Kornwestheim Ein Koloss auf Reisen durch den Kreis

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Baustelle in der Solitudeallee: Das ist knapp. Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Um 4.30 Uhr war’s geschafft: Transportmeister Claus Laut hatte mit seinem Team den zwölf Meter langen Koloss durch Kornwestheim, Ludwigsburg, Möglingen und Schwieberdingen dirigiert und am Umspannwerk in Pulverdingen abgeliefert. Alles war nach Plan verlaufen, sieht man einmal davon ab, dass um kurz nach zwei ein Stromverteilerkasten kurzerhand abmontiert werden musste, weil er dem Transport im Wege stand.

Am Sonntagnachmittag war der Trafo, der ein in die Jahre gekommenes Pendant im Transnet-Umspannwerk in Pulverdingen ersetzt, am Containerbahnhof in Kornwestheim aus Nürnberg von Siemens kommend eingetroffen und auf den Transporter gehievt worden. Auf Erwin (vorne) und Stefan (hinten), um genau zu sein, denn so werden die Zug- und die Schubmaschine nach den früheren Fahrmeistern genannt, verrät Claus Laut. Nicht die Größe des Transformators (zwölf Meter lang, fünf Meter hoch und gut drei Meter breit) ist das Problem, sondern sein Gewicht von 300 Tonnen. Um das optimal zu verteilen, hat der Tragschnabelwagen inklusive der Zug- und Schubmaschine 24 Achsen und kommt auf eine Länge von 53 Metern. Ein mächtiges Gefährt, und gleichwohl sehr flexibel, wie sich im Laufe der Nacht zeigen wird.

Ingenieure der Firma Daher haben den Fahrweg in den vergangenen Monaten genauestens ausgetüftelt und mussten leider konstatieren, dass die kürzeste Strecke über die Landesstraße Kornwestheim – Möglingen nicht in Frage kommt – und zwar wegen der Autobahnunterführung. Folglich fährt der Spezialtransport über die Westrandstraße und durchs Kornwestheimer Gewerbegebiet Nord auf die Solitudeallee, die für Lkw eigentlich gesperrt ist, nach Ludwigsburg. Aber nicht in dieser Nacht, für die es eine Reihe von Ausnahmegenehmigungen gibt. Um 22.22 Uhr startet die Tour, begleitet von einer Polizeieskorte, die ebenso für freie Fahrt sorgt wie ein Trupp, der vorneweg fährt und Schilder abmontiert, die im Wege stehen. So können Erwin und Stefan über alle Verkehrsinseln hinweg fahren, weil die Schilder am Straßenrand liegen. Im letzten Wagen der Kolonne sitzen Männer, die die Verkehrszeichen anschließend gleich wieder in die Vorrichtungen stecken. Wie ein eingespieltes Team agieren die Beteiligten, so als ob sie jeden Tag Transformatoren durch die Gegend schaukeln.

„Heuler“ nennt Claus Laut das Gespann, obwohl es mittlerweile gar nicht mehr heult. Aber in früheren Jahren, erzählt er, hätten Panzermotoren in den Fahrzeugen gesteckt, die entsprechende Geräusche von sich gegeben hätten. Aber dass die neuen Fahrzeuge leise über die Straße – Höchstgeschwindigkeit sind 18 Kilometer in der Stunde – rollen, das kann nun auch nicht behauptet werden. Laut ist’s, und mit den blauen und gelben Warnlichtern ergibt sich eine gespenstische Atmosphäre auf den Straßen.

Beim Abbiegen von der Heinkelstraße in die Solitudestraße zeigt sich, welche Maßarbeit die beiden Fahrer und Transportmeister Claus Laut, der teils neben dem Fahrzeug läuft und über Funk mit seinen Kollegen verbunden ist, vollbringen müssen. Zug- und Schubfahrzeuge fahren ganz außen um die Ecke, derweil der Trafo selbst die Innenkurve nimmt. Als Nadelöhr erweist sich die Baustelle in der Solitudeallee im Bereich des Römerhügelweges. Nur ganz knapp passt der Schwertransporter an dem Erdloch vorbei. Sämtliche Warnbaken und Absperrungen waren zuvor beseitigt worden.

Der Transformator soll in den kommenden Tagen installiert werden, sobald die weiteren Bestandteile auf normalem Wege in Pulverdingen eingetroffen sind. Unter anderem muss Öl eingefüllt werden – so viel, dass das Gesamtgewicht auf 400 Tonnen steigt. Claus Laut und sein Team sind dann schon wieder andernorts im Einsatz, um andere überdimensionale Versandstücke auszuliefern.

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