Kornwestheim Heimatsuche endet in der Bachstraße

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Summ, summ, summ, Tausende von Bienchen summen herum Foto: Birgit Kiefer

Kornwestheim - Der Sommereinbruch am vergangenen Wochenende ließ die Kornwestheimer scharenweise auf die Grünflächen und in die Freibäder im Umland strömen. Eine Völkerwanderung der anderen Art sorgte unweit des alten Stadtgartens für Aufsehen. Ein Bienenschwarm um die Königin hatte sich im Laufe des Samstags in einer Baumkrone in der Bachstraße eingenistet – und fühlte sich bei den sommerlichen Temperaturen pudelwohl. „Wir haben den Schwarm am Samstag entdeckt und beobachtet“, sagt Imkerin Marianne Hald. „Als die Zahl der Bienen angestiegen ist, mussten wir schließlich reagieren.“ Denn am Sonntagmorgen schwirrten rund 15 000 Tiere in unmittelbarer Nähe der Wohnungsfenster der anliegenden Häuser. Da der Schwarm in der Kronenhöhe des Baums von den Imkern nicht zu erreichen war, rückte die Kornwestheimer Feuerwehr mit einem Einsatzfahrzeug samt Drehleiter an. „In der Regel müssen wir die Imker bei der Bergung der Schwärme nicht unterstützen“, sagt Matthias Häußler, Kommandant der Kornwestheimer Feuerwehr, „doch in diesem Fall war die Anzahl der Tiere im Wohngebiet so erheblich, dass wir helfen mussten.“ Wirklich eingreifen oder besser gesagt zugreifen mussten die Feuerwehrleute aber nicht. Das war die Aufgabe der Imker, die in Schutzkleidung und mit Bienenkasten in den Rettungskorb der Drehleiter stiegen.

„Der Schwarm ist nur seiner Königin nachgeflogen, die ein neues Zuhause für ihr Volk gesucht hat“, erklärt Bienenexpertin Marianne Hald. Daher musste auch nur die Anführerin der Schar ‚gerettet’ werden. Gesagt, getan. In der Baumkrone angekommen, schnappten sich die Imker die Königin und verfrachteten sie in die für das Volk zugängliche Bienenkiste. „Die Bienen folgen ihrer Königin, ohne dabei aggressiv zu werden“, erläutert Hald. Beim Herabsenken des Korbs flog das Gefolge ihrer Königin hinterher und vereinte sich bis zum Abend in der am Boden abgestellten und später abtransportierten Bienenbox.

„Das war schon ein interessantes Schauspiel für die Anwohner“, sagt Häußler zu der gelungenen Rettungsaktion und fügt hinzu: „Eine echte Gefahr für die Bürger bestand zu keinem Zeitpunkt.“ Dem pflichtet auch Marianne Hald bei. „Die Wanderungen der Bienenvölker sind zu dieser Jahreszeit ganz normal. Mit der Blütezeit der Pflanzen suchen sie sich einen passenden Lebensraum.“

Dass diese Suche ausgerechnet am Rande der Kornwestheimer Innenstadt geendet hat, war wohl nur dem Zufall geschuldet. Und mit einer baldigen Wiederholung sei auch nicht zu rechnen. Zwar finden die Wanderungen zu dieser Jahreszeit gehäuft statt, aber Marianne Hald kann die Anwohner der Bachstraße und auch die vielbeschäftigen Feuerwehrleute beruhigen. „So eine Bergung ist schon etwas ganz Besonderes, was ich in der Form auch noch nicht erlebt habe“, sagt die 75-Jährige, die sich schon 53 Jahre der Imkerei verschrieben hat, und empfiehlt beim Fund eines Bienennests den Kontakt mit einem Imker und nicht die sofortige Alarmierung der Feuerwehr, die nur in seltenen Notfällen wie in der Bachstraße hinzugezogen wird.

Darüber hinaus hat die Umsiedlung der Bienen, deren Existenz in den vergangenen Jahren in einigen Regionen sogar bedroht ist, eine positiven Effekt auf die regionale Zucht. „Wir werden das geborgene Bienenvolk in einem Bienenstock weiter aufziehen und damit in die Zucht hier vor Ort integrieren“, verrät Hald. Dadurch profitieren letztlich alle Protagonisten der Rettungsaktion: Die 15000 Bienen haben ein neues Zuhause gefunden, die regionalen Imker können einen neuen Stock bewirtschaften, die Feuerwehr weiß nun, wo die Bienen aufgehoben sind und die Bewohner der Bachstraße können schon bald Honig von ‚ihren’ Bienen auf dem Markt kaufen.

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