Kornwestheim Familie schlägt gemeinsam auf Nachbarn ein

Von
Ein Vater und seine drei Kinder saßen auf der Anklagebank Foto: dpa

Kornwestheim - Ein gewalttätiger Parkplatzstreit mit einem Nachbarn brachte nun eine Kornwestheimer Familie vor das Ludwigsburger Strafgericht. Der Vater und seine drei Kinder saßen auf der Anklagebank, die Mutter in den Zuhörerreihen. Die Nachbarschaft war im Zeugenstand vertreten und derjenige, den Vater und Sohn im Team nach einem Streit um einen abgestellten Transporter verprügelt haben, trat als Nebenkläger auf. 1000 Euro Schmerzensgeld sind ihm sicher. Der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung waren angeklagt: der 50-jährige Vater, sein 15-jähriger Sohn sowie seine 24-jährige und seine 22-jährige Tochter. Obgleich in der Straße, wo die Angeklagten wohnen, jeder sein Fahrzeug parken darf, wo er will, hatte diese Familie vor ihrem Haus ein Schild mit der Aufschrift „Privatparkplatz“ angebracht. Bis zur Gerichtsverhandlung hatte sie das Schild indes wieder entfernt.

Der 31-jährige Nachbar war im Recht, als er an jenem Abend, als der Vater der angeklagten Familie quasi auf den Koffern saß, um zu verreisen, seinen Transporter vor deren Haus abstellte. Von ihrer Mutter dazu angewiesen, klingelte die 22-Jährige in der Nachbarschaft Sturm, um herauszufinden, wer dort geparkt hatte, wo sie ihr eigenes Auto abstellen wollte. Sie beschloss, den Nachbarn zuzuparken und alarmierte ihre Schwester, die sie an die Mauer heran winken sollte. Den polizeilichen Ermittlungen nach dotzte sie dabei an den Transporter des Nachbarn und Nebenklägers an. Als der Nachbar den Unfall per Handy fotografieren wollte, schlug ihm die Schwester, wie sie vor Gericht selbst zugab, mit den Fäusten auf die Arme.

Zeugen aus der Nachbarschaft gaben an, alle vier Angeklagten seien auf den Nachbarn losgegangen. Der Vater habe diesem mit dem beschuhten Fuß in den Nacken getreten, der Sohn einen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Mit einer Schädelprellung, einer Platzwunde über dem Auge und einer Thoraxprellung rannte der Nachbar auf die Straße und schrie um Hilfe, er bekomme keine Luft mehr. Ein Ehepaar rannte auf die Straße hinunter und rief die Polizei. „Die waren zu viert und er alleine“, schilderte der 24-Jährige als Zeuge. Seine 23-jährige Ehefrau erzählte, die Mutter der Familie habe ihr versichert, es sei alles in Ordnung. „Nichts ist in Ordnung“, habe sie geantwortet und sei wieder in ihre Wohnung gegangen. Eine 38-Jährige, die den Vorfall aus ihrem Dachfenster beobachtete, schickte ihren Mann auf die Straße, damit er dem blutenden Opfer zu Hilfe eilt, das versuchte, ein Auto anzuhalten. „Es war wie im Film“, sagte sie.

Richterin Dr. Franziska Scheffel und Staatsanwältin Tina Lüke mussten bei der Verhandlung darauf hinweisen, dass Kaugummi nichts im Munde von Angeklagten zu suchen hat, dass sie nicht wüssten, was es zu Lachen gebe und dass die Mutter im Zuhörerraum zu schweigen habe. Die Töchter ließ das Gericht mit Einstellungen ihrer Strafverfahren laufen, aber auch sie bekamen noch einiges zu hören, als ihr Vater zu acht Monaten Haft auf Bewährung sowie 1000 Euro Schmerzensgeld an den verletzten Nachbarn verurteilt und ihr Bruder in einen sozialen Trainingskurs geschickt wurden.

Den 15-jährigen Bruder als „Beschützer“ auf den Plan gerufen zu haben, wurde den Schwestern in der Urteilsbegründung eher als peinlich und unverantwortlich angekreidet. Kultureller Hintergrund – der Vater stammt aus der Türkei – hin oder her. Die Jugendgerichtshilfe und auch die Staatsanwältin gaben dem Jugendlichen den Rat, sich in solchen Dingen von seinen Familienangehörigen abzugrenzen und entsprechende Erwartungen nicht mehr zu erfüllen. Im Gegensatz zum Vater war der Sohn wenigstens geständig. Der Vater behauptete, er sei während des Vorfalls im Haus geblieben.

Artikel bewerten
6
loading
 
 

Sonderthemen