Kornwestheim Ein Film übers Kino im Kino

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Wolfram Hannemann beantwortet am 13. Oktober die Fragen des Publikums. Foto: Simon Granville

Kornwestheim - Im Mittelpunkt des Films von Wolfram Hannemann, übrigens in Kornwestheim aufgewachsen, stehen Klaus Friedrich aus Esslingen und Gerhard Göbelt aus Asperg, die mit ihren Wanderkinos übers Land fahren und Filme zu den Menschen in den Dörfern und kleineren Gemeinden ohne eigenes Kino bringen. Beide wollen des Alters wegen ihre Arbeit in absehbarer Zeit aufgeben.

Herr Hannemann, Kornwestheim ist derzeit voll von Helden. Warum sind Klaus Friedrich und Gerhard Göbelt für Sie Helden?

Weil sie trotz aller Widrigkeiten und mit viel, viel Herzblut immer wieder versuchen, Filme aufs Land zu bringen. Das ist mit vielen Unwägbarkeiten und mit viel Aufwand verbunden. Bei Open-Air-Veranstaltungen kann das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen, Gemeindehallen oder Kirchensäle werden mit viel Liebe in ein Kino verwandelt.

Ihr Film ist eine Liebeserklärung ans Kino. Aber zuhause auf dem Sofa ist’s doch auch ganz nett.

Aber das Kinoerlebnis ist durch das Sofaerlebnis nicht zu überbieten. Das Kino schafft eine Gemeinschaft: Sie hören, wie andere lachen, wie andere sich gruseln. Es kommt kein Anruf, es klingelt niemand an der Tür. Sie nehmen den Film völlig anders wahr.

Wann lohnt sich der ganze Aufwand, der mit dem Wanderkino verbunden ist?

Lassen wir den finanziellen Aspekt einmal außen vor. Es lohnt sich dann, wenn die Menschen zusammen mit Freunden, Nachbarn oder Verwandten einen schönen Abend verbringen und sich hinterher zum Beispiel über den Film austauschen.

Ist Ihr Film ein vorweggenommener Nachruf oder hoffen Sie, dass sich Nachfolger finden?

Natürlich hoffe ich, dass sich Nachfolger finden. Klaus Friedrich entwickelt gerade einen Werbeclip: Nachfolger gesucht. Das wäre wirklich schön, wenn jemand in das Geschäft einsteigt. Aber ganz ohne eine große Portion an Idealismus, das sei gesagt, funktioniert das nicht.

Wie sehen Sie die Zukunft des Kinos insgesamt?

Ich bin ein bisschen zwiegespalten. Das Kino hat in der Vergangenheit immer wieder Möglichkeiten gefunden, der Konkurrenz von neuen Medien standzuhalten. Und ich bin zuversichtlich, dass die Branche wieder Überlebensstrategien entwickelt, auch wenn die Zeiten, in denen Filme den Kinos exklusiv zur Verfügung stehen, immer kürzer werden. Ich glaube allerdings nicht, dass alle Kinos überleben werden. In Stuttgart haben ja schon Metropol und Ufa schließen müssen.

Sie sind am Mittwoch zu Gast im Capitol. Das Kino dürfte Ihnen nicht ganz unbekannt sein.

So ist es. Im Capitol habe ich meine Kino-Sozialisation er- und meine Sturm- und Drang-Zeit durchlebt.

Erinnern Sie sich noch an den ersten Film, den Sie im Capitol erlebt haben?

Das war das Dschungelbuch – aber nicht die Disney-Animation, sondern der Realfilm mit Sabu aus dem Jahr 1942. In der Schule waren Freikarten verlost worden, und ich war einer der glücklichen Gewinner.

Filmemacher Wolfram Hannemann ist zusammen mit Wanderkino-Betreiber Gerhard Göbelt am Mittwoch, 13. Oktober, 20 Uhr, zu Gast beim „Besonderen Film“ im Capitol (Güterbahnhofstraße 28), um den Streifen vorzustellen. Auch bei der zweiten Vorführung von „Kultourhelden – Vom Ende einer Ära“ am Mittwoch, 20. Oktober, 17.30 Uhr, steht Wolfram Hannemann Rede und Antwort.

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