Kornwestheim Einen kurzen Moment nicht aufgepasst

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Auf dem Rangierbahn ist es 2016 zu einem Unfall gekommen. Foto: dpa/Daniel Naupold

Kornwestheim - Kleiner Fehler, große Wirkung: Weil er einen falschen Knopf gedrückt hatte, verursachte ein 59 Jahre alter Fahrdienstleiter am 23. November 2016 eine Unfall auf dem Rangierbahnhof. Eine Lok stieß mit einem Güterzug zusammen, der Lokführer wurde dabei verletzt. Der Sachschaden belief sich seinerzeit auf über 30 000 Euro. Das Verfahren wegen fahrlässiger Gefährdung des Bahnverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht Ludwigsburg ist jetzt eingestellt worden. Der Beschuldigte muss aber 1000 Euro Geldbuße bezahlen.

Die Einstellung erreichte der 59-Jährige durch den Einspruch gegen einen Strafbefehl über 1000 Euro Geldstrafe. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft war nur unter der Bedingung zur Verfahrenseinstellung bereit, dass der Angeklagte denselben Betrag bezahlt, der im Strafbefehl bereits ausgeworfen war.

Der Betriebsbeamte ist im Rangierbahnhof verantwortlich für den sicheren Eisenbahnbetrieb. Vor Gericht gab er zu, an jenem Mittwoch gegen 22 Uhr den falschen Knopf gedrückt und somit seine Aufmerksamkeitspflicht verletzt zu haben. Er habe Gleis 7 statt Gleis 8 freigegeben. Der Lokführer sah den mit Stahlträgern beladenen Güterwagen auf einer Strecke von etwa 190 Metern in ungefähr 25 Sekunden nicht auf sich zukommen und zog sich bei dem Aufprall ein Kehlkopftrauma sowie eine Risswunde am Hals zu. Außerdem brach er sich einen Finger. Strafanzeige gegen den Fahrdienstleiter hat der Lokführer aber nicht gestellt. Die Frage von Richterin Dr. Susanne Odeskog, ob der Unfall berufliche Konsequenzen gehabt habe und ob eine Schadenswiedergutmachung oder ein Schmerzensgeld bezahlt worden sei, verneinte der Angeklagte.

Der Anstoß zur Verfahrenseinstellung kam von dem Verteidiger des Fahrdienstleiters, Benjamin Waldmüller. Er meinte, die Sache sei ja schon vier Jahre her. Sein Mandant arbeite schon seit 1986 im Rangierbahnhof, und es sei noch nie etwas vorgekommen. Der Anwalt sprach von einem Augenblicksversagen bei einer Routinetätigkeit. Das Ermittlungsverfahren gegen den Lokführer sei ja schließlich auch eingestellt worden und dieser sei wohl auch ein bisschen selbst daran schuld, dass er mit Verletzungen im Krankenhaus gelandet sei. Der Rechtsanwalt sah geradezu einen „Paradefall für eine Einstellung“.

Aufgrund des Geständnisses des Fahrdienstleiters war bei der Verhandlung keine Beweisaufnahme nötig und die fünf geladenen Zeugen konnten ohne Vernehmung wieder gehen.

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