Kornwestheim Eigener Besen führt die Familientradition fort

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Susanne und Stefan Schaile sitzen bei einem Viertele in ihrem neuen Kellerbesen. Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Stefan Schaile kennt sich aus mit dem schwäbischen Brauchtum und der Besenwirtschaft. Kein Wunder: Der 40 Jahre alte Kornwestheimer kommt aus einer altehrwürdigen Winzerfamilie, die schon seit vielen Jahren Weinstöcke im Umland um Ludwigsburg besitzt. Er selbst hat einige Ar in Poppenweiler. Und sein Vater Edgar ist ohnehin bekannt in Kornwestheim als der Inhaber jener Besenwirtschaft, die jeden Herbst in der Jägerstraße öffnet, und das schon mittlerweile weit über 20 Jahre. „Wir helfen dort immer mit“, sagt Stefan Schaile und schließt damit auch seine Frau Susanne, 37 Jahre alt, mit ein. „Das ist in unserer Familie Tradition.“

Die führen Stefan und Susanne Schaile nun fort. Sie haben ihren eigenen Kellerbesen in ihrem Untergeschoss in der Dinkelgarbe 3 eingerichtet. Hier verkaufen sie eigenen Wein, Trollinger und Trollinger-Lemberger, es gibt Besenspeisen wie Schlachtplatte, Bauernwürste, Maultaschen oder Kraut.

Geöffnet hat das Ehepaar aktuell montags und dienstags von 16 bis 22 Uhr und mittwochs bis sonntags von 12 bis 22 Uhr. „Noch bis zum 22. März“, berichtet Susanne Schaile. Ein Besen dürfe nur einige Wochen im Jahr öffnen, weiß das Ehepaar, und nur eigenen Wein ausschenken. Für die zwei Wochen im März haben die Eheleute sich extra Urlaub genommen, Stefan Schaile arbeitet gewöhnlich als Hausmeister, Susanne Schaile als Arzthelferin.

Bis sie den Besen eröffnen konnten, war eine Menge Arbeit nötig. Den Keller ihres Hauses haben sie umgebaut, neue Sanitäranlagen eingerichtet, die Waschküche in eine Küche verwandelt. Und auch Brandschutztüren waren erforderlich. Rund ein Jahr haben die Arbeiten gedauert. Liebevoll eingerichtet haben sie „ihren“ Besen. Figuren von Lurchi und seinen Freunden stehen an den Wänden. „Meine Großeltern haben bei Salamander geschafft“, berichtet Schaile.

Das Interieur ist rustikal, Bänke, Tische und Stühle haben die Schailes beispielsweise über Gaststättenauflösungen zusammengetragen und sind dafür mitunter durch halb Baden-Württemberg gefahren. Das war anstrengend, hat den beiden aber auch das ein oder andere Erlebnis beschert, das sie künftig ihren Besengästen erzählen können.

„An einem Samstag hatten wir einen Transporter gemietet“, berichtet Susanne Schaile. „Damit wollten wir in einer alten Kneipe Bänke abholen“. Diese Lokal sei aber, diplomatisch ausgedrückt, nicht im besten Zustand gewesen, die Bänke waren noch dazu fest verschraubt. Die Schailes verzichteten. Allerdings hatten sie für diesen Tag doch bereits den Transporter bezahlt, was also sollten sie tun? Sie fanden heraus, dass auch in Nagold noch Bänke standen. „Wir fahren da jetzt hin“, beschlossen sie. Und am Abend hatten sie die Sitzgelegenheiten für ihren Besen.

Nun freuen sie sich auf viele Frühjahrsbesuche in ihrem Besen. Platz für genau 40 Besucher haben sie, verteilt auf zwei kleine Räume. „An unserem ersten Samstag“, so erzählen sie erfreut, „ist es bereits ziemlich voll gewesen.“

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