Kornwestheim Keine Betreuung: Eltern sind enttäuscht

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Gähnende Leere: Nur wenige Kinder werden derzeit in den Kindergärten betreut. Daran wird sich auch vorerst nichts ändern – zum Ärger einiger Eltern. Foto: dpa/Sina Schuldt

Kornwestheim - Homeoffice, Kurzarbeit, Verdienstausfall oder Extraschichten auf der Arbeit – und der Nachwuchs will zeitgleich rund um die Uhr betreut sein: Für viele Eltern sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie derzeit extrem belastend. Die Ankündigung, dass ab dem 18. Mai in den Kindergärten die Notbetreuung in Baden-Württemberg weiter ausgedehnt wird, hat etlichen Müttern und Vätern Mut gemacht. Doch ihre Hoffnungen werden nun enttäuscht – zumindest vorerst.

Als das Kultusministerium am 6. Mai mitteilte, man werde vom kommenden Montag an die Betreuung an den Kitas auf bis zu 50 Prozent der Kinder ausweiten, haben erschöpfte Eltern auch in Kornwestheim aufgeatmet. Inzwischen haben sich Ernüchterung und Ärger breitgemacht, denn es zeichnet sich ab, dass in wenigen Tagen eben nicht die Hälfte der Kinder bereits wieder die Einrichtungen besuchen kann. „Es bleibt erst einmal alles, wie es ist“, sagt Birgit Scheurer, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend, Bildung. Das Land habe noch keine zusätzlichen Personengruppen benannt, auf die das Betreuungsangebot ausgedehnt werden darf. Die Stadt sei abhängig von den Vorgaben und warte noch auf eine Ausführungsverordnung, um die weiteren Schritte in Angriff nehmen zu können. „Und dann brauchen wir auch einen gewissen Vorlauf, um alles vorzubereiten“, erklärt Scheurer. Mit anderen Worten: Eine Öffnung für weitere Kinder ist in den Kornwestheimer Kitas in der kommenden Woche praktisch nicht umsetzbar, ein Regelbetrieb liegt noch in weiter Ferne.

Schon seit Mitte März haben die städtischen Kindergärten geschlossen. In den Anfangswochen durften nur Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen in der Karl- und Bebelstraße zeitweise abgegeben werden. 20 bis 30 Jungen und Mädchen wurden in die Notbetreuung gegeben. In der kommenden Woche werden mehr als 100 Kinder in 10 der 13 städtischen Kitas betreut. Zum Vergleich: Im regulären Betrieb kann die Stadt etwa 1000 Plätze zur Verfügung stellen.

Viele Eltern sind enttäuscht, dass sie ihr Kinder oder ihre Kinder weiterhin zu Hause betreuen müssen. „Es ist eine nie da gewesene Situation, deshalb ist es schwierig gerade“, sagt Marta DiGennaro-Cudazzo, Sprecherin des Kornwestheimer Gesamtelternbeirats (GEB). Durch die Nennung des Stichtags 18. Mai habe man einem Teil der Eltern Hoffnung gemacht, dass bei ihnen wieder etwas mehr Normalität einkehren wird. Sie seien verwirrt gewesen, als sie mitbekommen hätten, dass es für ihre Kinder nun doch noch keine Betreuung geben wird. Deshalb seien nun einige Eltern enttäuscht.

Bei der Hotline der Stadt zur Notfallbetreuung an Schulen und Kitas „laufen die Drähte nonstop heiß“, sagt Birgit Scheurer. „Uns sind die Nöte der Eltern bekannt.“ Sie könne nachvollziehen, dass die Nerven blank liegen. Scheurer appelliert aber an die Geduld der Mütter und Väter. Ohne die konkreten Vorgaben des Landes dürfe die Stadt die Betreuung nicht ausdehnen. Zudem sei es wichtig, den Betrieb nur schrittweise wieder hochzufahren und Schnellschüsse zu vermeiden. „Wir müssen auf Sicht fahren. Die Gesundheit geht vor.“ Kinder seien nun einmal besonders schutzbedürftig, betont die Fachbereichsleiterin.

Auch DiGennaro-Cudazzo hält persönlich nichts von voreiligen Entscheidungen. Sie versteht, dass es in der komplexen Situation schwierig ist, weitere Schritte zu beschließen. Mit einem offenen Brief hat sich der GEB vor wenigen Tagen an die Eltern gewandt und um Verständnis für Stadtverwaltung, Gemeinderat und Kitaleitungen geworben. Zudem geben die Elternvertreter darin Tipps, wie Mütter und Väter die Zeit mit ihren Kindern sinnvoll nutzen und wie sie den Kontakt zu den Erziehern und zu anderen Eltern aufrechterhalten können.

Auch andernorts im Kreis sind die fehlenden Vorgaben des Landes ein Thema. Konrad Seigfried, der Erste Bürgermeister von Ludwigsburg, kritisiert, dass eine Regelung weiterhin auf sich warten lässt. In den Kitas in der Barockstadt soll die Notbetreuung in der kommenden Woche deshalb auch wie bisher organisiert werden. Ähnliche Kritik ist aus Bietigheim-Bissingen, Ditzingen, Hemmingen und Schwieberdingen zu hören.

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