Kornwestheim Neujahrsempfang der SPD: "Der Mangel an Wohnraum ist groß"

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Jürgen Steffan (links) sprach auf Einladung der SPD-Gemeinderatsfraktion und des SPD-Ortsvereins (im Foto der Vorsitzender Walter Specht) beim Empfang. Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Wer in Kornwestheim nach einer Wohnung oder einem Haus sucht, braucht mitunter einen langen Atem. Andererseits ist das eine oder andere Neubauprojekt in der Stadt nicht unumstritten. Das Schaffen von zusätzlichem Wohnraum beschäftigt die Politik schon einige Jahre lang. Vor diesem Hintergrund hat die Kornwestheimer SPD einen Experten als Referenten zu ihrem Neujahrsempfang am Dreikönigstag eingeladen, der deutliche Worte zum Thema fand.

Bei der traditionellen Veranstaltung im Versammlungssaal der Galerie im Kleihuesbau trat dieses Mal Hauptredner Jürgen Steffan, Finanzvorstand bei der Wüstenrot Bausparkasse, vor die versammelten Gäste. „Mangel an bezahlbarem Wohnraum: Wie gehen wir damit um?“ – so war der Vortrag überschrieben.

Der Finanzfachmann beleuchtete nicht nur die derzeitige Situation, sondern erklärte auch, wie es dazu gekommen ist. „Baden-Württemberg hat sehr gute Rahmenbedingungen und ist eine der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas“, sagte Steffan. Er sprach von einer überdurchschnittlichen Wachstumsrate und einem sehr hohen Beschäftigungsgrad. „Mit der Wirtschaft wächst die Bevölkerung und damit der Bedarf an Wohnraum“, führte er aus. Mit rund 11 Millionen Menschen sei die Einwohnerzahl auf einem neuen Höchststand. „Damit braucht es mehr bezahlbaren Wohnraum“, betonte der Redner. Auf dem Markt fehlen landesweit etwa 90 000 Wohnungen, rechnete Steffan vor. Die Wohnungsnot betreffe nahezu alle Landkreise.

Doch mit dem Problem steht das Land nicht alleine da. Den Mangel an Wohnraum in ganz Deutschland bezifferte Steffan auf etwa 1 Million. Das liege auch daran, dass die Fertigstellung nicht schnell genug gehe. Das Fehlen von Bauland, lange Genehmigungsverfahren und der Mangel an Personal auf den Baustellen nannte er als Gründe dafür.

Nach Ansicht des Referenten muss dringend etwas getan werden. Dabei stellte Steffan klar: „Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Er begrüßte es, dass die Landesregierung die Dringlichkeit erkannt habe, und lobte die vor etwa zwei Jahren ins Leben gerufene „Wohnraum-Allianz“, die um Lösungen ringe. „Den Akteuren ist es schon gelungen, für ihre Beschlüsse einen breiten Konsens herzustellen.“ Es sei allerdings bedauerlich, dass dabei die Bildung von Wohneigentum nicht im Fokus stand. „Wir dürfen unseren Blick nicht nur auf den Mietraum richten“, meinte er.

Laut den Ausführungen des Gastredners ist Deutschland neben der Schweiz das Schlusslicht in Europa, was die Eigentumsquote angeht. Sie beträgt nach seinen Angaben in der BRD 45 Prozent. Bei den 25- bis 34-Jährigen sei sie sogar rückläufig. Dabei sei der Wunsch nach einer Eigentumswohnung oder dem eigenen Haus ungebrochen. Sie gelten als Altersvorsorge und Investitionsobjekte. Darüber hinaus glauben vier von fünf Deutschen, dass sich Wohnträume am besten im Eigenheim realisieren lassen, zitierte Steffan aus einer Umfrage. Der Bau von Einfamilienhäusern ist nach seiner Ansicht wichtig, um Engpässe zu beseitigen. Nicht zuletzt sei der Bau von Eigenheimen zudem ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Trotz anhaltender Niedrigzinsen können sich junge Familien das oft nicht leisten. Sie bekommen das notwendige Eigenkapital nicht zusammen. Für eine Immobilie, die 300 000 Euro kostet, wären 90 000 Euro Eigenkapital aufzubringen, rechnete Steffan vor und warb für die Leistungen seines Unternehmens: „Bausparen ist aktueller denn je, denn es dient dem gezielten Eigenkapitalaufbau.“

Vor dem Vortrag hatte Walter Specht, der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, die Gäste begrüßt. Neben Kommunalpolitikern waren Vertreter der Firmen, Vereine, Verbände, Organisationen, Kirchen und Organisationen zum Empfang gekommen. Für die musikalische Begleitung sorgte die Jazz-Combo der Musikschule Kornwestheim, die für ihre Beiträge mit viel Applaus belohnt wurde. Auch die Sternsinger statteten einen Besuch ab.

 
 

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