Kornwestheim Gemeinsam backen für die neue Moschee

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Zu essen gab’s reichhaltig beim Frühlingsfest des Türkisch-Islamischen Kulturvereins. Foto: Christine Biesinger

Kornwestheim - Auf dem Tisch in der Küche stapeln sich die Mehlpackungen, darunter liegen Säcke voll mit Zwiebeln, und die kleine Vorratskammer ist bis oben hin voll mit weiteren Zutaten. „Bis zum Ende des Festes wird davon nichts mehr übrig sein“, erklärt Sabire Özcan, derweil Fatma Korkmaz mehrere Backbleche mit Baklava, ein Blätterteiggebäck, gefüllt mit gemahlenen Nüssen und getränkt mit Zuckerwasser, vorübergehend auf dem Kühlschrank abstellt. Gemeinsam mit Emine Vural gehört Sabire Özcan dem Vorstand der Ayasofya-Moschee in der Sigelstraße an, ist eine der treibenden Kräfte des Frühlingsfestes, behält alles im Blick und findet praktisch für jedes Problem, das im Laufe der drei Tage aufploppt, eine Lösung – so auch, als die Teigmaschine vorübergehend ihren Dienst versagt. Kurzerhand ruft Sabire Özcan zwei Dönerbäcker aus Ludwigsburg herbei, die beim Kneten und Formen der Teigmassen helfen. Das sind aber auch die einzigen Männer in der Küche. Den Rest der Teig-Arbeit erledigen die Frauen, oder besser gesagt die Powerfrauen, denn was die Damen an den drei Festtagen von morgens bis abends leisten, das ist enorm. Unermüdlich helfen die an ihren blauen Schürzen erkennbaren Hobby-Bäckerinnen an allen Ständen aus, rollen pro Stand bis zu 100 Kilogramm Teig am Tag hauchfein aus, füllen sie mit Schafskäse oder Spinat, backen sie auf dem Sac, einem großen, leicht gewölbten Heizblech, und sorgen dafür, dass jeder Besucher zügig etwas Leckeres und Heißes auf den Teller bekommt.

Drei Tage lang feiert der Türkisch-Islamische Kulturverein sein Frühlingsfest im Schatten der Ayasofya-Moschee. Eigentlich sollten es vier Tage werden, aber die Organisatoren hatten übersehen, dass an Karfreitag öffentliche Veranstaltungen verboten sind. Sie verkürzten das Fest schließlich auf drei Tage. Der Andrang an der Sigelstraße an der Stadtgrenze zu Stuttgart war enorm – sicherlich dem wunderschönen Wetter geschuldet, aber auch den Köstlichkeiten, die von den Frauen im Zelt produziert werden.

Fast alles stellen die Helferinnen frisch und vor den Augen der Besucher her. Einige wenige Speisen sind in der Produktion zu zeitaufwendig, sodass die Frauen sie mit einigen Wochen Vorlauf zubereitet und bis zum Beginn des Festes in den Tiefkühltruhen der Moschee deponiert haben. Dazu gehören zum Beispiel Manti, kleine, mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen, die später mit einer Joghurt-Knoblauch-Sauce serviert werden. Auch das Icli-Köfte, gebratenes Hackfleisch in einem Weizengrütze-Mantel, und Sarma, mit Reis gefüllte Weinblätter, haben die Wartezeit bis zum Frühlingsfest in der Tiefkühltruhe verbracht.

Für jede der Speisen gibt es ein eigenes Team. Sobald die Vorstandsmitglieder den Termin für das Frühlingsfest bestimmt haben, beginnen Sabire Özcan und Emine Vural mit den Vorbereitungen und werden dabei unter anderem von Aynur Babayigit, Naciye Aydin, Hatice Erkan und Songül Tun unterstützt. Bis zum Beginn des Festes treffen sie sich etwa vier- bis fünfmal in den Räumlichkeiten der Moschee, um die Vorkehrungen zu treffen. Alle weiteren Details werden aus zeitlichen Gründen über das Handy ausgetauscht, da fast alle Frauen berufstätig sind und zudem ihren eigenen Haushalt organisieren. Die einzelnen Teams arbeiten selbstständig und bereiten ihren Teil der Speisen an verschiedenen Wochentagen vor. Sabire Özcan ist in der Manti-Gruppe, die sich immer dienstags trifft.

Woher nehmen die Helferinnen die Kraft für den zusätzlichen Aufwand? Der Zusammenhalt in der Gemeinde ist groß, jede der Frauen sieht das Backen nicht als Arbeit, sondern als einen Beitrag für die Gemeinschaft. Zudem freuen sie sich auf die neue Moschee. Da ist der Anreiz noch größer, die Vereinskasse für den Baubeginn aufzufüllen.

Neben dem Kern-Team sind an den drei Festtagen jeweils 70 bis 80 weitere freiwillige Helferinnen im wahrsten Sinne des Wortes im Dauereinsatz, denn bis auf einige Pausen arbeiten sie durchgehend. Viele von ihnen kommen bereits um 7 Uhr morgens in die Moschee und bleiben bis abends. Döner und Fisch stehen ebenso auf der Speisekarte wie die besonders beliebten Adana Köfte (kräftig gewürzte und gegrillte Hackfleischfrikadellen), Gözleme (dünne, würzig gefüllte Fladenbrote aus Yufka-Teig), Kumpir (Ofenkartoffeln), Crêpes, Lahmacun (Fladenbrot bestrichen mit einer dünnen, würzigen Mischung aus Hackfleisch, Zwiebeln und Tomaten), verschiedene Salate sowie eine Vielzahl an Süßspeisen und Kuchen.

Während die kleinen Gäste sich auf der Hüpfburg austoben, sitzen die Erwachsenen bei angenehm sonnigen Temperaturen in den Pavillons, genießen ihren Tee und das Essen. Für viele ist das Fest eine gute Gelegenheit, Freunde und Bekannte zu treffen und zu plaudern.

Und derweil gehen langsam die Mehlpackungen zur Neige und die Vorratskammer leert sich. Sabire Özcan, Emine Vural und all die anderen Frauen atmen am Montagabend durch, als auch der letzte Teig verarbeitet ist.

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