Kornwestheim Initiative hofft auf kritische Stadträte

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Hier sollen neun Mehrfamilienhäuser entstehen. Hat das Auswirkungen auf das Klima in der Stadt? Foto: Archiv/Horst Dömötör

Kornwestheim - Der Tagesordnungspunkt klingt nach Routine und Behördendeutsch. Über einen Entwurfsbeschluss zum „Bebauungsplan mit örtlichen Bauvorschriften“ will der Ausschuss für Umwelt und Technik am heutigen Dienstag sprechen, und zwar „im Bereich südlich der Mühlhäuser Straße und nördlich im Wiesengrund“.

Wer die Verwaltungssprache einordnen kann und noch dazu die Themen kennt, die die Kornwestheimer umtreiben, der weiß: Es geht um nichts weniger als eine Richtungsentscheidung zu einem der größeren Streitthemen der vergangenen Monate. Die Stadträte im Ausschuss würden mit einem positiven Beschluss der weiteren Detailplanung für das Areal zwischen Wiesengrund und Mühlhäuser Straße den Weg ebnen. Wird dieser Prozess – dazu bedarf es weiterer Abstimmungen in städtischen Gremien – so zu Ende geführt, wie es die Stadtverwaltung vorsieht, dann darf in nicht allzuferner Zukunft die Firma Pflugfelder neun Mehrfamilienhäuser in dem Gebiet bauen. Genau dagegen machen aber Anwohner und die Bürgerinitiative Rothackerhof/Sprecherareal (Birsa) mobil. Sie befürchten, dass die Neubauten das Stadtklima negativ beeinflussen.

Wie sich die Fraktionen im Ausschuss positionieren positionieren werden, ist in Teilen noch unklar. Nachdem noch vor einem Jahr eine große Mehrheit für den Bebauungsplan und damit das Vorhaben sicher schien, ist die Gefechtslage mittlerweile unübersichtlich. Die Arbeit der Birsa hat Früchte getragen, mancher Kornwestheimer steht dem Projekt heute kritisch gegenüber, noch dazu waren bekanntermaßen im Mai Kommunalwahlen – und in den städtischen Gremien gibt es etliche neue Gesichter. Diskussionspunkt könnte etwa noch die Frage nach einer Frischluftschneise werden, die durch das Gebiet führt und die die Birsa als bedeutend ansieht. Dabei bezieht sie sich vor allem auf den Landschafts- und Umweltplan, der mit dem Flächennutzungsplan verabschiedet worden ist. Die Stadtverwaltung wiederum hat im November ein bereits bestehendes lokalklimatisches Gutachten überarbeiten und ergänzen lassen. Darin wird hervorgehoben, dass sich mehrere Maßnahmen positiv auf das Klima im Viertel auswirken werden, die auch im Bebauungsplanentwurf zu finden sind. Dazu gehört zum Beispiel der Plan, dass nur neun statt wie ursprünglich angedacht zehn Häuser gebaut werden sollen, außerdem auch die Verwendung heller Baustoffe, Dachbegrünungen sowie der Versuch, vollversiegelte Flächen zu vermeiden. Weiterhin finden sich im Gutachten die Sätze: „Für die Auswirkungen der Planung gilt, dass diese sich im Wesentlichen auf das Plangebiet selbst sowie marginal und unerheblich auf die unmittelbare Umgebung auswirken. Auswirkungen der Planung darüber hinaus – wie etwa auf die Gesamtstadt Kornwestheim – sind ausgeschlossen.“ Wie das Gutachten zu diesem Schluss kommt, fragt sich indes Gerhard Neuberger von der Birsa. „Es gibt keine Modellberechnung für das gesamte Stadtklima. Ich weiß nicht, wie das hergeleitet wird“. Er hofft nun darauf, dass zumindest dieses Thema im Ausschuss noch einmal angesprochen geklärt wird – damit überhaupt eine Entscheidungsgrundlage da sei für die „Abwägung der verschiedenen Güter“, sprich zwischen Wohnungsbau und einer klimafreundlichen Stadtgestaltung.

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