Kornwestheim Ein Tuch zum Wienern ist stets griffbereit

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Ein Pontiac Tempest aus dem Jahre 1968. Foto: Christine Biesinger

Kornwestheim - Verdunkelte Gläser vor den Augen waren angebracht – nicht nur der Sonne wegen, die vom Himmel strahlte, sondern insbesondere, weil die Vehikel auf dem Marktplatz um die Wette glitzerten und funkelnden. Tücher hatten die Eigentümer stets in Griffweite, um Fingerabdrücke und Staubkörnchen sofort zu eliminieren. 63 Youngtimer (mindestens 20 Jahre alt) und Oldtimer (Mindestalter 30 Jahre) hatten sich unterm Rathausturm versammelt, um auf Einladung des MSC Ludwigsburg und des MSC Stammheim zu einer Rundtour durch den Landkreis Ludwigsburg bis zum Schloss Bönnigheim und wieder zurück zu starten. Salamander-Rallye hatte Peter Hilcher die Ausfahrt überschrieben, bei der es einige Aufgaben zu erfüllen galt.

Als erster durfte Wolfgang Schöttle aus Korntal-Münchingen auf die Strecke. Sein Ford A mit 40 PS unter der Motorhaube – Baujahr 1929 – war das älteste Fahrzeug am gestrigen Vormittag auf dem Kornwestheimer Marktplatz. Bevor er seinen Oldtimer startete, schob er dessen Verdeck noch mühsam nach hinten. Da hatte es Enkelsohn Pierre, der zusammen mit Jonas Benz an der Rallye teilnahm, schon einfach. Ein Knopfdruck – und das Verdeck surrte nach hinten. Dafür hat Pierre Schöttle andere Probleme mit seinem Auto. Finden Sie mal für einen 5,44 Meter langen Schlitten einen Parkplatz. Ins Parkhaus passe der Pontiac Tempest aus dem Jahre 1968 ebenso wenig wie in die heimische Garage, berichtet Jonas Benz. Dafür hat der Oldtimer andere Vorteile: Servolenkung, Bremsverstärkung, Bluetooth-Radio, Ledersitze. „Der fährt sich wie ein Kinderwagen“, schwärmt Pierre Schöttle.

Aus Heilbronn sind Herbert Kendel und Patrick Römer nach Kornwestheim gekommen. Ihr Fahrzeug: ein Käfer 1300, Baujahr 1969, vom Werk ausgestattet mit 50 PS, von Herbert Knebel um 20 PS aufgestockt. Als „Rostlaube“ hat Kendel das Fahrzeug gekauft, ein Jahr Arbeit investiert – und nun strahlt der Käfer in Bordeaux-Schwarz mit den anderen Fahrzeugen um die Wette. Von Vorteil sei, dass man immer noch gut an Ersatzteile komme, berichtet der Heilbronner, und dass man an Reparaturarbeiten viel selbst erledigen könne. Der Nachteil: Dass er, wie es in den 1960er-Jahren gang und gäbe war, mit dem Auto einmal nach Italien fährt, das kann sich Herbert Kendel nun wahrlich überhaupt nicht vorstellen. Die neuen Fahrzeuge mit Servolenkung und Bremsverstärker hätten schon ihre Pluspunkte, und er müsse sich jedes Mal erst daran gewöhnen, dass ihm dieser technische Fortschritt im Käfer nicht zur Verfügung stehe, berichtet er.

Die Eltern hätten einen Opel Ascona gehabt. Und als er 1982 seinen Führerschein gemacht habe, da habe er das Auto auch gefahren, erzählt Volker Wagenblast aus Abstatt. Nun hat er wieder einen – seit fünf Jahren. Der hellblaue Ascona schaut aus wie neu, was nicht nur an der guten Pflege liegt, sondern auch daran, dass das Kfz trotz seiner 42 Jahre erst 131 000 Kilometer gefahren ist. Wagenblast ist Zweitbesitzer, der Verkäufer hatte den Opel Ascona kaum genutzt.

Jedes Auto hat seine eigene Geschichte. Peter Hilcher, Vorsitzender des MSC Ludwigsburg und Hauptorganisator der Salamander-Rallye, schwärmt vom Iltis, dem ersten VW mit Allradantrieb, der gleich an der Zufahrt zum Marktplatz steht. Das gute Stück kostete seinerzeit 39 000 Mark, weiß der Autoexperte zu berichten.

Oberbürgermeisterin Ursula Keck gab den Startschuss für die Rallye. Und noch auf dem Marktplatz hatten die Teilnehmer die erste Aufgabe zu erfüllen. Sie sollten ihr Vehikel möglichst nahe an einem Balken parken. Wolfgang Schöttle ließ mit seinem Ford A nur 34 Zentimeter Platz. Das wurde im Laufe der Veranstaltung zwar noch getoppt, aber ein älteres Fahrzeug tauchte nicht mehr auf.

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