Kornwestheim Fasnet startet unter 3G-Regeln

Von Peter Meuer
Die Narren-Chefetage mit Martina Koch-Haßdenteufel (in schwarz-pink). Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Der wohl schönste Moment der Kornwestheimer Fasnet-Eröffnung ereignete sich, als sie eigentlich schon fast vorbei war. Martina Koch-Haßdenteufel atmete durch und ließ los. Wie schade es sei, dass der geplante kleine Sektempfang nun auch noch ausfallen müsse, sagte die Kornwestheimer Bürgermeisterin, und dass es ihr dennoch Spaß gemacht habe, an diesem Donnerstagmorgen erstmalig persönlich die Narren zu empfangen. Eine große Expertin sei sie ja nicht, aber im Rathaus hätten ihr viele Mitarbeiter, die der Fasnet verbunden sind, bei ihrer Rede geholfen. „Ich hoffe, dass nächstes Jahr alles wieder klappt und geht wie es sollte“, schloss sie. Es folgte nachgerade kathartischer Szenenapplaus von den anwesenden Narren im Rathaus-Foyer.

Einiges anders, einiges weniger

Rund 25 Besucher waren, unter strenger Beachtung der 3-G-Regeln, zum traditionellen Empfang zwecks Beginn der fünften Jahreszeit am Donnerstag ins Rathaus gekommen. Der 11.11. um 11.11 Uhr war der gewählte Termin, natürlich, das muss so. Ansonsten war aber einiges anders, oder besser gesagt: weniger. Nicht nur fiel der Sekt-Ständerling aus, zudem gab es keinerlei Tänze oder Aufführungen, generell war das Rathaus merklich leerer als sonst. Was blieb, das waren die kurze Ansprache von Klaus Magerl, dem Präsidenten des Ausschusses Kornwestheimer Fasnet und das in Reimform vorgetragene Büttenreden-Duell zwischen dem Kornwestheimer Fasnet-Urgestein Peter Kienzle und der Verwaltungsspitze, in diesem Jahr eben vertreten durch Finanzbürgermeisterin Koch-Haßdenteufel.

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Immerhin: Auch scharfe und pointierte Worte übertragen kein Corona, das zumindest ließ sich nutzen. Kienzle nahm, wie er es gerne tut, die Kornwestheimer Kommunalpolitik punktgenau auf’s Korn. Martina Koch-Haßdenteufel bekam ordentlich Feuer. Zum Haushalt konstatierte Kienzle nüchtern: „Da das Sparbuch nicht ausreicht, um sich alle Wünsche zu erfüllen; willst du hohe Kredite aufnehmen – um Gottes Willen.“ Um dann – #metoo-Korrektheit ist Fasnet-Fans eher nur so semiwichtig – festzuhalten: „Es mag nun klischeehaft sein, meine Betrachtungsweise – Ihr wisst es genau; Geldausgeben, das ist wohl typisch Frau.“

Ein öffentliches Klo auf dem Rathausturm?

In der Folge arbeitete er sich unter anderem an der Handelspolitik der Stadt („Keine lange Einkaufsnacht – nicht mitgedacht!“) ab, an der Idee zum neuen Stadtfest, dem Food-Market, an Zeitgeist-Denglisch („The Länd“ – „Korn-Home“), an den vielen Baustellen im Städtchen und der wilden Uriniererei im öffentlichen Raum. „Ich verspreche, wir hätten garantiert tolle Schlagzeilen; in Kornwestheim kannst du beim . . .  mit Aussicht verweilen.“ Die Idee des Narren umschrieb den Wunsch nach einem öffentlichen Klosett droben auf dem Rathausturm.

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Nach mehrfachem „Narri“ und „Narro“ und „Kornwestheim Helau“ übergaben die Fasnet-Freunde der Bürgermeisterin sodann einen Besen als Geschenk, damit sie „Geld zusammenkehren“ und auch „Ärger und Sorgen“ wegfegen könne. Natürlich ist die Nähe zur Hexenästhetik bewusst gewählt, immerhin gibt es mit den Rombala und den Krähenhexen ja zwei entsprechende Maskengruppen in Korn-Home.

Auch Koch-Haßdenteufel reimt

Koch-Haßdenteufel selbst wehrte sich sodann in einer eigenen Ansprache gegen die närrische Breitseite und gab auch Schwächen zu. „So stehe ich vor Euch allein, und mache mir jetzt meinen Reim; Ich bin ’ne echte Powerfrau, trotzdem ist mir heut’ ganz mau“, räumte sie ein. Sodann lobpries sie Maßnahmen der Stadt, darunter digitale Errungenschaften und das Lastenrad, gab aber auch an, dass sich „die Akten auf meinem Schreibtisch stapeln“. Höhepunkt von Koch-Haßdenteufels Rede war indes die Neuinterpretation der 3-G-Regeln: Für die Fasnet müsse man „geschminkt und gepudert sein“ und „gute Laune mitbringen“.

Witzig war das, allerdings leider auf schwermütige Weise. Die Kornwestheimer Narren richten sich darauf ein, dass diese Saison wieder ganz im Zeichen von Corona stehen wird. Sie wünschen sich, dass sie noch viele Veranstaltungen möglichst offen durchziehen können. Dass die Hoffnung darauf mit weiter steigenden Inzidenzen schwindet, wussten aber dann auch am Donnerstagmorgen alle Anwesenden.

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