiert haben. Das allerdings dementierte sein Verteidiger in dessen Plädoyer. Das Geld aus den Drogenverkäufen sei dazu verwendet worden, die Kokain- und Spielsucht seines Mandanten zu finanzieren.

Auch sechs der weiteren Angeklagten haben die ihnen zur Last gelegten Taten schon vor Monaten in vollem Umfang gestanden. Darunter ist auch der ebenfalls suchtkranke Onkel des 37-Jährigen, der laut Anklage der Stellvertreter des Bandenchefs gewesen sein soll. Dessen Verteidiger erklärte nun jedoch, der 55-Jährige habe weder über die Kenntnisse noch die Befugnisse verfügt, die Rolle des Neffen in dessen Abwesenheit zu übernehmen.

Ein 26-jähriger Mann, der erst später zum Drogenring dazugestoßen ist, versuchte bis zuletzt, Zweifel an seiner Mittäterschaft zu säen. Doch Telefonmitschnitte und ein Stimmgutachten konnten belegen, dass der Angeklagte beteiligt gewesen sein muss. Daher legte er am Dienstagnachmittag ebenfalls ein Geständnis ab.

Auch sechs der sieben Mitangeklagten des 37-Jährigen sitzen derzeit in Untersuchungshaft und müssen mit mehrjährigen Haftstrafen rechnen. Nur einer der Angeklagten, ein 25-jähriger Mann, darf auf eine zur Bewährung ausgesetzte Strafe hoffen. Er hat zwar Drogen verkauft hat, aber ihm konnte nicht nachgewiesen werden, dass auch er ein Mitglied der Bande war. Das Urteil soll in etwa zehn Tagen verkündet werden.

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