Kornwestheim „Für wie dumm halten Sie uns eigentlich?“

Von
Gerichtsprozess Foto: dpa

Kornwestheim - Den Kauf einer kleinen Menge Marihuanas zu leugnen, kam im Falle eines 26-Jährigen aus Kornwestheim vor der Strafabteilung des Ludwigsburger Amtsgerichts nicht gut an. Die Abteilung stellte das Verfahren zwar am Ende ohne Auflagen ein, hielt es jedoch durchaus für bedenklich, was der junge Apotheker da für eine „Geschichte vom Pferd“ erzählte.

Der deutsche Angeklagte hatte gerade sein Studium abgeschlossen, als er in Ludwigsburg auf dem Anklagestuhl Platz nahm. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft legte ihm zur Last, am 22. April diesen Jahres mindestens vier Gramm Marihuana und drei Tage später noch einmal zwei Gramm gekauft zu haben. Die Übergabe, sagte der Ankläger, habe in der Ludwigsburger Solitudestraße stattgefunden und er wisse auch mit wem.

Mit dem vermeintlichen Lieferanten, so sagte der Kornwestheimer, sei er schon sehr lange befreundet und einer lege dem anderen Geld aus, wie das unter guten Freunden eben so üblich sei. Er gehe sehr oft Essen mit dem Freund und habe ihm zur Tatzeit lediglich das Geld zurückgegeben. Ein Polizeibeamter allerdings wusste im Zeugenstand etwas ganz anderes, nachdem er sich die Chatverläufe des Angeklagten und des Freundes zu Gemüte geführt hatte.

Der Kornwestheimer hatte dem Freund geschrieben, er werde vorbeikommen und sein Material holen. Er sei auch schon beim Hintermann gewesen. Und der Polizist hegte keinerlei Zweifel daran, dass mit „Material“ Marihuana gemeint war, wenngleich sich der Verteidiger auch dagegen stemmte: „Das Zeug“ und „die Sachen“, meinte der Anwalt, sei keinesfalls gleichbedeutend mit Marihuana.

„Der Polizeibeamte ist Rauschgiftsachbearbeiter und wenn man die anderen Abnehmer des Freundes hat, liegt das nicht fern“, pflichtete Richterin Dr. Franziska Scheffel eher dem Polizeibeamten bei.

„Ich würde sofort einer Einstellung zustimmen, habe aber keine Lust, mich hier anlügen zu lassen“, kommentierte die Staatsanwältin die Story mit dem Geld für Restaurantbesuche des Angeklagten.

„Ein Apotheker erzählt uns hier so eine Geschichte vom Pferd“, sagte auch die Richterin. „Für wie dumm halten Sie uns eigentlich?“ In der Anklage, das musste sich der bislang unbescholtene Kornwestheimer schon aufs Brot schmieren lassen, sei nur von einem kleinen Ausschnitt aus seinem Leben die Rede. Am Ende war es ihm fast ein bisschen peinlich, dem Gericht so eine Story aufgetischt zu haben, nur weil er mit Betäubungsmitteln in Berührung gekommen war.

Wörtlich zeigte der frisch gebackene Apotheker seine Einsicht in das Unrecht so: „Dafür war das Studium zu lang und zu anstrengend.“

Artikel bewerten
4
loading
 
 

Sonderthemen