Kornwestheim Eine ganze Branche wird ausgebremst

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Hat das Lachen noch nicht verlernt: Johannes Leichtle. Foto: Werner Waldner

Kornwestheim - In your wildest dreams“ hätte die Sängerin von „Tina – die Show“ heute in einer Woche zu Beginn der sommerlichen Veranstaltungsreihe „Kornwestheim rockt“ über den Marktplatz geröhrt. In seinen wildesten Träumen hatte sich Johannes Leichtle nicht ausgemalt, dass sein Geschäft, das Organisieren von großen Veranstaltungen, zum Erliegen kommt und er zum Bezieher von Grundsicherung wird. Doch genau das ist passiert.

„Ein Desaster“, sagt der 45-Jährige. Aber er ist guter Dinge, dass es weitergeht – wenn auch nicht so schnell, wie es ihm eigentlich lieb wäre. Dass dieses Jahr nicht so laufen wird, wie es geplant war, das habe er sehr früh gespürt, sagt Leichtle. Schon im Februar habe ihn das ungute Gefühl beschlichen, dass es im Sommer nicht rocken wird – weder in Kornwestheim noch andernorts. „Mitte März wusste ich: Das ist nichts Kurzfristiges“. Seine Befürchtungen bestätigten sich. Zu schaffen gemacht habe ihm die Perspektivlosigkeit, schildert der Mitinhaber der Gesellschaft „bankett plus“ seine Erfahrungen. „Egal mit welcher Idee man kam, man wurde ausgebremst“, sagt Leichtle. Er löste sein Büro auf, halbierte die Lagerfläche, kündigte Versicherungen und auch einer Mitarbeiterin. „Wir haben die laufenden Kosten minimiert“, berichtet er. Die Soforthilfe von 9000 Euro habe nur über den ersten Moment hinweggeholfen.

Der ganzen Branche sei es ähnlich ergangen. Der Leonberger sieht sie als eine der großen Verlierer der Corona-Pandemie. Ob Messebau oder Veranstaltungstechnik, ob Lichttechnik, die Veranstalter selbst oder die Künstler – alle hätten plötzlich keine Aufträge mehr gehabt. Er habe nicht das Gefühl, dass sich die Politik ausreichend um diesen Wirtschaftszweig kümmere. Und dabei zähle der mehr als zwei Millionen Beschäftigte und Selbstständige – mehr als manche Branche, für die mächtige Hilfsfonds aufgelegt worden seien. „Uns bricht der ganze Umsatz weg, und es kräht kein Hahn danach.“ Nicht zu vergessen: Viele Arbeitnehmer und Studenten würden sich durch ihren Einsatz bei Veranstaltungen ein Zubrot verdienen, auf das sie häufig auch angewiesen seien. „Das bricht alles weg.“

Warum läuft dieser Wirtschaftszweig unterm Radar? „Wir haben keine Lobby“, antwortet Johannes Leichtle. Es seien alles Einzelkämpfer, und die hätten es in der Vergangenheit versäumt sich zu organisieren und auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen.

Welche langfristigen Auswirkungen die Corona-Pandemie auf diesen gebeutelten Wirtschaftszweig hat, das vermag Johannes Leichtle nicht abzuschätzen. Das werde spannend sein, zu beobachten, so der Veranstaltungsmanager. Er könne sich vorstellen, dass Open-Air-Veranstaltungen, wenn sie denn wieder mit vielen Zuschauern erlaubt seien, zu den Gewinnern gehören werden. „Man sieht schon jetzt: Die Menschen setzen sich nicht mehr so gerne in geschlossene Räume“, hat Leichtle beobachtet.

Leichtle hofft für sich die Zeit gut zu überstehen. „Unser Unternehmen ist gesund. In den vergangenen fünf Jahren haben wir gute Betriebsergebnisse erzielt“, berichtet er. In Markgröningen hat er in diesen Tagen zusammen mit seinem Geschäftspartner einen Biergarten am Flohberghaus eröffnet.

Fürs kommende Jahr setzt er ganz auf seine Open-Air-Veranstaltungsreihen in Kornwestheim, Leonberg, Sindelfingen, Eislingen und Worms. Leichtle will dafür die Bands verpflichten, die eigentlich in diesem Jahr auftreten wollten und sollten. In Corona-Zeiten braucht’s halt wohl zwei Anläufe. Oder um es mit Rockröhre Tina Turner zu sagen: It takes two.

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