Kornwestheim Feier marsch: Jubiläum im Martinisaal

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Das Improminenz-Theater sorgte für viele Lacher im Saal. Foto: Peter Mann

Kornwestheim – „Ihr seid Bombenkerle. Macht einfach weiter so, prima.“ Dieser hemdsärmelig-prägnante Ausspruch von Helmut Wibel hat das Zeug, als Quintessenz der Betrachtungen zu stehen, die am Samstagabend zur Freiwilligen Feuerwehr Kornwestheim angestellt wurden. Der Rems­ecker Kommandant und Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes brachte in einer launigen Rede auf den Punkt, was die Kornwestheimer Wehr in der Außen- und auch in der Eigenwahrnehmung ausmacht.

Zusammenhalt, hohe Einsatzbereitschaft, Herzblut, Uneigen­nützigkeit und Effizienz im Dienste der Allgemeinheit: Diese Schlagworte fielen im Laufe des Abends immer wieder. Galt es doch, auf das 150-jährige Bestehen zu blicken, aber auch auf die Gegenwart und in die Zukunft zu schauen.

Den Rahmen dafür bot eine feierliche Zusammenkunft, die mit einem gut besuchten, bis zu den Fürbitten auf die Feuerwehr zugeschnittenen ökumenischen Gottesdienst ihren Anfang nahm. Pfarrer Franz Nagler und sein evangelischer Kollege Ulrich Theophil zelebrierten ihn gemeinsam in St. Martinus. Danach gesellten sich die Wehrangehörigen mit Partnern, manche auch mit Kindern, sowie mit Gästen aus Nachbarwehren, Rettungsdiensten, Partnerstädten, Verwaltung und Stadtrat in den festlich eingedeckten und geschmückten Martinisaal – musikalisch geleitet von Joachim Keck am Bariton- und Matthias Ergenzinger am Altsaxofon. Two in Sax – so nennen sich der Lehrer an der Musikschule und sein begabter Schüler im Duo – sorgten dafür, dass die Zuhörer mit der Feuerwehr einen Abend lang ungleich mehr und stimmungsvollere Tonfolgen in Verbindung brachten als die unvermeidliche, wenn auch lebenswichtige Martinshorn-Quarte.

Passend dazu hatte Erster Bürgermeister Dietmar Allgaier den Feiernden einen „alarmfreien Abend“ gewünscht – ein Wunsch, der in Erfüllung ging. Er hatte für die Wehr aber auch sonst Wohltönendes im Gepäck, etwa die Zusage, dass der ersehnte Einsatzleitwagen, der das schon arg in die Jahre gekommene Gegenwartsfahrzeug ersetzen soll, nun bestellt wird. Auch ohne Fördergelder. Die wurden der Stadt mittlerweile zum zweiten Mal versagt, und da laut Allgaier auch perspektivisch für Einsatzleitwagen keine Zuschüsse fließen, soll das 160 000 Euro teure Fahrzeug nun ohne die 21 000-Euro-Finanzspritze gekauft werden. „Ich sehe, dass unter den Gemeinderäten schon die Diskussionen losgehen“, meinte er mit Blick ins Publikum. „Aber, liebe Gemeinderäte, wir haben so viele gute Argumente, da können Sie gar nicht anders.“ Außerdem gebe es im Haushalt bereits eine Verpflichtungsermächtigung für die Investition.

In einer Zeit, in der statt „Einer für alle, alle für einen“ immer öfter „Jeder für sich“ gelte, sei eine freiwillige Feuerwehr wie die in Kornwestheim mit ihrem Ethos und ihrer Kameradschaft wichtiger denn je, sagte Kommandant Oliver Dauner in seiner Rede. „Ich kann mit Fug und Recht sagen: Ich bin stolz auf unsere Feuerwehr.“ Hätten vor einigen Jahrzehnten noch Themen wie Frauen- oder Jugendfeuerwehr für Aufregung gesorgt, „die heute Gott sei Dank Normalität sind“, bestimmten mittlerweile Schlagworte wie Tagesverfügbarkeit, Work-Life-Balance oder 65 plus die Agenda. Mitunter kämen die Feuerwehrangehörigen an ihre Grenzen, mahnte Dauner. „Wir können kein Allzweckdienstleister für alle Probleme und Problemchen sein“, betonte er, „das kann man weder von unseren Familien noch von unseren Arbeitgebern erwarten.“

Nach weiteren Grußworten – von Michael Claus von der Feuerwehr Weißenfels, der den Wunsch nach intensiverem Austausch angesichts vieler gemeinsamer Themen anklingen ließ, von Yanneck Kaag von der befreundeten Wehr in Villeneuve St. Georges sowie Kreisbrandmeister Andy Dorroch, der unter dem Motto „Erfahrung ist nicht das Album der Vergangenheit, sondern die Landkarte der Zukunft“ humorig über die Perspektiven der Kornwestheimer Feuerwehr sinnierte – schlug die Stunde des Improminenz-Theaters.

Die vier Akteure ersannen auf Zuruf Theaterszenen, die teils so bizarr-komisch waren, dass die Zuschauer lauthals auflachten. Vor allem, wenn das Quartett aus der Feuerwehr-Festschrift herausgeschriebene Zitate verwendete und in unpassendsten Augenblicken Textfetzen wie „Einige Hausbewohner sind bei Bekannten untergekommen“ oder „Entsetzen bei den Kornwestheimer Vogelfreunden“ ins Spiel einbaute. Auch das Haasenhäusle, die hiesige Bürgerinfo und das Standesamt erfuhren dabei gänzlich neue Bedeutungen.

Gegen Mitternacht kam DJ Micha ins Spiel: Mit seinem Musikmix klang der Abend nicht mehr ganz so offiziell aus.

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