Kornwestheim Hammerschmiede: Erneuter Einbruch

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Die alte Hammerschmiede an der Aldinger Straße wurde immer wieder Ziel von jungen Vandalen. Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - In die alte Hammerschmiede kehrt einfach keine Ruhe ein. Schon wieder haben – mutmaßlich minderjährige – Vandalen das denkmalgeschützte Gebäude beschädigt. Am Mittwoch vor gut zwei Wochen zerschlugen sie Fensterscheiben auf der Rückseite, drangen in die Räume ein, sprühten Farbe herum. Wie die Polizei bestätigt, versuchten sie außerdem, mit einem Spitzmeißel ein Nebengebäude zu öffnen und hinterließen dabei zahlreiche große Kratzer in den Holzwänden.

Am Ende kamen die Randalierer nicht in den Holzschuppen. Dennoch sind die Ehrenamtlichen gerade wegen dieser Attacke in Sorge: Dort sind die quasi unersetzlichen Modelle von Kornwestheimer Gebäuden verwahrt, die der vor einiger Zeit verstorbene Karl Bührer in mühsamer Kleinarbeit gebaut hatte. „Wir sind froh, dass sie nicht in den Schuppen kamen und dort am Ende noch diese wertvollen Stücke zerstört haben“, sagt Walter Layher. Gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen betreut er die alte Hammerschmiede, füllt sie mit Leben.

Es ist bei Weitem nicht die erste Sachbeschädigung an dem Gebäude. Bereits im Sommer gab es immer wieder Ärger: Kinder und Jugendliche verschafften sich wiederholt Einlass, randalierten herum, zahlreiche Scheiben gingen zu Bruch. Die Polizei und der Vollzugsdienst reagierten, fuhren oft Patrouille. Am Ende wurden vor allem zwei Gruppen Minderjähriger ausgemacht und aufgespürt, die immer wieder in der Hammerschmiede Schaden anrichteten.

Seitdem war eigentlich Ruhe: Bis eben zu jenem Vorfall im Oktober. Bei der Polizei hält man sich zurück mit Aussagen zu den mutmaßlichen Tätern – „die Kollegen verfolgen zur Zeit recht vielversprechende Ermittlungsansätze“, sagt Sprecher Peter Widenhorn auf Nachfrage unserer Zeitung. Walter Layher vermutet, dass wieder Kinder aus den Kreisen, die bereits im Sommer Ärger machten, an dem Vorfall beteiligt waren – die Stadt hatte zwischenzeitlich ebenfalls reagiert und Kameras aufgehängt, die das Gelände überwachen; die entsprechenden Videoaufzeichnungen helfen bei der Klärung. Was die Ehrenamtlichen umtreibt: Wenn wirklich noch immer Minderjährige – unter 14 Jahren – für den Vandalismus verantwortlich sind, wie kann man ihnen dann beikommen, da sie doch noch strafunmündig sind?

Ohne konkret zu bestätigen, dass das hier der Fall ist, sagt Widenhorn, was die Polizei tun kann: Man spricht mit den Beteiligten, mit den Eltern, gibt aber am Ende vor allem eine Strafanzeige an die Staatsanwaltschaft weiter.

Die Staatsanwälte in Stuttgart können allerdings in der Tat auch nicht allzu viel ausrichten. „Ohne den Fall zu kennen: Niemand, der strafunmündig ist, kann bestraft werden“, erläutert die Staatsanwältin Claudia Krauth, die für die Pressearbeit verantwortlich zeichnet.

Und die Eltern belangen? Da das Verletzen der Aufsichtspflicht keine Straftat ist, ist auch hier die Staatsanwaltschaft nicht zuständig.

Was bleibt, wäre der Weg der Zivilklage, um die Eltern für die verursachten Schäden haftbar zu machen. Dazu muss man wissen: Zwar betreuen Layer und seine Mitstreiter die denkmalgeschützte Hammerschmiede seit 2010 – doch das Gebäude gehört der Stadt.

Die Kornwestheimer Oberbürgermeisterin Ursula Keck hat sich mittlerweile ebenfalls in die Angelegenheit eingeschaltet. Nachdem die Stadt bereits etliche kaputte Fenster reparieren ließ, reicht es wohl spätestens jetzt. „Wir haben ja bereits mehrere Sicherheitsmaßnahmen, beispielsweise die Kameras und eine bessere Beleuchtung, umgesetzt“, sagt sie. „Wir werden nun auch den privatrechtlichen Weg einschlagen, um die Eltern in die Haftung zu nehmen“, betont die Oberbürgermeisterin. Nicht nur müsse ja jemand für die Schäden aufkommen – „es geht uns natürlich vor allem darum, dass die Vorfälle aufhören“, sagt Keck. Die Oberbürgermeisterin ergänzt, die Modelle im Schuppen werde man dennoch nun erst einmal in städtische Obhut nehmen, um sie zu sichern.

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