Kornwestheim Ein bisschen wie im alten Griechenland

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Mal verdolt, mal offengelegt: der Feuerbach, der in den Neckar fließt. Foto: Peter Mann

Kornwestheim - Ottmar Funk und Horst Allgaier haben ein Projekt ins Leben gerufen, dessen zwischendurch gebrauchter Arbeitstitel allein schon ziemlich demokratisch klingt. Als „Wahlsteine“ haben sie die Sache dann und wann bezeichnet, auch gegenüber unserer Zeitung. Das klingt solide, bodenständig, und auch ein bisschen nach den Anfängen der Demokratie im ­antiken Griechenland. Damals legte man schon einmal Scherben oder Steine in Urnen, um zu wählen oder abzustimmen.

Die Wahlsteine von Allgaier und Funk sind aber nicht haptisch und anfassbar, sie bestehen aus Worten und einer Bitte an die  Kornwestheimer Kommunalpolitik. Es handelt sich bei ihnen um einen Fragekatalog. Dieser geht dieser Tage allen Wählergruppierungen und Parteien zu, erklärt Ottmar Funk. Auf dem Bogen seien Fragen zu finden aus vier Themenkomplexen:

1. Grenzen des Wachstums

2. Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt und des Naturhaushalts

3. Klima- und Ressourcenschutz und

4. Verkehr.

„Wir hoffen, dass die Parteien zu allen Punkten Stellung beziehen und so eine Übersicht geben, auch zu Detailfragen, wo sie jeweils stehen.“ Das helfe dann Wählern bei der Entscheidungsfindung vor der Kommunalwahl im Mai. „Plant Ihre Partei eine Bebauung im Außenbereich?“ – das ist eine solche Frage. Weitere Beispiele: „Wird sich Ihre Partei für eine Offenlegung der verdolten Gewässer im Außenbereich einsetzen?“ Oder: „Wie steht Ihre Partei zu den Plänen, eine autobahnähnliche Straße zwischen Kornwestheim und Fellbach zu bauen?“ Hierbei geht es, man ahnt es schon, um den in Kornwestheim nicht eben beliebten Nordostring. Ottmar Funk und Horst Allgaiers Fragebogen ist indes nicht die Idee zweier politikinteressierter Bürger allein. Sie stellen sie im Auftrag des Dachverbandes Natur und Umwelt Kornwestheim, dessen Mitgliedsvereine den Fragekatalog in den vergangenen Wochen erarbeitet haben.

Vier Vereine sind in dem Dachverband organisiert. Die BUND Ökologiegruppe Kornwestheim, deren Vorsitzender Ottmar Funk ist, der Bürgerverein, dem Horst ­Allgaier vorsteht, außerdem gehören der Schwäbische Albverein und der Naturschutzbund (Nabu) dazu. Insgesamt sind es so gesehen rund 500 Kornwestheimer ­Bürger und Vereinsmitglieder, denen die Kommunalpolitiker Rede und Antwort ­stehen sollen.

Wie es zu dem Wahlsteine-Fragekatalog kam? Die Aussagen der Parteien sind ihnen manchmal zu wachsweich, lassen Allgaier und Funk durchblicken. Sie wollen erreichen, dass die Politiker klar Stellung beziehen zu einer breiten Anzahl wichtiger Themen. „Mitglieder unserer Vereine hatten die Idee zum Jahreswechsel“, sagt Allgaier. In Sitzungen und Arbeitskreisen seien die genauen Fragen abgestimmt worden.

Die Glyphosat-Diskussion in Kornwestheim beispielsweise sei übrigens so ein ­Anlass gewesen, für die Zukunft klare Aussagen und Standpunkte anzufragen – ­naturgemäß ist die Frage nach der Verwendung von Pestiziden für Umweltschützer ein sehr bedeutendes Thema. Und wenn die Fragen dann beantwortet sind? Die Antworten sollen natürlich an die Vereinsmitglieder gehen. Allgaier und Funk überlegen zudem, wie weitere Kornwestheimer Bürger von den Erkenntnissen profitieren können – etwa über eine Veröffentlichung in unserer Zeitung. Klar ist aber für die ­Vereinsvorstände: „Eine Wahlempfehlung geben wir natürlich nicht, wir sind ganz neutral. Es soll nur eine Entscheidungs­hilfe für die Wähler sein.“

 
 

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