Kornwestheim Exakt 16 777 216 Farben

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Adrian Sauer Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Spektren“ ist die Ausstellung überschrieben, und den Besuchern sei empfohlen, eine gute Brille aufzusetzen oder vielleicht auch eine Lupe mitzubringen, um sich die Arbeiten von Adrian Sauer ganz genau anzuschauen. Da wäre zum Beispiel das Bild „16 777 216 Farben“, das an der Stirnwand im großen Ausstellungssaal hängt – eine breite, graue Fläche, 1,25 Meter hoch und knapp fünf Meter lang. Graue Fläche? Je mehr sich die Besucher dieser Arbeit nähern, um so mehr Farben nehmen sie wahr. Letztlich sind es, versichert Adrian Sauer, exakt 16 777 216 Farben, sämtliche also, die die digitale Technik hergibt.

Adrian Sauer, 1976 in Ost-Berlin geboren, hat an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert, beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit der Farbe als Gestaltungselement. Er spielt mit ihr, erzeugt Sinnestäuschungen. Wie hat sich die Fotografie verändert, seit ihr die digitale Technik zur Verfügung steht? Diese Frage stand für Adrian Sauer am Beginn seiner Auseinandersetzung mit dem Thema. Man könne auf einfachem Wege an jeder Stelle Bildinformationen verändern. Die Arbeit „16 777 216 Farben“ hat letztlich ein Rechner erstellt, für den Sauer das Programm geschrieben hat. Es enthält alle Farben, die man im heute für digitale Bilder gebräuchlichen 8-Bit-RGB-Farbsystem darstellen kann. Jede Farbe ist, sagt Sauer und man wird es ihm glauben müssen, auf dem Bild nur ein einziges Mal vertreten.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Wolkenbilder des Leipziger Künstlers. Wolken, sagt Museumsleiterin Saskia Dams, seien ja ein bekanntes künstlerisches Motiv. Sauer geht damit in der ihm eigenen Weise um. Grundlage sind von ihm gemachte Fotos, deren Farben – der Digitaltechnik sei Dank – letztlich nur Zahlen sind. Und so arbeitet Sauer weniger mit dem Foto als mit den Zahlen (was aber letztlich dann doch das Gleiche ist) und erstellt Wolkenpaare, die in der Farbigkeit ganz unterschiedlich aussehen, legt man sie übereinander, aber nur ein graues Bild ergeben. Saskia Dams: „Das scheinbar unmögliche Erschaffen eines Bildnegativs im Zeitalter der digitalen Fotografie wirft die Frage nach den zulässigen Mitteln der bildreflexiven Fotografie und nach der bildnerischen Wahrheit im Auge des Betrachters auf.“

Apropos bildnerische Wahrheit: Wie ist es möglich, dass ein Spiegel aus Stahl das Bild zeigt, das nicht vor ihm, sondern neben ihm hängt? Adrian Sauer hat Objekte mit nach Kornwestheim gebracht, die so geschickt im Ausstellungssaal platziert sind, dass ganz unterschiedliche Effekte erzeugt werden. Er habe die Erfahrungen mit dem digitalen Bild weitertragen wollen und sei so zu den Objekten – Spiegel aus Stahl und Winkel aus Plexiglas – gekommen. Es ist eine Schau im Josef-Kleihues-Bau, die auf den ersten Blick eher eintönig wirkt, auf den zweiten aber umso spannender und erkenntnisreicher. Sie setze die Reihe von Fotoausstellungen fort, mit denen sich das Städtische Museum bereits einen guten Namen gemacht habe, betonte Oberbürgermeisterin Ursula Keck bei der Vorstellung. Saskia Dams verweist auf das Zusammenspiel mit der Ausstellung „Farbenrausch“ im ersten Stock des Museums. Dort sind Arbeiten des Spätimpressionisten Manfred Henninger zu sehen.

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