Kornwestheim Gericht beteiligt sich nicht an Rosenkrieg

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Prozess am Amtsgericht Foto: picture alliance/dpa/Arne Dedert

Kornwestheim - In dem Fall geht es weit mehr als um die üble Nachrede, weshalb sich ein Mann aus Kornwestheim am Dienstag vor dem Amtsgericht Ludwigsburg verantworten musste. Das wurde sowohl der Richterin als auch der Staatsanwältin rasch klar, als der Angeklagte seine Sicht der Dinge zu schildern begann. Vielmehr war der Einspruch, den der Angeklagte gegen einen Strafbefehl eingelegt hatte, wohl Bestandteil eines Rosenkriegs.

Dem 55-Jährigen wurde vorgeworfen, vor zwei Jahren auf eine mutmaßliche Misshandlung seines Sohnes durch die Mutter in einer Plakataktion öffentlich hingewiesen zu haben. Er beschrieb darauf zum einen die Art der Gewalt, zum anderen bildete er auch seine beiden älteren Kinder darauf ab – nebst deren Aussagen im Sorgerechtsstreit vor dem Familiengericht. Drei Plakate waren bei einem Schulbushalt im Strohgäu befestigt. Der Angeklagte hatte dort seine E-Mail-Adresse angegeben, die einen Hinweis auf seinen Namen enthielt. Das reichte aus Sicht der Anklagebörde aus, um die Mutter „identifizierbar in einem großen Umkreis zu machen“ und sie in ihrem Ansehen herabzuwürdigen – nach dem Gesetz ist das strafbar als üble Nachrede.

Angeklagter: Vorwürfe sind vollkommen ungerechtfertigt

Dem widersprach der Angeklagte: „Die Vorwürfe sind durch die Bank weg ungerechtfertigt.“ Sie seien haltlos, weil er den Namen seiner Ex-Frau nicht erwähnt habe. Deshalb lasse er den Vorwurf der üblen Nachrede auch nicht gelten, sagte der Mann gleich zu Beginn der Verhandlung nach dem Verlesen der Anklageschrift.

Während die beiden älteren Kinder beim Vater leben, wohnt das jüngste, jener seiner Meinung nach misshandelte Sohn, bei seiner Mutter im Strohgäu. Die Kinder waren als Zeugen geladen. Sein Sohn leide sehr darunter, so der Angeklagte. Die Frage von Staatsanwältin und Richterin, warum er solche Aktionen dann nicht unterlasse, beantwortete so: „Es ist die einzige Möglichkeit, um auf den Fall aufmerksam zu machen.“ Darauf ließ sich das Strafgericht allerdings nicht ein. „Wir werden das familiengerichtliche Verfahren nicht neu aufrollen“, sagte die Richterin. Als der Angeklagte auf die Entscheidung des Familiengerichts zurückkam, stellte sie klar, dass es in der Verhandlung nicht um das Wohl des Kindes gehe, sondern darum, seine Ex-Frau herabgewürdigt zu haben. „Das wird Ihnen vorgeworfen.“

Der Sohn leidet am meisten unter der Trennung der Eltern

Bis ins Detail wurde der Anklagepunkt schließlich nicht diskutiert. Für die Richterin stand im Vordergrund, den Sohn nicht weiter zu behelligen, da er am meisten unter der Trennung seiner Eltern leide. „Für den Sohn ist die Zeugenaussage eine zusätzliche Belastung“, sagte die Richterin. Zudem hätte dem Jungen bei dieser Aussage wohl auch ein Ergänzungspfleger zur Seite gestellt werden müssen.

Weil das Geschehen zwei Jahre her ist, und der Angeklagte bisher nicht wieder vor Gericht stand, wurde das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt.

 
 

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