Kornwestheim Jugenddelegierte schließen ein Mitglied aus

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Die Judeko soll Ideen ans Rathaus liefern – und auch mal Kritik. Foto: Archiv/Anne Rheingans

Kornwestheim - Die Kornwestheimer Jugenddelegation Judeko hat sich bislang, so ist es oft zu hören, wacker geschlagen – und das, obwohl sie quasi direkt in die Pandemie hineingegründet wurde. Zu den aktuellen Projekten der Jugendvertreter gehören unter anderem eine Erneuerung des Skateparks an der Hannes-Reiber-Halle und, so schreiben es die Jugendlichen in einer Pressemitteilung, wollen den Freizeitpark für Jugendliche attraktiver machen. Auch Themen wie „Meckerboxen“ für Schulen hat man im Blick. Derzeit sucht die Delegation neue Mitglieder. Eigentlich sollten diese künftig gewählt werden, doch erst einmal wird – begründet auch mit Corona – auf Wahlen verzichtet. Wer mitarbeiten will, kann sich einfach melden (per Mail etwa unter Uschi_Saur@kornwestheim.de).

Indes hat es in den vergangenen Wochen hinter den Kulissen der Jugenddelegation zum ersten Mal ordentlich gerumst. Am Ende des Konfliktes stand der Ausschluss eines 18 Jahre alten Delegationsmitglieds. Der junge Mann war mit vielem nicht einverstanden, was die Delegation angeht: Er kritisiert, dass das Budget der Judeko teilweise für Laptops ausgegeben wurde (laut Stadt wurden drei Geräte für je rund 850 Euro angeschafft), statt direkt in Projekte für Jugendliche zu fließen. Die Judeko war ihm zu intransparent, die Projekte nicht zielgerichtet genug. „Ein echter Jugendgemeinderat wäre viel sinnvoller“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Dafür warb er, er sammelte auch Unterschriften – kam aber mit seinen Sichtweisen bei den anderen Judeko-Mitgliedern nicht durch.

Kritik am Zuschnitt der Delegation

Hinzu kommt Unzufriedenheit darüber, dass seiner Meinung nach das Thema Jugendzentrum im Ortskern – man erinnere sich an die Kant-10-Debatte – nicht angegangen werde. In einem Gespräch mit Stadträten im Januar kritisierte er ebenfalls den Zuschnitt der Delegation. Nach seiner Aussage sei er in der Folge in einem Judeko-Chat attackiert und beleidigt worden,

Nun muss man wissen: Die Judeko hat sich Leitlinien gegeben, teilweise auch erst in den vergangenen Monaten, die Themen wie Datenschutz und den Umgang mit Konflikten regeln sollen. Versäumt ein Jugendlicher zu viele Sitzungen? Werden Datenschutzregularien nicht eingehalten? Arbeiten Delegierte „nicht im Sinn oder gegen die Jugenddelegation“ Dann kann es zu einem Interventionsgespräch kommen und gar zu einer Abstimmung, an deren Ende per Zwei-Drittel-Entscheidung ein Ausschluss stehen kann. Die Regularien zum Interventionsgespräch lesen sich zum Beispiel so: „Ein*e Sprecher*in übernimmt die Moderation der Sitzung und verliest die ‚Anklage’; Der Beschuldigte kann zur Anklage Stellung nehmen; Die Delegation zieht sich zur Beratung zurück.“

Gefühl, zu kritisch gewesen zu sein

Jener ausgeschlossene Delegierte hat das Gefühl, er sei zu kritisch gewesen und deswegen rausgeschmissen worden. Von der Abteilung Jugend der Stadt ist – mit Verweis auf den Datenschutz – nicht zu erfahren, was der Grund für den Ausschluss war. Es sei um „Formales wie Inhaltliches“ gegangen, heißt es von Uschi Saur und Birgit Scheurer vom Fachbereich Kinder, Jugend, Bildung der Stadt. Abteilungsleiterin Scheurer betont, die Jugendlichen leisteten gute Arbeit. „Sie üben für sich die schwierigen Regeln der Demokratie ein.“ Unterschiedliche Meinungen müssten natürlich erlaubt sein, betont Uschi Saur. Ein Sprecher der Judeko selbst sagt auf Nachfrage, der Ausschluss habe nichts mit der Person zu tun, es sei aber eben zu Verstößen gegen die Leitlinien gekommen.

„Wir haben uns die Entscheidung nicht einfach gemacht,“ betont er. Der Sprecher sagt, er hoffe nun auf viele neue Bewerbungen. „Wir wollen Werbung für die Belange der Jugendlichen machen, Dinge verändern.“

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