Kornwestheim Fast wie Batman

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Auch Batman schützt seine Stadt – so wie der Kommunalpolitiker Thomas Ulmer aus Kornwestheim. Hier zu sehen: Das Batman-Symbol wird auf ein Gebäude projiziert bei einer Feier zum 80. Geburtstag von Batman. Foto: Archiv/dpa

Kornwestheim - Gute Kommunalpolitiker übernehmen ganzheitlich Verantwortung für ihre Stadt. Am Tag treffen sie die großen Entscheidungen, lassen Schulen sanieren und weisen Baugebiete aus. Bei Nacht patrouillieren sie auf den Straßen, die ihnen die Bürger anvertraut haben, und machen sie sicherer.

Gut. Vom Kornwestheimer Stadtrat (am Tag) zu Batman (bei Nacht) ist es noch ein weiter Weg, nicht zuletzt deswegen, weil Gotham City sehr viel nebliger ist und die dort lebenden Schurken eine Spur gefährlicher sind. Dennoch geht das, was der Vorsitzende der Fraktion Grüne/Linke, Thomas Ulmer, dieser Tage vollbracht hat, durchaus in die richtige Richtung. Ulmer eilte nach der Fraktionssitzung am vergangenen Montag die Stuttgarter Straße entlang nach Hause, als er gegen 21.15 Uhr nahe der Aral-Tankstelle einige düstere Gestalten bemerkte, die eine Treppe hinunterschlichen, um mutmaßlich düstere Dinge zu tun.

Da der Stadtrat im selben Komplex wohnt und daher das Gebäude gut kennt, um das sich die Herrschaften herumtrieben, wusste er: Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen. Die Treppe führt nämlich in eine Sackgasse. Die Tür, vor der sich die drei jungen Menschen nach Benutzung jener Treppe versammelten, funktioniert nur als Ausgang aus einer Tiefgarage – und nicht als Eingang. „Ich habe also nachgeschaut, was die vorhaben, ich dachte gleich, das könnten Einbrecher oder so sein“, berichtet Thomas Ulmer von dem Erlebnis.

„Oder so“ war in diesem Fall richtig – es handelte sich um einen mutmaßlichen Haschisch-Dealer, der ein ruhiges Plätzchen für eine Übergabe gesucht hatte, plus einen Kunden und eine Bekannte der Herrschaften. Und was tat Thomas Ulmer? Nein, er sprang nicht batmanhaft über das Geländer, um sich krachend in der Tiefe zwischen die vermuteten Ganoven fallen zu lassen. Er tat das zweitcoolste in dieser Situation: Er sprach die Herrschaften an und gab sich als Polizist zu erkennen, denn im Hauptberuf arbeitet der Grüne in Stuttgart als Kriminalbeamter.

„Sie waren schockiert, dass ich sie erwischt habe“, sagt Thomas Ulmer, „darüber, dass quasi aus dem Nichts heraus die Staatsgewalt auf sie geschaut hat.“ Er gab dem Trio zu verstehen: Ihr kommt jetzt mit. Und sie kamen mit, ohne zu murren und ohne Fluchtversuch. Thomas Ulmer lieferte den mutmaßlichen Dealer und seine Kundschaft kurz darauf beim Kornwestheimer Polizeirevier ab. Auch dort staunten die Kollegen nicht schlecht.

An der Stelle muss man die charmante Anekdotenhaftigkeit dieses Ereignisses einmal kurz außen vor lassen. Natürlich ist Thomas Ulmer als ausgebildeter Polizist in der Lage, eine solche Situation richtig einzuschätzen, auch hier verschaffte er sich zunächst ein kurzes Lagebild. Der normale Bürger sollte im Zweifel eher die Polizei rufen, wenn er ein Verbrechen bemerkt, bevor er sich noch am Ende selbst in Gefahr bringt.

Dass Sicherheit vorgeht, bestätigt auch Peter Widenhorn, Sprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Die beiden jungen Männer, die Ulmer festsetzte, seien 19 und 20 Jahre alt und bereits wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und „Eigentumsdelikten“ in Erscheinung getreten. Man habe Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen des Vorfalls erstattet, ergänzt Widenhorn. Dass die jungen Erwachsenen ohne Gegenwehr mit Thomas Ulmer mitkamen, wundert Widenhorn übrigens nicht besonders. „Er ist ja auch eine beeindruckende Erscheinung“, so der Polizeisprecher nüchtern.

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