Kornwestheim Ein schwarzer Engel geht nach Kornwestheim

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Die Autorin Regine Bott hat den Phantastik-Literaturpreis Seraph auf der Leipziger Buchmesse erhalten. Foto: red

Kornwestheim - Sie hat darauf gehofft, doch nicht damit gerechnet. Eine Rede habe sie auch nicht vorbereitet, berichtet sie schmunzelnd. Und so muss Regine Bott an diesem späten Donnerstagnachmittag ein wenig improvisieren, als ihr Name auf der Leipziger Buchmesse fällt. Oder genauer gesagt: ihr Pseudonym, denn Regine Bott schreibt als „Kris Brynn“ Science-Fiction-Bücher. Ihr erster ausgewachsener Roman hieß 2018 „The Shelter – Zukunft ohne Hoffnung“. Und für genau den wurde die Kornwestheimer Autorin nun in Leipzig ausgezeichnet.

Der Verein Phantastische Akademie hat ihr den „Seraph“ in der Kategorie „Bestes Debüt“ verliehen. Auf der Leseinsel Phantastik der Buchmesse überreichen ihr die Vorsitzenden Oliver Graute und Natalja Schmidt den Preis, der in Gestalt eines schwarzen Engels daherkommt. Regine Bott bedankt sich, durchaus bewegt, und findet sich kurz darauf gemeinsam mit den anderen Preisträgern im Blitzlichtgewitter der Fotografen wieder. Neben ihr wird die Independent-Autorin Birgit Jaeckel mit einem Preis bedacht, außerdem für das „Beste Buch“ Bernhard Hennen – der Autor gehört zu den Größen der deutschen Phantastik-Szene, bekannt geworden ist er vor allem durch seine „Elfen“-Reihe.

Der Seraph wird jährlich von der Phantastischen Akademie auf der Buchmesse vergeben, 2019 zum achten Mal. Der Verein hat seinen Sitz in Mannheim, er hat es sich auf die Fahnen geschrieben, Phantastischer Literatur zu mehr Ansehen und Aufmerksamkeit in den Medien zu verhelfen. Das gestaltet sich nicht immer leicht – die Feuilletons und der „klassische“ Kulturbetrieb haben Science Fiction, Fantasy und Horror nicht immer auf dem Schirm, der Phantastik haftet noch der Dünkel der Trivialliteratur an. Dass die Phantastik heutzutage aber auch gesellschaftliche Entwicklungen aufgreift, etwa im Bereich der Science Fiction Dystopen diskutiert und auch gesellschaftskritisch wirkt, betonen Graute und Schmidt.

Regine Bott jedenfalls hat mit ihrem Buch „The Shelter“, beim Verlag Bastei Lübbe erschienen, versucht, den Spagat zu schaffen zwischen Unterhaltung und Debattenbeitrag. In dem Roman der 50 Jahre alten Literaturwissenschaftlerin, die hauptberuflich als Lektorin arbeitet, geht es um Großbritannien in naher Zukunft. Die Geschichte: Gefährliche Krankheiten haben die Bevölkerung befallen. Außerhalb Londons steht eine gewaltige Kuppel. Hier hinein werden die Kranken gebracht und sich selbst überlassen. Erzählt wird das Ganze aus der Sicht des Protagonisten Rick, der eines Tages selbst in der Kuppel landet.

Von diesem dystopischen Szenario darf Regine Bott am Donnerstagabend einem größeren Publikum berichten. Die Preisträger des Seraphs lesen in Leipzig in „Werk II“, einem alten Fabrikgebäude, beim Phantastik-Leseabend. Mehr als 200 Zuhörer lauschen Botts Worten. Die Preisträger wechseln sich ab mit bekannten Autoren, die ebenfalls eingeladen wurden – Kai Meyer beispielsweise und Markus Heitz.

Zum Glück habe sie bereits öffentlich gelesen, berichtet Regine Bott lächelnd. Die Nervosität halte sich daher in Grenzen. Bott ist in verschiedene Projekte involviert, etwa bei der „Get Shorties“-Lesebühne und den „mörderischen Schwestern“, einem Netzwerk zur Förderung von von Frauen geschriebener, deutschsprachiger Kriminalliteratur. Sie steht also auf manchem Podium und liest, oft sind es Kurzgeschichten. Und dennoch: „Vor so vielen Menschen saß ich selten auf der Bühne“, berichtet sie.

Als nächstes wolle sie einen Gegenwartsroman veröffentlichen, erzählt die Kornwestheimerin. Ein Krimi ist ebenfalls in Arbeit, und gerade wurden die ersten Teile ihrer Space Opera „Out of Balance“ publiziert. „Ich hoffe natürlich, dass der Gewinn des Seraphs mir einen Schub gibt, ich mehr verkaufe, bekannter werde“, sagt Regine Bott.

Ihren größten Fan hat sie jedenfalls in Leipzig dabei. Mit im Publikum sitzt Ehemann Markus Bullinger. „Ich bin unsagbar stolz auf meine Frau“, sagt er. Und ergänzt anerkennend: „Hut ab.“

 
 

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