Kornwestheim Ein Schutzengel mit kaum lösbarem Auftrag

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Vor dem drohenden Einsturz des verfallenen Klosters versucht Schutzengel Minetti, den Mönch Bonifatius zu retten. Foto: Mateja fotografie

Kornwestheim - Jeden Tag löst sich ein Stein aus dem Mauerwerk, ein Balken bricht ein und eine Schindel fällt vom Dach herunter. Keine Frage: Das alte Kloster Sankt Polterstein, erbaut im Jahre 1210 von den Franziskanern, ist in einem jämmerlichen Zustand und wird von drastischem Verfall heimgesucht. Dort zu wohnen, ist nicht nur unangenehm, sondern schon gefährlich.

Diese Situation bietet die Kulisse für das Stück „Jonas und der Engel – Ein himmlischer Auftrag“, das mit zwei Vorstellungen im K gastiert hat. Figurenspieler Marc Schnittger bot dabei eine vergnügliche Darbietung, die auch ältere Zuschauer begeistern kann und nur noch wenig mit dem Klischee des drögen Kasperletheaters zu tun hat.

Jeweils rund 100 Mädchen und Jungen der Kindergärten in Kornwestheim waren bei den zwei Aufführungen des Gastes aus Norddeutschland dabei. Sie erlebten ein liebevoll inszeniertes Stück um den 70-jährigen Bruder Bonifatius, dessen Schutzengel Minetti und den achtjährigen Jonas. Der Mönch lebt allein in eben jenem altersschwachen Kloster, das schon in wenigen Tagen einzustürzen droht. Daher erhält der Engel Minetti die göttliche Weisung, Bonifatius zu beschützen, indem er ihn aus dem Gebäude bringt. Dumm nur, dass der Mönch nicht an die himmlischen Wesen glaubt und Minetti daher weder sehen noch hören kann. So will es ihm einfach nicht gelingen, den alten Mann dauerhaft vor die Tür zu locken. „Ich brauche dringend Verstärkung“, teilt der Engel seinen Kollegen mit. Allerdings sind alle anderen schon anderweitig im Einsatz. Doch zum Glück ist da noch der Schüler Jonas, der ängstlich vor dem rauflustigen Jungen Egbert ins Kloster flüchtet und dem verzweifelten Schutzengel zur Hilfe kommen kann. Ob ihnen die Rettung von Bonifatius noch rechtzeitig gelingt?

Zeitweise unterlegt von Instrumentalmusik, erweckt Schnittger die Figuren zum Leben. Meist lässt er gleich zwei Handpuppen auf der Bühne erscheinen und gibt mit seiner Stimme nicht nur die Dialoge wieder, sondern imitiert außerdem diverse Geräusche wie das Einschalten des Radios. Sowohl in der Kulisse, die Schnittger selbst entworfen und gebaut hat, als auch in den Puppen steckt ebenfalls viel Liebe zum Detail.

Bei seinen jungen Zuschauern im K kann der Figurenspieler aber auch mit der Handlung der kurzweiligen Geschichte punkten. Immer wieder lachen und kichern die Mädchen und Jungen vergnügt, beispielsweise wenn der Mönch mehrfach über denselben Stein stolpert, sich der Schutzengel erneut tollpatschig anstellt und den überrumpelten Jonas aus Freude wild abknutscht.

Doch nicht nur die Jüngsten amüsieren sich bei der etwa einstündigen Vorstellungen im Theatersaal gut. Dank mehrerer selbstironischer Elemente gibt es auch für die Erwachsenen einiges zum Schmunzeln, etwa wenn aus dem Radio das Lied „Engel“ der Metallband Rammstein tönt. Oder wenn der Mönch angesichts der hohen Reparaturkosten für das Kloster fragt: „Wie soll ich denn das bezahlen? Bin ich etwa die Stadt Kornwestheim?“

Neben der Vorstellung speziell für die Kindergärten der Stadt wird es in dieser Saison noch ein Stück für Grundschüler und eines für Jugendliche weiterführender Schulen geben, kündigt Kulturmanager Johannes Ellrott an.

Mit der Resonanz der Kinderstücke im K ist er bisher insgesamt sehr zufrieden. Vor allem die Termine an den Sonntagen werden von Familien sehr gut besucht, sagt er.

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