Kornwestheim Grundstück gesucht? Firmen werden sich gedulden müssen

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Westlich der Westrandstraße soll das Gewerbegebiet Südwest entstehen. Foto: Archiv/Werner Kuhnle

Kornwestheim - Thomas Kiwitt, Chefplaner des Verbandes Region Stuttgart, schwärmt in höchsten Tönen von den 15 Hektar, gelegen im Süden Kornwestheims zwischen Solitudeallee und Containerbahnhof. Ein Juwel, erinnern sich die Stadträte an seinen Auftritt bei der Klausurtagung des Gemeinderats, habe er das geplante Gewerbegebiet genannt, es sei eine der größten Freiflächen in der Region Stuttgart, die für die Ansiedlung von Unternehmen vorgehalten werde. In einer Pressekonferenz stellten die drei Bürgermeister und Vertreter der Fraktionen am Montagabend ihre Überlegungen zu dem Areal vor.

Gemach, gemach, lautet sinngemäß die Antwort aus dem Rathaus. Man wolle nichts übers Knie brechen und sich Zeit nehmen mit der Entwicklung der 15,3 Hektar – die einen mehr, die anderen weniger. „Das kann man sehr, sehr, sehr, sehr langsam angehen“, hat es Stadträtin Susann Boll-Simmler (Grüne) nicht eilig. Die Fläche sei viel zu wertvoll, als dass man sie jetzt Hals über Kopf auf den Markt bringe, sagen auch andere Stadträte. In Ruhe und mit Bedacht will die Kornwestheimer Kommunalpolitik schauen, wer sich für das Gewerbegebiet interessiert und was er der Stadt an Mehrwert bietet – an Arbeitsplätzen, an Gewerbesteuer, an Renommee. Man wolle gewappnet sein, wenn interessante Anfragen im Rathaus einträfen, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans Bartholomä. Oberbürgermeisterin Ursula Keck geht davon aus, dass frühestens in zehn Jahren die ersten Unternehmen mit dem Bau von Produktionsstätten und Büros beginnen.

Am besten nur solche Betriebe, die den benachbarten Containerbahnhof nutzen wollen, die ihre Produkte mit der Bahn transportieren. Darin sind sich die Kornwestheimer Kommunalpolitiker offensichtlich einig. Auch Thomas Kiwitt hat in seinem Referat die Nähe zum Güterbahnhof als großen Pluspunkt des geplanten Gewerbegebiets bezeichnet. Für die einen (Susann Boll-Simmler, Grüne) ist es „zwingend“, dass die Unternehmen mit der Bahn zusammenarbeiten, für andere eher wünschenswert. Bei der Auswahl der Interessenten werde man sicherlich einen Blick darauf werfen, in welcher Form die Bewerber mit der Bahn zusammenarbeiten wollen, sagt der Erste Bürgermeister Dietmar Allgaier. „Wir wollen den Prozess unterstützen, den Gütertransport von der Straße auf die Schiene zu verlagern.“ So sieht es auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Michael Gritz. Die Bevorzugung von bahnaffinen Unternehmen sei auch ein „politisches Votum“ für eine Neuregelung von Transportbeziehungen in Deutschland. Bürgermeister Dietmar Allgaier betont aber auch: Sollte sich später herausstellen, dass die Bahn für ein im Gewerbegebiet Südwest ansässiges Unternehmen nicht der richtige Partner ist, um Produkte zu transportieren, habe die Stadt keine Einflussmöglichkeiten mehr. Ob das neue Gewerbegebiet einen eigenen Gleisanschluss erhält oder die Waren über die Westrandstraße zum Containerbahnhof transportiert werden, das ist eine der vielen noch offenen Fragen. Vielleicht, sinniert Allgaier, bestehe ja sogar eine Möglichkeit, die Waren unter der Straße zur Bahn zu bringen. Stadtrat Markus Kämmle (Freie Wähler) will Grundstücke auch für Unternehmen aus Kornwestheim vorhalten, die sich erweitern wollen.

Auch wenn die Freude beim Verband Region Stuttgart über dieses geplante Gewerbegebiet groß ist, so liegt die Entscheidung darüber, wer den Zuschlag für ein Grundstück bekommt, allein beim Gemeinderat der Stadt Kornwestheim.

Das bietet sich an, sagt Oberbürgermeisterin Ursula Keck. Zwischen der südlichen Grenze des geplanten Gewerbegebiets und der Bundesstraße 27 a liegt auf Stuttgarter Gemarkung noch eine Fläche, mit der das Areal vergrößert werden könnte. Man werde auf jeden Fall das Gespräch mit der Stadt Stuttgart suchen, sagt die Oberbürgermeisterin. Für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Hans Bartholomä ist es unabdingbar, dass auch die Bürgerinnen und Bürger aus Stammheim mit in die Planungen eingebunden werden. „Das wird eine Mammutaufgabe“, weiß er. Im Stuttgarter Stadtteil wird stets skeptisch beäugt, was die Kornwestheimer an der Stadtgrenze treiben. Oberbürgermeisterin Ursula Keck betont aber, dass die Stadt Stuttgart ein Wohngebiet am Stadtrand zu Kornwestheim mit dem Wissen ausgewiesen und errichtet habe, dass das Gewerbegebiet Südwest kommen werde. Ansprechpartner für die Stammheimer sei deshalb auch ihre eigene Kommune.

Nein, daran denkt in der Kornwestheimer Kommunalpolitik niemand. Schon seit Jahren sind die Äcker westlich der Westrandstraße als große Gewerbefläche ausgewiesen. Und das ist auch so in den in diesem Jahr verabschiedeten Flächennutzungsplan übernommen worden. Für Oberbürgermeisterin Ursula Keck ist das Gewerbegebiet eine logische Konsequenz aus der Entwicklung, dass es die Menschen in den städtischen Bereich zieht und sie die Nähe zwischen Wohnort und Arbeitsstelle suchen. „Wir wollen uns an den Bedürfnissen der Menschen orientieren.“

Wie wäre es mit einer Fachhochschule? Aus der SPD-Fraktion kam diese Idee. „Man muss auch mal querdenken“, sagt der Fraktionsvorsitzende Hans-Michael Gritz. Es müsse sich dann aber um eine Bildungseinrichtung handeln, die Bezug zum Thema Logistik und Verkehr habe.

40 Prozent der Fläche hat die Stadt Kornwestheim bereits erwerben können, 60 Prozent sind noch in den Händen von Privateigentümern. Unklar ist es, welche Flächen nicht überbaut werden dürfen. Übers Areal verläuft eine Stromtrasse, unterirdisch die Schnellbahnstrecke Stuttgart – Mannheim.

Viele Fragen sind noch zu klären. Das Abwasser aus dem Gewerbegebiet muss Richtung Stuttgart abgeführt werden. Es bedarf also einer Einleitungsvereinbarung mit der Landeshauptstadt. Für die dort lebenden Offenlandbrüter müssen Ersatzhabitate gefunden werden. Wo werden Ausgleichsflächen geschaffen, weil viel Boden versiegelt wird? Die Planungsprozesse, sagt Baubürgermeister Daniel Güthler, werden viel Zeit in Anspruch nehmen.

 
 

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