Kornwestheim „Ich laufe tatsächlich den ganzen Tag rum"

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Carsten Meyer-Grohbrügge bei der Arbeit. Fitness ist wichtig in seinem Job. Foto: z/Christoph Arnold

Kornwestheim - Zig Folgen „Sturm der Liebe“, dazu die „Rosenheim Cops“, „In aller Freundschaft“, „Marienhof“ und „Monaco 110“. Wer gerne Seifenopern oder das Vorabendprogramm der Öffentlich-Rechtlichen verfolgt, der hat garantiert auch schon etwas von Carsten Meyer-Grohbrügge (50) gesehen. Was nur wenige wissen: Der Regisseur ist des Öfteren in Kornwestheim zu Gast. Hier macht er an Stephan Müllers Gluckerkolleg Station, um sich weiterzubilden und Tipps in Sachen Fitness einzuholen.

Herr Meyer-Grohbrügge, man hat mir gesagt, Sie seien unter der Woche voll im Tunnel gewesen, quasi kaum ansprechbar oder zu erreichen. Was lag denn an?

Ich habe die Serie ‚Sturm der Liebe‘ gedreht. Und das war deshalb so anstrengend, weil wir nur im Studio gearbeitet haben, und da ist das Pensum wahnsinnig hoch. Die Denkleistung, die man dabei erbringen muss, ist sehr anspruchsvoll, sodass ich in eine Art Tunnel reinkommen muss, um mich ausschließlich darauf konzentrieren zu können.

Unterscheidet sich dieses Pensum im Vergleich zu Außendrehs?

Bei dieser Produktionsform ist das so, ja. Im Studio kommt die doppelte Anzahl von Sendeminuten heraus wie in gleicher Zeit im Freien. Unter der Woche haben wir zum Beispiel an einem Tag 37 Minuten gedreht. Im Außendreh schaffen wir bei dieser Serie vielleicht zehn bis fünfzehn. Kollegen, die zum Beispiel den Tatort drehen, drehen pro Tag vielleicht vier Minuten – statt 37.

Und nach Kornwestheim kommen Sie jetzt also, um sich zu erholen?

(lacht) Auch. Ich besuche zunächst meinen Freund Stephan Müller vom Gluckerkolleg und schaue mir die Kurse an, die es hier so gibt. Ich glaube, es ist jetzt der fünfte, den ich mache. Es soll mir für meine Gesundheit, aber auch für meine Arbeit etwas bringen. Gerade geht es um Psychologie, um Krankheiten, Depressionen. Was sind die Ursachen, und wie hängt das mit der Zusammensetzung des Gehirns zusammen.

Das führt uns direkt zu meiner nächsten Frage: Wie wichtig ist als Regisseur die körperliche Fitness? Man muss vor allem im Kopf auf der Höhe sein, oder?

Ich denke: Je fitter man ist, desto besser. Es ist ein Beruf, bei dem man den ganzen Tag Energie gibt. Man lehnt sich nicht zurück und wartet ab, was passiert. Man muss die anderen antreiben, etwas zu machen. Nicht befehlen, sonst entsteht nichts Kreatives. Man muss ihnen Lust machen, damit sie Spaß haben – egal ob Schauspieler oder Kameramann. Sie sollen auf ihre Kreativität noch etwas draufsetzen, auf das ich vielleicht gar nicht gekommen wäre.

Wie stellen Sie das an?

Ich muss sie antreiben, immer positiv bleiben. Und das ist auch das Anstrengende. Es kommt aber auch immer auf die Charaktere an, mit denen man es zu tun hat.

Sie rennen also nicht ständig organisierenderweise von A nach B?

Mein Job besteht daraus, Leute zu motivieren. Aber doch, ich laufe tatsächlich den ganzen Tag rum. Ein Set ist groß. Und wenn ich körperlich nicht fit wäre, könnte ich das nicht machen. Dann würde ich eben auf einem Stuhl rumsitzen. Das würde eine ganz andere Energie vermitteln.

Und was nehmen Sie dafür von hier mit?

Die Gehirn-Fitness. Und das habe ich tatsächlich hier gelernt.

Der Kontakt zu Stephan Müller, wie kam der zustande?

Im Urlaub (lacht). In einem Robinson-Club in der Türkei hat er Seminare gegeben. Irgendwie war mir langweilig, also habe ich mich mal in eines seiner Ernährungs-Seminare reingesetzt. Ich dachte zwar, ich weiß doch schon alles, habe aber viele, viele neue Dinge erfahren! Das ist inzwischen acht Jahre her. Und so haben wir uns auch angefreundet. Inzwischen habe ich hier schon zweimal den Glucker-Kongress mitgemacht, bei dem 30 bis 40 Referenten in die Gluckerschule eingeladen sind. Das ist toll. Außerdem ging es schon um Stoffwechsel, Bio-Kinematik. Zudem habe ich schon selbst über Motivation referiert.

Bekommen Sie Ihrerseits auch mal Besuch von Herrn Müller am Set?

Ja, er hat mich tatsächlich schon besucht. Das ist zwar schon etwas her, aber wir planen, dass er bald mal wieder vorbeischaut.

Ein Gastauftritt vor der Kamera ist aber noch nicht geplant?

(lacht) Er weiß noch nichts davon. Sonst kommt er vielleicht nicht.

Was steht denn als Nächstes an?

‚Sturm der Liebe‘ habe ich abgedreht, jetzt starte ich die Vorbereitungen zu einer anderen Serie für die ARD, ‚Familie Dr. Kleist‘. Die Folgen, die wir ab Mitte Januar drehen, laufen dienstags im Vorabendprogramm. Danach steht wieder ‚Sturm der Liebe‘ an, und danach geht s mit Episoden für ‚In aller Freundschaft‘ weiter, eine Arztserie.

 
 

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