Kornwestheim Ein Herz, das ganz weit links schlägt

Von
Nadja Schmidt während ihres Besuches in Kornwestheim: Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Manchmal sind es die kleinen Anekdoten, die mehr über Menschen erzählen als viele Worte und lange Lebensläufe. Über Nadja Schmidt, 42 Jahre alt, Landtagskandidatin der Linkspartei, lässt sich beispielsweise sagen, dass sie zwar Anfang bis Mitte der 2000er in Dortmund lebte und sich für Fußball interessiert – aber sowohl Schalke als auch Dortmund die Daumen drücken kann. Während des Kandidaten-Spaziergangs durch den Kornwestheimer Stadtpark lässt sich auch in Erfahrung bringen, dass Nadja Schmidt nahe Mühlacker aufgewachsen ist, im wilden Grenzgebiet von Württemberg und Baden, aber bei den Streitereien zwischen den Volksstämmen so überhaupt nicht mitmischen mag. Zank wegen Vereinsfarben und Flaggen, das ist nicht Schmidts Ding, da ist ihr die Zeit zu schade. Es entspricht nicht ihrem Gemüt.

Das heißt allerdings nicht, dass Schmidt konfliktscheu wäre. Sie sucht nur ihre Kämpfe nach anderen Begebenheiten aus. Ihr Herz schlägt links, weit links – und das eigentlich schon immer. Derzeit setzt sie sich für linke Politik im Ludwigsburger Gemeinderat ein, 2019 wurde sie mit formidablen an die 6000 Stimmen ins Gremium gewählt. Kommunalpolitik schätzt Nadja Schmidt sehr, wie sie sagt. „Ich liebe meine Stadt“, sagt sie über Ludwigsburg.

Dennoch hat sie nun beschlossen, es in der Landespolitik zu versuchen. Als Kandidatin für den Wahlkreis Ludwigsburg hat sie sich aufstellen lassen, weil „am Ende doch vieles von dem, was mir wichtig ist, vom Land abhängt“, wie sie sagt.

Ihr Leib- und Magenthema, das ist die Gesundheitspolitik, hier kennt sie sich schon von Berufswegen als Referentin der Geschäftsführung der RKH-Kliniken aus. Sie ist nahe genug am System, um die Zwänge und Fallstricke der Krankenhäuser zu kennen, ansetzen will sie auf politischer Ebene. Sie plädiert für umfangreiche Reformen des Gesundheitssystems, das ihr zu kapitalgetrieben ist und die Bedürfnisse der Menschen stärker in den Vordergrund rücken solle. Auch die Pflegekräfte bräuchten mehr Unterstützung und Geld, sagt sie. „Ich sehe ja, was da schief läuft.“ Generell steht Nadja Schmidt für einen starken, fürsorglichen Staat – hier ist sie linker als viele Linke unterwegs. Die Bereiche der öffentlichen Daseinsfürsorge gehören für sie verstaatlicht und stärker staatlich gefördert. Kostenlose Kitas, Netzausbau, Ganztagesbetreuung samt Hausaufgabenhilfe für Schulkinder, gerade im Raum Stuttgart auch mehr sozialer Wohnbau: Für Nadja Schmidt ist klar, dass viele Bereiche in Leben und Gesellschaft nicht dem Markt überlassen werden sollten.

In Kornwestheim kenne sie nicht jede Ecke, sagt die 42 Jahre alte Kandidatin – um dann doch mit manchem Detail aus der Stadt aufzutrumpfen. Von der Salamander-Historie weiß sie zu berichten und benennt auch, wie bedeutend Kreidler für die Stadt war. Generell mag sie eigenständige Kommunen in der Größe Kornwestheims gern. „Die Lage zwischen Ludwigsburg und Stuttgart prägt die Stadt sehr, sowie auch der Güter- und Rangierbahnhof“, betont die Linke. Für Gelder über Sanierungsprogramme, die Städte und Gemeinden schön aber auch energetisch modern halten, dafür würde sie sich als Landespolitikerin einsetze, sagt Nadja Schmidt.

Am Ende ihres Spaziergangs betont sie: „Ich bin aus tiefstem Herzen Demokratin.“ Und: „Ich mag die Nähe zu den Menschen vor Ort.“ Das würde sich auch nicht ändern, wenn sie ins Parlament nach Stuttgart gewählt würde.

Artikel bewerten
6
loading
 
 

Sonderthemen