Kornwestheim Erwischt: Senior ist mehrfach ohne Führerschein unterwegs

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Gleich für drei Fälle des Fahrens ohne Fahrerlaubnis musste sich ein 75-jähriger Witwer aus Kornwestheim vor dem Amtsgericht verantworten. Foto: dpa

Kornwestheim - Gleich für drei Fälle des Fahrens ohne Fahrerlaubnis musste sich ein 75-jähriger Witwer aus Kornwestheim vor der Strafabteilung des Ludwigsburger Amtsgerichts verantworten. Dass er wegen einer Unfallflucht den Führerschein entzogen bekommen hatte, hielt den Mann nicht davon ab, drei Autos anzumelden. In denen wurde er hintereinander von der Polizei am Steuer erwischt.

Tatort Nummer eins war am 25. September 2017 die Ecke Karl-Joos-Straße/Beethovenstraße in Kornwestheim. Zum zweiten Mal wurde er Anfang August auf dem Römerhügelweg im Ludwigsburger Stadtteil Pflugfelden erwischt. Tatort Nummer drei war 15 Tage später die Kornwestheimer Friedrich-Siller-Straße. Dreimaliges Fahren ohne Fahrerlaubnis musste sich der Rentner also von der Stuttgarter Staatsanwaltschaft vorwerfen lassen.

Polizeibeamte behielten den Senior im Auge und sahen ein Fahrzeug in dessen Hof stehen. „Die Polizeibeamten haben abends bei mir geklingelt und dann musste ich die reinlassen“, begann sich der Angeklagte zur Sache zu erklären. Sein Verteidiger hielt es jedoch für besser, wenn er das Wort an sich nimmt. Er legte für seinen Mandanten ein Geständnis ab. Die drei polizeirechtlich eingezogenen Fahrzeuge, so der Anwalt, befänden sich in Oldenburg.

Eine Kornwestheimer Polizeibeamtin gab als Zeugin an, der 75-Jährige sei sogar viermal ohne Führerschein erwischt worden. Der Mann sei einschlägig bekannt gewesen, seit dessen Führerschein im Jahr 2017 beschlagnahmt wurde. Also habe die Polizei den Senior „im Auge behalten“. Die Beamten hätten auch gesehen, dass dieser ein Fahrzeug im Hof stehen hat. Ihnen gegenüber, so die junge Polizistin, habe sich der Beschuldigte „uneinsichtig“ gezeigt. Sie habe das Gefühl, dass er „schon ein bisschen Altersstarrsinn hat“. Bei der dritten Begegnung hätten die Polizisten dem Angeklagten „unmittelbaren Zwang androhen müssen“, setzte die Beamtin ihre Zeugenaussage fort. Und bei der vierten Konfrontation habe der Kornwestheimer sogar festgehalten werden müssen. Sie habe den Eindruck, der Mann wolle nicht verstehen, um welche Straftaten es bei ihm geht, schloss die Polizeibeamtin ihre Aussage.

Fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und Beleidigung eines Polizeibeamten brachte der Kornwestheimer zu seinem Strafprozess schon mit. „Was machen Sie jetzt ohne Auto?“, wollte Richterin Andrea Henrich wissen. „Elektrofahrrad und Baden-Württemberg-Ticket“, antwortete der 75-Jährige. Zur Gerichtsverhandlung allerdings sei er mit dem Taxi gekommen, weil es ja regne.

„Er wusste, dass er nicht mehr fahren darf“, sagte der Staatsanwalt. Er bezeichnete den Angeklagten als „Person, die man im Straßenverkehr eigentlich nicht suchen möchte“. Straßenverkehr beruhe nämlich auf Vertrauen, und der Kornwestheimer gefährde andere wie beispielsweise Familien mit Kindern. Gegen den Mann müsse eine harte Strafe ausgesprochen werden, zumal Geldstrafen in der Vergangenheit nicht gefruchtet hätten. Zehn Monate auf Bewährung, so der Ankläger in seinem Strafantrag, könnte es geben, aber dem Angeklagten müsse klar sein, dass er Gefängnis riskiert, wenn er so weitermacht. Er jedenfalls, sagte der Staatsanwalt, könne seine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass es mit der Bewährung gut geht. Dreieinhalb Jahre Fahrerlaubnissperre müssten obendrein verhängt werden.

Im Urteil kam schließlich eine sechsmonatige Bewährungsstrafe mit 18 Monaten Sperre für die Erteilung einer Fahrerlaubnis und 1000 Euro an den Bewährungshilfeverein Stuttgart heraus. „Sie wollen es vielleicht nicht wahrhaben“, redete die Richterin dem 75-jährigen Angeklagten ins Gewissen. „Aber wenn die Polizei kommt und Ihnen den Führerschein wegnimmt, ist es höchste Eisenbahn.“

 
 

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