Kornwestheim Juz-Standort: Liberale befeuern Debatte

Von
Liberale werben für ihre Idee. Foto: Mateja fotografie

Kornwestheim - Mehrere zumeist junge FDP-Mitglieder haben am Samstagmorgen der Kälte getrotzt und auf dem Holzgrundplatz für ihr Ansinnen geworben. Gewaltige Menschentrauben drängten sich nicht um ihren Stand, doch immerhin: Rund 50 Unterschriften sammelten die Ortsverbandsmitglieder für ihre Idee ein. Ganz neu ist sie nicht, doch soll sie sie nun in den kommunalpolitischen Debatten wieder einen Platz finden.

Es geht ums Jugendzentrum und dessen Standort. Das Juz befindet sich bekanntermaßen an der Stuttgarter Straße, ein großes, schönes und beliebtes Jugendzentrum ist es. Doch haben FDP-Mitglieder am Rande der Auftaktveranstaltung zum Jugendbeteiligungsprozess „Jugend bewegt“ Ende November Gespräche mit jungen Kornwestheimern geführt. Dabei hörten sie, dass die Randlage des Juz einigen Jugendlichen nicht gefällt.

In den Worten der FDP: „Leider kann dieses gut gemachte Angebot von unseren Jugendlichen nicht so genutzt werden, wie es möglich sein könnte und sollte.“ Hierfür gebe es drei „gravierende“ Gründe. Die Erreichbarkeit sei ein Thema, in der dunklen Jahreszeit auch die sichere Erreichbarkeit, außerdem die Attraktivität. Viele Jugendliche wünschten sich ein zentral gelegenes Jugendcafé zum „Abhängen und Chillen“.

Der Vorschlag der Kornwestheimer Freien Demokraten ist nun, das bestehende Jugendzentrum in die ehemalige Stadtbücherei in der Kantstraße zu verlegen und dort zusätzlich ein Jugendcafé einzurichten. Die Zusatzkosten, die entstehen könnten, müssten natürlich zunächst ermittelt und nachfinanziert werden. „Hierüber soll schnellstmöglich mit der Verwaltung gesprochen und im Gemeinderat debattiert werden“, heißt es im offenen Brief des Ortsverbandes.

Im Rathaus selbst hält sich die Begeisterung nach dem Vorstoß in Grenzen – zumal aus dem Prozess „Jugend bewegt“ und weiteren Beteiligungsrunden eigentlich erst in einigen Monaten handfeste Ergebnisse herausgearbeitet werden sollten. Im Rahmen des Jugendhearings sei die Verlagerung des „Juz“ kein Thema gewesen, heißt es von Oberbürgermeisterin Ursula Keck. „Vielmehr wurde von vielen Jugendlichen das breite Angebot gelobt und der Wunsch geäußert, auch innerhalb des Jugendzentrums Räume für geschlossene Jugendgruppen zu finden“, ergänzt die OB.

Nach Beschlüssen des Gemeinderats soll zudem die stadtgeschichtliche Sammlung aus dem Sprecherhaus in der Mühlhäuser Straße in die Kantstraße wandern. Das Haus wird abgerissen, weil mittelfristig dort Wohnhäuser entstehen sollen. „Die Initiative der FDP geht also gänzlich an unseren Beschlüssen vorbei“, sagt Ursula Keck. Wobei der Ortsverband der FDP, den gefassten Beschlüssen zum Trotz, vorschlägt, man könne die stadtgeschichtliche Sammlung ja einfach im bisherigen Jugendzentrum einlagern. Dort sei dann ausreichend Platz.

Auf Nachfrage unserer Zeitung haben sich auch die anderen Kornwestheimer Parteien teils bereits zum Verschlag der Liberalen geäußert. Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Walter Specht sagt: „Die Idee, ein Jugendzentrum näher ins Zentrum zu bringen, ist erstmal positiv.“ Er gibt aber zu Bedenken, dass keine Probleme mit Lärm entstehen sollten. „Die Kornwestheimer SPD würde dieses Gebäude in der Kantstraße für Schüler und Jugendliche vorhalten, aber eher für schulische Zwecke oder als ein selbstverwaltetes Café.“ Auf jeden Fall solle der gute Kontakt mit den Jugendlichen dank „Jugend bewegt“ genutzt und gehalten werden.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans Bartholomä betont, das Thema sei im Kommunalwahlkampf 2014 bereits eingebracht worden, damals von der Grünen Kim Schleicher, seine Fraktion habe es nun ebenfalls wieder auf der Agenda. Ein entsprechender Antrag werde zwischen den Jahren an die anderen Fraktionen und die Verwaltung verschickt. Die CDU wolle das Thema indes „pragmatisch“ lösen, so Barholomä. „Die Frage steht auch in direktem Zusammenhang mit der künftigen Nutzung der ehemaligen Stadtbücherei“, sagt er. „Eine schnelle pragmatische Lösung ist am besten im Zusammenhang mit der Planung des künftigen Schulraumkonzepts zu erreichen. Insofern werden wir die Verwaltung auffordern, das bei der Planung des Schulraumkonzepts zu berücksichtigen.“ Man stehe der Diskussion offen gegenüber, sehe aber eine schnellere und zielgerichtetere Umsetzungsmöglichkeit für ein Jugendcafé im Zentrum bei den Schulen, so heißt es von den Christdemokraten.

Apropos: Der einzige liberale Stadtrat Andreas Schantz bildet aktuell mit der CDU eine gemeinsame Fraktion im Gemeinderat. Man betont stets auch beidseitig die gute Zusammenarbeit. Der Vorstoß der FDP ist auf einer anderen Ebene allerdings auch so zu werten, dass man das eigene Profil für die Kommunalwahlen schärfen will. Schantz will wieder antreten, doch nicht auf Listenplatz eins. Weitere Namen nennt die FDP zwar noch nicht. Doch ist zu hören, dass voraussichtlich mehrere junge Köpfe auf den vorderen Plätzen der liberalen Wahlliste zu finden sein werden. Schantz gibt sich angriffslustig: „Wir kämpfen um drei Sitze“, sagt er.

Und: Um Online-Fans kämpft die FDP jetzt ebenfalls. Die Liberalen werben neuerdings mit einem Account der Sozial-Media-Plattform Instagram und einer runderneuerten Internetseite.