Kornwestheim Eine Bücherzelle für den Osten der Stadt

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Die Bücherzelle am Kornwestheimer Bahnhof Foto: Katharina Sauter

Kornwestheim - Die Kornwestheimer Sozialdemokraten sind von der Bücherzelle am Bahnhof absolut überzeugt. Diese laufe schon „seit Jahren reibungslos“, werde „gut betreut und gut angenommen“, heißt es von der Gemeinderatsfraktion. Streng genommen steht die ausrangierte Telefonzelle erst seit etwa eineinhalb Jahren am Bahnhofsvorplatz, seit Mai 2018. Man mag den Sozialdemokraten an dieser Stelle aber verzeihen, dass sie ein wenig aufgerundet haben, zeigen sie damit doch nur ihre Begeisterung für die Zelle, die im Kern eine Art Miniatur-umsonst-Flohmarkt für Bücher ist. Ihre Idee ist so charmant wie simpel: Wer will, darf dort Bücher abstellen; wer möchte, kann auch einfach welche mitnehmen.

Eben weil das Stück Weltläufigkeit-zum-Mitnehmen für jedermann so gut angenommen wird, haben die Sozialdemokraten sich nun dafür starkgemacht, eine weitere solche Bücherzelle aufzustellen. Während der Haushaltsberatungen stellten sie einen entsprechenden Antrag, der auch eine einstimmige Mehrheit fand.

Im Osten der Stadt, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Michael Gritz auf Nachfrage unserer Zeitung, erkundigten sich vor allem ältere Mitbürger immer wieder, ob auch nicht in ihrer Nähe eine Bücherzelle aufgestellt werden könne. Diesen Wunsch haben die Sozialdemokraten aufgegriffen. Zwar hat Gritz noch keinen detaillierten Standort im Visier. Doch dieser wird nun, auch das ist Teil des Antrages, in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung gesucht. Ein anderer nicht unbedeutender Faktor ist dafür bereits in trockenen Tüchern: Dass sich bereits schon wieder Ehrenamtliche gemeldet haben, die die neue Bücherzelle im Kornwestheimer Osten mit betreuen würden, das freut Hans-Michael Gritz sehr.

Auch für die Einrichtung am Bahnhof zeichnen – neben der Stadtbücherei – bislang mehrere freiwillige Helfer verantwortlich. Sie reinigen die Zelle, nehmen Bücher heraus, die nichts dort verloren haben, beispielsweise, weil die Inhalte extremistisch sind.

Gabriele Kaufhold, die die erste Bücherzelle seinerzeit mit ins Leben gerufen hat, berichtet: „Manchmal sind ganze Lexika-Reihen zu finden, die veraltet sind, die entfernen wir dann natürlich.“ Auch einige religiöse Schriften habe sie bereits wegsortieren müssen. Grundsätzlich findet Kaufhold es super, dass im Osten eine weitere Bücherzelle aufgestellt werden könnte. „Ich fahre einfach ab und zu vorbei“, sagt Kaufhold, „und sehe nach dem Rechten.“ Und andere Ehrenamtliche, das weiß sie, tun es ihr regelmäßig gleich.

Wo die Bücherzellen überhaupt herkommen? Es sind ausrangierte Telefonzellen, soviel ist klar, und für die gibt es in Berlin eine bundesweite Sammelstelle. 450 Euro und einige Monate Wartezeit hat es gekostet, die erste Zelle nach Kornwestheim zu holen. Für den Kauf, das Abholen und Einrichten der Bücherzelle im Osten hat die Stadt nun vorsorglich 3000 Euro im Haushalt vorgesehen.

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